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31.05.2011

00:32 Uhr

Medienbericht

Goldman wird Risiko Nr. 1 der Wall Street

Goldman Sachs, einst die profitabelste Bank an der Wall Street, stehe kurz davor, auch zur risikoreichsten Bank zu werden, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg - zumindest in den Augen von Anleiheinvestoren.

Die Konzernzentrale von Goldman Sachs in 200 West Street New York. Quelle: Reuters

Die Konzernzentrale von Goldman Sachs in 200 West Street New York.

New YorkKreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), auf Anleihen von Goldman, hätten sich bislang im Mai um 36 Basispunkte auf nun 149 Basispunkte verteuert, heißt es in einer Analyse der Nachrichtenagentur Bloomberg, die sich auf  Daten des Research-Hauses CMA in London beziehen. Damit lägen die Papiere auf einem Niveau mit den Ausfallversicherungen auf Morgan Stanley – dem Institut, das als am wenigsten kreditwürdig unter den sechs größten US-Banken gelte.

Auch der Aktienkurs des Wall-Street-Hauses ist in den vergangenen Wochen deutlich gefallen. Das Goldman-Papier hat seit Anfang Mai rund neun Prozent verloren. Seit Anfang des Jahres sind es rund 17 Prozent.

Die Investoren seien aus zwei Gründen verunsichert, sagt Chris Maimone, Analyst von Standard and Poor’s Equity Research. Zum einen sei das Institut in mehrere Untersuchungen von Behörden verwickelt, was das Klagerisiko erhöhe und den Ruf gefährde. Zum anderen sei weiter unsicher, wie sich die Ausgestaltung der Finanzreform in den USA auf das Goldman-Geschäft auswirken werde. „Ein beschädigter Ruf ist sowohl Kunden als auch gegenüber Investoren schwer zu reparieren“, gab Maimone zu bedenken. Das sei besonders für ein Institut wie Goldman riskant, das so eng mit Kunden zusammenarbeite. Der Analyst hatte die Aktie Mitte Mai von „Kaufen“ auf „Halten“ heruntergestuft. Auch der bislang als Goldman-Fan bekannte Bankenexperte Dick Bove von Rochdale Securities hatte seine Bewertung nach unten korrigiert.

Das von Lloyd Blankfein geführte Institut war in den vergangenen Wochen in den Fokus von mehreren Untersuchungen geraten. So veröffentlichte ein einflussreicher Sentatsausschuss im April einen mehr als 600 Seiten starken Bericht, der unter anderem die Hypothekengeschäfte von Goldman Sachs in der Finanzkrise unter die Lupe nahm. Darin wird der Bank unter anderem vorgeworfen, ihre Kunden getäuscht zu haben. So soll Goldman bei bestimmten Finanzprodukten, sogenannten Collateralized Debt Oblications (CDOs), das Eigeninteresse der Bank nicht offengelegt haben.

Man habe bei Goldman und anderen Banken „eine Reihe von besorgniserregenden und zum Teil missbräuchliche Praktiken“ festgestellt, hieß es in dem Bericht. US-Justizminister Eric Holder erklärte kurz darauf, dass sich seine Behörde die Ergebnisse genau ansehe. Mitte Mai berichteten US-Medien, Goldmans Management stelle sich darauf ein, dass das Justizministerium Dokumente einsehen wolle. Ob das Ministerium Klage einreichen werde, ist unklar. Das Risiko sei jedoch erhöht, schrieb Analyst Maimone von Standard and Poor’s, als er die Goldman-Aktie herunterstufte. Die Bank hatte erklärt, dass sie viele Schlussfolgerungen des Berichtes nicht teile.

Auch New Yorks Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman hat eine Untersuchung eingeleitet, die die Hypothekengeschäfte von Banken untersuchen soll.

Kommentare (2)

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EuroTanic

31.05.2011, 09:57 Uhr

Die deutsche Bank steht dem in Nichts nach. Geht man davon aus, dass die Ermittlungsbehörden ebenso korrupt und kriminell mit der Geldelite verflochten ist sind die bekannten Skandale und Verfahren nur die Spitze des Eisberges. Im Prinzip könnten alle Banker ab Middlemanagement aufwärts in Untersuchungshaft und gehören vor ein Volkstribunal gestellt. Dabei könnte gleichzeitig der Weltgeldbetrug mit Fiat Money, Giralgeld und Zinseszins aufgerollt werden.

stillfried

31.05.2011, 18:23 Uhr

Es ist immer wieder erstaunlich, zu beobachten, wie auch
Goldman ungerührt hohe Strafen für unsaubere Geschäfte zahlt, und damit nur ein kleiner Teil der betrügerischen Gewinne der Bank wieder abgeschöpft werden. Herr Blankfein
macht dann ungerührt weiter, als wenn nichts gewesen ist. Bis zur nächsten Strafzahlung- einfach grandios was Banken
tun können, ohne daß auch mal der Staatsanwalt kommt.

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