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31.01.2017

15:13 Uhr

Mega-Anleihe

Anleger reißen sich um Microsoft

VonAndrea Cünnen

Vor den nächsten Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed nutzt der US-Softwareriese Microsoft die Gunst der Stunde und leiht sich 17 Milliarden Dollar bei Anleiheinvestoren. Warum der Deal so gut ankommt.

Der US-Konzern hat am Anleihemarkt erneut mit einer riesigen Emission zugeschlagen. Reuters, Sascha Rheker

Microsoft

Der US-Konzern hat am Anleihemarkt erneut mit einer riesigen Emission zugeschlagen.

FrankfurtNicht kleckern, sondern klotzen. Dieses Motto befolgt Microsoft, der weltgrößte Softwarehersteller, auch am Anleihemarkt. Der Konzern hat sich zu Wochenbeginn bei Investoren auf einen Schlag 17 Milliarden Dollar am Anleihemarkt geliehen. Und es ist beileibe nicht das erste Mal, dass der Softwaregigant aus Redmond im US-Bundesstaat Washington extrem viel Geld bei den Bond-Investoren einsammelt. Emissionen über mehr als zehn Milliarden Dollar sind bei Microsoft eher die Regel als die Ausnahme.

Erst vor einem halben Jahr holte sich der von Satya Nadella geführte Konzern für die Übernahme des sozialen Netzwerks Linkedin 19,75 Milliarden Dollar – und rangiert damit laut Informationsdienst Dealogic auf Platz fünf der größten Firmen-Bond-Deals aller Zeiten. Die neue Anleihe gehört zu den siebtgrößten jemals platzierten Bonds eines Unternehmens.

Anleihen über 17 Milliarden Dollar hatten in den vergangenen Jahren auch schon Medtronic und Apple begeben. Dabei braucht Microsoft das in dieser Woche eingesammelte Geld nicht für eine Übernahme, sondern für allgemeine Geschäftszwecke. Analysten spekulieren, dass der Konzern damit Investitionen und Aktienrückkäufe finanzieren will.

Bei Investoren kam die Anleihe extrem gut an. Die zwölf Konsortialbanken – angeführt von Barclays und HSBC — berichteten von Kaufaufträgen über insgesamt 37,3 Milliarden Dollar. Das liegt auch daran, dass Microsoft neben dem US-Pharmakonzern Johnson & Johnson das weltweit einzige Unternehmen ist, dem beide große Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s die Spitzenbonitätsnote „AAA“ geben. Nur die etwas kleinere Ratingagentur Fitch vergibt das eine Stufe darunter liegende „AA+“. Damit ist die Bonität von Microsoft vergleichbar mit der Kreditwürdigkeit der USA. Die Vereinigten Staaten haben von Moody‘s und Fitch das Dreifach-A und von S&P ein „AA+“.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Dennoch bietet Microsoft für seine Anleihen höhere Zinsen als der amerikanische Staat. Microsoft holte sich das Geld in Dollar über sieben verschiedene Laufzeiten von drei, fünf sieben, zehn, 20, 30 und sogar 40 Jahre. Dabei lagen die Renditeaufschläge über den Treasuries genannten amerikanischen Staatsbonds – steigend mit der Laufzeit – zwischen 0,4 und 1,4 Prozentpunkten. Konkret bietet zum Beispiel die fünfjährige neue Microsoft-Anleihe einen Zinsschein von 2,4 Prozent, bei der zehnjährigen sind es 3,3 und bei der 40-jährigen 3,07 Prozent. Da die Bonds leicht unter den Rückzahlungskursen von 100 Prozent begeben wurden, waren die Renditen sogar noch etwas höher.

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