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13.12.2011

10:36 Uhr

Martin Siegel im Interview

„Die Politik will die Inflation“

VonJörg Hackhausen, Christian Panster

Die Notenbank druckt Geld - und entwertet es damit, meint Martin Siegel. Der Fondsmanager und Goldexperte warnt im Interview vor Inflation. Der Politik wirft er „Lügen, Täuschungen und Verfassungsbruch“ vor.

Martin Siegel, Fondsmanager Stabilitas GmbH und Geschäftsführer Westgold, warnt vor Inflation.

Martin Siegel, Fondsmanager Stabilitas GmbH und Geschäftsführer Westgold, warnt vor Inflation.

Herr Siegel, wir haben schon vier Jahre Finanzkrise hinter uns. Wann wird die Krise endlich überstanden sein?

Die Probleme sind nicht gelöst, sie wurden nur in die Zukunft verschoben. Man hat die maroden Bankbilanzen auf den Staat übertragen, der dadurch überfordert ist. Wie man da wieder herauskommen soll, weiß niemand. Aber die Bevölkerung merkt, dass es so nicht mehr weitergeht.

Wird Europa die Schuldenkrise überstehen?

Ich bin mir nicht sicher. Europa hat nicht nur ein Schulden-, sondern mittlerweile auch ein Legitimationsproblem.

Ein Freund Europas scheinen Sie nicht gerade zu sein.

Doch, das bin ich. Wenn wir alle Schulden und alle Steuereinahmen zusammenschmeißen, dann wäre das Verhältnis auch nicht schlechter als in den USA oder Japan. Warum sollen nicht alle Europäer in einem Bundesstaat zusammenleben? Deutschland ist doch ein gutes Beispiel. Vor wenigen hundert Jahren noch haben sich die Kleinstaaten gegenseitig die Köpfe eingeschlagen. Heute gilt die Bundesrepublik Deutschland weltweit für viele als Vorbild. Warum sollten nicht auch die Vereinigten Staaten von Europa funktionieren.

Aber was ist dann Ihr Problem?

Es wird uns, den Bürgern, nicht ehrlich gesagt, was mit Europa geschehen soll. Niemand gibt offen zu, dass wir schon in den nächsten 24 Monaten eine Fiskalunion mit gemeinsamem Haushalt bekommen sollen und dass die Bildung der Vereinigten Staaten von Europa bereits hinter den Kulissen beschlossen worden ist. Der Weg dorthin ist mit Lügen, Täuschungen und Verfassungsbrüchen gepflastert. Die Mehrheit der Bevölkerung wird ohne ehrliche Information, mit Angst und ohne demokratische Mitwirkungsmöglichkeiten in dieses neue Europa gezwungen. Es ist völlig unklar, wie Europa zukünftig regiert werden soll – mit einem Präsidentschaftswahlkampf wie in den USA oder mit einer Verwaltungsregierung wie in Belgien oder mit der Legitimation von Goldman Sachs Bankern wie in Italien und Griechenland.

Was wird Ihrer Meinung nach aus Europa?

Ich fürchte, wir bekommen eine Art Herrschaft der Brüsseler Bürokratie, bei der wesentliche Merkmale der Demokratie außer Kraft gesetzt werden. Für mich stellt sich auch die Frage, ob die Bevölkerung sich das in allen europäischen Ländern einfach so gefallen lässt, belogen und betrogen zu werden, um sich dann aus Brüssel verwalten zu lassen. Wenn auf dem Weg nach Europa die Grundgesetze und Verfassungen einfach so ausgehebelt werden, wie sieht es dann mit dem Recht in einem zukünftigen Europa aus. Die Gefahr, dass sich das Ganze auf dieser Basis totalitär entwickeln könnte, sollte wenigstens nicht ignoriert werden.

Was werden die Politiker tun, um das Schuldenproblem zu lösen?

Sie werden Geld drucken lassen. Zum Schluss werden nur noch die Notenbanken die Staatsanleihen kaufen. Dadurch wird die Geldmenge extrem erhöht, was wiederum zu höheren Inflationsraten führen muss. Ich glaube, die Verantwortlichen in den Regierungen und den Notenbanken haben sich längst darauf geeinigt: Ja, wir wollen die Inflation.

Die Experten der Banker sagen, dass die schwachen Wachstumsraten in Europa die Teuerungsraten dämpfen.

Das ist doch dummes Zeug. In Zimbabwe gab es in den vergangenen Jahren auch kein Wachstum, dafür aber Hyperinflation. Genauso war es in Deutschland in den 1920er-Jahren. Damals betrug die Inflationsrate 50 Prozent pro Woche. Gewachsen ist die Wirtschaft auch damals nicht. Inflation ist immer ein monetäres Problem.

Kommentare (74)

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goldhamster

13.12.2011, 10:45 Uhr

Kein Diktator hat Europa überlebt, auch die EU wird es nicht überleben.

Petra

13.12.2011, 10:48 Uhr

Der Staat entschuldigt sich durch die Inflation elegant. Dadurch schieben die Politiker den Unternehmern die Schuld zu, die ständig die Preise erhöhen und sich scheinbar eine goldene Nase verdienen! Damit werden dann auch populistisch Steuererhöhungen für die Besserverdiener durchgesetzt. Niemand denkt daran, daß in Wirklichkeit die Politiker die wahrhaft Schuldigen sind!

Hans

13.12.2011, 10:56 Uhr

Dass ein "Fondsmanager Stabilitas GmbH und Geschäftsführer Westgold" vor Inflation warnt, ist nun wirklich keine Überraschung...

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