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26.10.2016

16:37 Uhr

Milchpreis-Verfall

Wie die Börse die Milchbauern retten könnte

Landwirte in ganz Europa ächzen unter dem Milchpreis-Verfall. Der Deutsche Bauernverband bringt nun eine neue Idee ins Spiel, um die Existenzängste zu mildern: Milch soll wie Getreide an Terminbörsen gehandelt werden.

Der Deutsche Bauernverband sieht in Termingeschäften eine mögliche Lösung für die Preiskrise auf dem Milchmarkt. dpa

Milchpreis

Der Deutsche Bauernverband sieht in Termingeschäften eine mögliche Lösung für die Preiskrise auf dem Milchmarkt.

BerlinBillige Milch freut die Kunden im Supermarkt, doch viele Bauern bangen wegen des anhaltenden Preistiefs um ihre Existenz. Nun gibt es einen neuen Vorschlag, um Stabilität in den Milchmarkt zu bekommen: Der Deutsche Bauernverband (DBV) setzt sich für einen groß angelegten Handel mit Rohmilch über Terminbörsen ein, den es etwa für Getreide seit langem gibt. Es gebe gute Chancen, den Preisverfall abzuschwächen, wenn sich die Unsicherheit über künftige Preise durch feste Terminkontrakte senken lässt, heißt es.

Trotz leichter Erholung hatten die Landwirte zuletzt im Schnitt 23 Cent je Liter erhalten. Um die Kosten zu decken, gelten mindestens 35 Cent als erforderlich. Neben der schwachen Nachfrage aus China und einem hohen Angebot aus den USA und Neuseeland macht Russlands Importstopp für westliche Lebensmittel den Bauern zu schaffen.

Der Weg der Milch von der Kuh ins Supermarktregal

Auf dem Bauernhof

Nur wenige Bauern vermarkten ihre Milch direkt – die meisten verkaufen sie an Molkereien. Alle ein bis zwei Tage wird die in Kühltanks gelagerte Milch dann beim Bauern abgeholt. Schon dabei werden erste Proben genommen, die im Labor untersucht werden.

In der Molkerei – Schritt I

In der Molkerei wird die Milch gefiltert und in Magermilch und Rahm getrennt. Um den gewünschten Fettgehalt zu erzielen, werden beide Zwischenprodukte später wieder gemischt.

In der Molkerei – Schritt II

Bei der Pasteurisierung wird die Milch etwa 40 Sekunden auf bis zu 75 Grad erhitzt und rasch wieder abgekühlt. Etwaige Keime sollen so abgetötet werden, ohne Inhaltsstoffe wie Vitamine zu zerstören. Das Homogenisieren - also die Verkleinerung der Fetttröpfchen unter hohem Druck – soll das weitere Aufrahmen verhindern.

Auslieferung

Die verarbeitete Milch wird an Supermärkte, Großverbraucher oder die Lebensmittelindustrie ausgeliefert.

Quelle: Milchindustrie-Verband

Im Jahr 2015 ist der durchschnittliche Milchpreis weltweit um 33 Prozent zurückgegangen, wie aus dem IFCN Dairy Report 2016 hervorgeht – es war das schlimmste Jahr für viele Erzeuger seit Jahrzehnten. „Wir befinden uns gerade in der dritten Milchpreiskrise seit 2007“, betont IFCN-Geschäftsführer Torsten Hemme. Über drei Viertel der Milchbauern in Westeuropa, Nordamerika und Ozeanien konnten ihre Kosten nicht decken.

Der Terminhandel soll nun die Märkte stabilisieren. Bei einem Symposium zur Preisgestaltung hatte der Bauernverband zuletzt kritisiert, dass der deutsche Milchsektor im internationalen Vergleich in diesem Bereich hinterherhinke. „Auch wenn nur eine Handvoll Teilnehmer dabei ist, wäre das sinnvoll“, meint Commerzbank-Rohstoffanalyst Eugen Weinberg. „Es würde Transparenz schaffen.“ Seiner Ansicht nach würden nicht einzelne Bauern in das Termingeschäft einsteigen, sondern eher größere Molkereien oder Genossenschaften. „Diese könnten Preisvorteile dann an die Landwirte weitergeben“, heißt es aus der Verbandszentrale in Berlin.

