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08.09.2014

19:45 Uhr

Mega-Börsengang

Alibaba lässt Privatanleger kalt

Alibabas Börsengang dürfte einer der größten aller Zeiten werden. Die Wall Street hört schon die Kassen klingeln – aber ist die Neuemission auch attraktiv für Privatanleger?

Alibaba ist der größte Marktplatz der Welt. Sein Börsengang dürfte einer der größten aller Zeiten werden. dpa

Alibaba ist der größte Marktplatz der Welt. Sein Börsengang dürfte einer der größten aller Zeiten werden.

New YorkDer Mega-Börsengang von Chinas führendem Online-Händler Alibaba in den USA lockt Privatanleger bislang kaum. Das Interesse an der womöglich größten Neuemission aller Zeiten sei verhalten, sagt der Finanzberater Bob Mecca von Hoffman Estate. Nach dem offiziellen Startschuss für das Vorhaben hatten sich viele seiner Kollegen auf eine Welle von Telefonanrufen privater Investoren eingestellt, die unbedingt Alibaba-Papiere haben wollen.

Fakten zu Alibaba

Gründer

Jack Ma

Gründungsjahr

1999

Unternehmenssitz

Hangzhou, Hauptstadt der chinesischen Provinz Zhejiang

Geschichte

Alibaba.com startete als Onlineportal für Unternehmen. Sie sollten dort zum Beispiel Büromaterial in Massen bestellen können. 2003 kam der Ebay-Klon Taobao hinzu, eine Auktionsplattform, die Alibaba auch bei Privatkunden bekannt machte. Im September 2014 erfolgte der Börsengang in New York.

Anteilseigner

2005 stieg Yahoo mit einem Anteil von 40 Prozent bei Alibaba ein. Derzeit hält der US-Konzern noch rund 20 Prozent an dem Unternehmen. Auch der japanische Internetkonzern Softbank zählte mit 35 Prozent zu einem wichtigen Anteilseigner von Alibaba. verkaufte aber im Juni 2016 ein Aktienpaket im Wert von mindestens 7,9 Milliarden Dollar (7,1 Milliarden Euro). Alibaba kaufe selbst Anteile im Wert von zwei Milliarden Dollar zurück, ein weiterer Teil im Wert von 500 Millionen Dollar gingen an einen „großen Staatsfonds“.

Aber so kam es nicht: „Die Leute sind beim Börsengang von Facebook aufgesprungen, weil sie das Unternehmen kannten. Aber niemand hat je etwas von Alibaba gehört“, erklärt sich Mecca, der 175 Millionen Dollar verwaltet, die Entwicklung. Private Anleger erhalten für gewöhnlich zehn bis 20 Prozent der Aktien bei großen Börsengängen.

Das Interesse an Alibaba ist nur etwa halb so groß wie beim Kurznachrichtendienst Twitter damals, sagt Steve Quirk vom Broker TD Ameritrade. Verglichen mit Facebook liege die Nachfrage gar nur bei etwa einem Viertel. Facebook hatte bei seinem Börsengang im Mai 2012 etwa 16 Milliarden Dollar eingenommen, bei Twitter waren es rund 1,8 Milliarden.

Der Amazon-Konkurrent Alibaba peilt beim Sprung aufs Parkett in New York ein Emissionsvolumen von gut 21 Milliarden Dollar an, inklusive Mehrzuteilungsoption könnten es rund 24 Milliarden werden. Das Internet-Versandhaus ist seit seiner Gründung vor 15 Jahren rasant gewachsen. Über Alibaba-Portale werden heute weit mehr Waren verkauft als bei Amazon und Ebay zusammen. Alibaba wird das größte Unternehmen aus China an einer US-Börse sein.

Langfristig könnte ein geringes Interesse privater Anleger nach Ansicht von Fachleuten ein Nachteil für Alibaba sein. Nicht-professionelle Anleger halten die Papiere in der Regel länger und verleihen damit dem Kurs Stabilität. Außerdem sorgen sie für eine breitere Aktionärsbasis. Eine starke Konzentration auf eine kleine Zahl institutioneller Investoren birgt für Firmen die Gefahr, sich gravierenden Einflussversuchen dieser Anteilseigner eher beugen zu müssen. Experten halten es aber für möglich, dass das Interesse von Privatanlegern noch zunimmt. Die Roadshow, bei der Investoren umworben werden, soll in den nächsten Tagen in New York starten.

Einige Privatanleger bevorzugen dem Finanzberater James Gambaccini zufolge die Aktien der Alibaba-Eigner Softbank und Yahoo. Der japanischen Mobilfunkanbieter hält 34 Prozent an Alibaba, der US-Internetpionier etwa 22,5 Prozent. Insgesamt sei das Interesse am Alibaba-Börsengang enttäuschend, weil viele Anleger mit dem Unternehmen nichts anfangen könnten, sagt Gambaccini. Zudem hätten sie Bedenken, dass sich die chinesische Regierung in die Geschäfte des Online-Imperiums einmischen könnte. Der Berater Alan Haft stieß in gleiche Horn. Er habe über Monate versucht, Kunden für Alibaba zu gewinnen. Dies sei ein schwerer Kampf, sagt er.

Die relative Unbekanntheit hierzulande täuscht über die Bedeutung des Konzerns in China mit seinen 1,35 Milliarden Einwohnern hinweg. Das Unternehmen mit 300 Millionen Kunden und 25.000 Beschäftigten wickelt 80 Prozent aller Internet-Einkäufe in der Volksrepublik ab, die dieses Jahr auf ein Volumen von knapp 300 Milliarden Euro anschwellen dürften.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Herr Andreas Rabenstein

08.09.2014, 20:08 Uhr

Es kann gut sein, dass hierzulande kaum jemand ALIBABA kennt, ich kannte den Konzern bis dato auch noch nicht. Genau so ging es mir übrigens mit Tencent, habe ich viel zu spät entdeckt, da standen schon +500 % auf dem Papier. Na dann, wir werden sehen wie ALIBABA sich entwickelt, ich meine als AG.

Herr Hormazdyar Kutar

09.09.2014, 09:34 Uhr

Privaten Anlegern (in Deutschland zumindest) wird die Beteiligung auch nicht leicht gemacht. Als ich mich bei meiner Bank (Commerzbank) danach erkundigte wurde mir gesagt dass sie (Commerzbank) nicht Konsortialpartner ist, und deshalb die Bank mir kein Weg als Privatanleger aufzeigen könnte. Meine Rückfrage am selben Tag bei der Deutschen Bank ergab die Auskunft: "Ja, wir sind Konsortialpartner, aber wir bieten Privatanleger keine Möglichkeit an sich an dem IPO zu beteiligen."
Nun frage ich mich: "was kann ich tun um doch noch an dem IPO teilnehmen zu können". Wie viele andere Privatanleger besitze ich nicht so viel Kapital dass ich Beziehungen zu Aktienbrokern oder zu Private Equity Firmen hätte.

Horst horstmann

09.09.2014, 09:53 Uhr

Das ist genau meine Erfahrung. Man vermittelt Privatanlegern das Gefühl nicht erwünscht zu sein und beklagt sich dann, dass niemand zeichnen möchte.
Es wäre schön, wenn das HB zeigt, wie ich am IPO teilnehmen kann.

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