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27.01.2010

17:58 Uhr

Massive Verkäufe

Griechische Anleihen im freien Fall

VonAndrea Cünnen

Das Vertrauen der Anleger in griechische Anleihen hat einen weiteren Schlag erhalten. Nachdem das Land einen Bond-Deal mit China demenierte, gingen die Kurse erneut auf Talfahrt. Die gegenläufigen Renditen sind jetzt deutlich höher als vor der Einführung des Euros im Jahr 2001.

Bundesbankpräsident Axel Weber: Griechenland muss das Haushaltsdefizit reduzieren. Quelle: dpa

Bundesbankpräsident Axel Weber: Griechenland muss das Haushaltsdefizit reduzieren.

FRANKFURT. Anleger haben gestern erneut massiv griechische Staatsanleihen verkauft. Im Gegenzug stieg die Rendite zehnjähriger Griechen-Bonds um fast einen halben Prozentpunkt auf 6,7 Prozent. Das war der höchste Stand seit 1999 - also vor der Euro-Einführung der Hellenen im Jahr 2001. Auch die Rendite der am Montag verkauften und gut dreifach überzeichneten neuen fünfjährigen Staatsanleihe über acht Mrd. Euro schnellte auf fast 6,3 Prozent nach oben.

Die Renditeabstände im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen stiegen für zehn Jahre auf 3,5 und für fünf Jahre auf 4,3 Prozentpunkte. Investoren, die den neuen fünfjährigen Griechen-Bond am Montag gekauft hatten, machten somit zunächst ein schlechtes Geschäft.

Enttäuschte Hoffnungen auf Deal mit China

Auslöser dafür waren enttäuschte Hoffnungen der Investoren. Die "Financial Times" und das "Wall Street Journal" hatten berichtet, dass die Regierung in Athen mit der Regierung in Peking darüber verhandle, dass der staatliche chinesische Devisenfonds griechische Staatsanleihen über bis zu 25 Mrd. Dollar kaufen solle. Ähnliche Gerüchte hatte es schon im November gegeben.

Jetzt konkretisierten sich die Angaben aber. So wurde laut den Berichten die US-Bank Goldman Sachs als Vermittler eingeschaltet. Das Finanzministerium in Athen wies die Berichte jedoch entschieden zurück. "Wir haben Goldman Sachs nicht damit beauftragt, irgendeine Vereinbarung mit China auszuhandeln." Dabei hatten Investoren offensichtlich gehofft, dass ein Großgeschäft mit China Griechenlands Finanznot lindern könnte. Die Griechen wollen in diesem Jahr neue Anleihen über 53 Mrd. Euro begeben. Vor der für die Griechen mit Blick auf die Nachfrage erfolgreichen, aber teuren Refinanzierung am Montag hatte es bereits Zweifel gegeben, dass das Land genügend Investoren zusammenbekommen würde. Die Griechen haben für das vergangene Jahr ein Budgetdefizit von 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausgewiesen und damit eine so hohe Defizitquote wie kein anderes Euro-Land.

Präsident der Bundesbank mahnt in Davos

Beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos forderte gestern Bundesbank-Chef Axel Weber Griechenland auf, das Haushaltsdefizit wie versprochen auf unter drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu reduzieren. In den nächsten Tagen wird zudem ein Bericht der EU-Kommission zu den bisher von der Regierung in Athen vorgelegten Sparplänen erwartet. Gegen die Sparmaßnahmen regen sich aber bereits massive Proteste in der Bevölkerung. Griechische Landwirte blockierten gestern die Grenzübergänge zu Bulgarien.

Bei internationalen Investoren will Griechenland im Februar wieder vorfühlen. Die mit dem Schuldenmanagement beauftragte Finanzagentur hat bereits Pläne für eine zehnjährige Anleihe über drei Mrd. bis fünf Mrd. Euro angekündigt. Nach früheren Angaben der Finanzagentur sind zudem Anleihen in Dollar und Yen möglich. Dafür wollen die Hellenen in den USA und in Asien auf Werbetour gehen.

Kommentare (3)

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CrisisMaven

27.01.2010, 21:25 Uhr

Griechische Tragoedie auf modern ...
http://crisismaven.wordpress.com/2010/01/24/will-greeces-default-bring-down-the-euro/

rainer repke

28.01.2010, 06:25 Uhr

fuer 6.7% Zins kaufe ich kein Griechenland. Lieber kaufe ich Austral $ Anleihen, drei Jahre 6%. Die koennen zwar nicht viel, haben aber Rohstoeff fuer die naechsten 15o Jahre.

Euer
Rainer

no.7

28.01.2010, 12:10 Uhr

...griechische bauern protestieren bereits. -ich habe einen Filmbericht darüber gesehen, die haben die teuersten Traktoren und Maschinen für ihre Olivenbäume. Zahlen soll diese dann der EU-Steuerzahler. beziehungsweise ist es denen scheinbar egal, wer zahlt. Es ist immer dasselbe: bestellen und nicht zahlen können. Die haben sich da einen üblen Schuldensumpf angerührt, nur um über die verhältnisse leben zu können. Dafür darf es keine Akzeptanz geben, meine ich. Nun seht nur zu was ihr macht.

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