Auch Sebastian Hess, Professor am Lehrstuhl für Ökonomie der Milch- und Ernährungswirtschaft der Christian-Albrechts-Universität in Kiel, hält die Preisabsicherung über Terminkontrakte für sinnvoll: „Für kleinere Betriebe wären Sammelkontrakte, die Molkereien oder Genossenschaften anbieten, eine gute Lösung.“ In größeren Betrieben mit mehreren Angestellten und höheren Fremdkapitalquoten plädiert er aber für ein Umdenken: „In Deutschland sind es die Landwirte gewohnt, dass das Milchgeld gezahlt wird. Sie halten die Preise mitunter noch für ein rein politisches Problem, was sich aus dem jahrzehntelangen Milchmarkt-Dirigismus erklären mag.“

Doch das individuelle Risikomanagement werde für sie immer wichtiger. In Ländern wie den USA handeln auch die Bauern in den einzelnen Betrieben schon länger mit Milch: „Das liegt zum einen an den im Schnitt deutlich größeren Betrieben. Zum anderen ist die Einstellung dort eine andere: Die Produzenten sehen sich nicht nur als Lieferanten, sondern auch als Vermarkter ihrer Milch.“

Die Hoffnung ist daher auch, dass mit dem Terminhandel die Politik in Deutschland entlastet wird. Die große Koalition hat den Milchbauern ein „Maßnahmenpaket“ inklusive Bürgschaftsprogramm, Steuerentlastungen und aufgestockten Hilfen zugesagt, das noch in diesem Jahr beschlossen werden soll. Das Unterstützungspaket für die Landwirtschaft setze ein gutes Signal in die richtige Richtung, meinte der Präsident des Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. Agrarminister Christian Schmidt (CSU) hatte jedoch bereits im Juli Erwartungen an eine rein politische Lösung nach dem Ende der EU-Milchquote gedämpft.

Kommentare (6)

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Herr Toni Ebert

26.10.2016, 16:50 Uhr

na so etwas.

Wo die bösen Börsianer doch für alles verantwortlich sind, was den Bauern schadet. Egal, was es ist, IMMER sind die Spekulanten Schuld und nun wollen die armen Bauern, dass die bösen Spekulanten ihnen helfen sollen?

Herr Holger Narrog

26.10.2016, 16:55 Uhr

Es gibt bereits Terminmärkte für Landwirtschaftliche Produkte. Sicherlich kann man auch Milch handeln. Allerdings ist es an der Börse wie mit jedem Handel. Bei Angebotsüberschüssen sinken die Preise. Den wesentlichsten Vorteil einer Börsennotierung von Milch sehe ich in der Transparenz einer Börse.

Ich vermute dass in Kürze andere Kommentatoren ihre ganzen, gelernten sozialistischen Parolen in die Kommentarspalte einstellen werden.

Herr Franz Alt

26.10.2016, 16:56 Uhr

Tagträumer, es zeugt schon von einer immensen Naivität, wenn hier geglaubt wird, man könne die Überproduktion mit Hilfe der Börse "entsorgen" und am Ende auch noch höhere Preise erzielen. Wenn es einen Terminkontrakt auf Rohmilch geben würde (was am Ende nur wünschenswert ist), würde dieser sicherlich Preise wiederspiegeln, die in etwa auf dem Niveau der heutigen tatsächlichen Preise liegen würden. Eine Preiserhöhung bei Milch kann es nur geben, wenn einerseits die Produktion deutlich heruntergefahren wird und andererseits der Export sich erholt.

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