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14.09.2012

14:37 Uhr

Milliardär macht Kasse

Wird Buffett zum Spekulanten?

Der Milliardär Warren Buffett ist bekannt dafür, dass er seine Aktien jahrelang behält. Doch entgegen sonstiger Gewohnheiten hat er diesmal schnell verkauft. Wird er seinem Stil untreu?

Der Investor Warren Buffett hat Aktien von Intel gekauft - und innerhalb eines Jahres wieder abgestoßen. dapd

Der Investor Warren Buffett hat Aktien von Intel gekauft - und innerhalb eines Jahres wieder abgestoßen.

Ganz entgegen den eigenen Gepflogenheiten hat Multimilliardär Warren Buffett Aktien von Intel bereits nach weniger als einem Jahr wieder verkauft. Dabei fiel allerdings ein satter Gewinn für seine Holding Berkshire Hathaway an - was wieder voll dem Stil der Investorenlegende aus Omaha in Nebraska entspricht.

Die Berkshire-Tochter Geico hatte in der zweiten Jahreshälfte 2011 insgesamt 11,5 Millionen Aktien des Chipherstellers mit Sitz im kalifornischen Santa Clara zum Durchschnittspreis von etwa 22 Dollar je Stück gekauft. Das geht aus Daten der National Association of Insurance Commissioners hervor, die von Bloomberg aufbereitet wurden. Verkauft hat Berkshire diese Position bis zum 8. Mai dieses Jahres, wobei ein Durchschnittspreis von 27,75 Dollar je Aktie erzielt wurde. Dabei sprang ein Gewinn von rund 60 Millionen Dollar heraus.

Diese Aktien hat Buffett im Depot

Aktien im Depot

Berkshire Hathaway, die Holding von Warren Buffett, ist verpflichtet das so genannte Formular 13F zu getätigten Investments bei der US-Börsenaufsicht einzureichen.
Die Mitteilung soll immer innerhalb von 45 Tagen nach Quartalsende erfolgen und alle in den USA gehandelten Aktien, Optionen und Wandelanleihen enthalten.
Nicht ersichtlich wird aus den Aufstellungen, in welche Papiere außerhalb der USA investiert wurde oder wie groß die Barreserven sind. Ebenfalls nicht aufgeführt in der Tabelle sind Optionen, Warrants und Anleihen.

Stand: 30.06.2014, Quelle: Pflichtmitteilung (13F) an US-Börsenaufsicht, Bloomberg

Wells Fargo

Marktwert: 24,3 Milliarden Dollar

Coca Cola

Marktwert: 16,9 Milliarden Dollar

American Express

Marktwert: 14,4 Milliarden Dollar

International Business Mach

Marktwert: 12,7 Milliarden Dollar

Wal Mart

Marktwert: 4,4 Milliarden Dollar

Procter & Gamble

Marktwert: 4,2 Milliarden Dollar

Exxon Mobil

Marktwert: 4,1 Milliarden Dollar

US Bancorp

Marktwert: 3,5 Milliarden Dollar

Moody's

Marktwert: 2,2 Milliarden Dollar

Diese Haltedauer ist ungewöhnlich kurz für die Investmentholding Berkshire, der Buffett durch gezielte Akquisitionen sowie den Aufbau von Beteiligungen an Großunternehmen wie American Express zu ihrer Bedeutung und einem Aktienportfolio im Wert von 86,2 Milliarden Dollar verhalf. Wichtige Investments, etwa an Coca-Cola und der Großbank Wells Fargo, hält Berkshire seit mehr als zehn Jahren.

Buffett hatte zuletzt mehr Verantwortung für die Investmententscheidungen an seine Manager Ted Weschler und Todd Combs abgegeben, was als Teil seiner Nachfolgeregelung gilt. Seine angestellten Manager sind demnach für die kleineren Positionen verantwortlich, während Buffett selbst sich persönlich um die großen Beteiligungen kümmert.

Wer ist Warren Buffett?

Die Grundlagen

Warren Buffett, geboren am 30. August 1930 in Omaha, Nebraska, war seit frühester Kindheit von Zahlen fasziniert. Sein Vater besaß ein Lebensmittelgeschäft und war Aktienhändler. Mit acht Jahren las er Bücher über die Börse, mit elf arbeitete er in einem Brokerhaus.

Der Förderer

Buffett verschlang das Buch von Professor Benjamin Graham „Intelligent Investieren“ und ging zu ihm an die Columbia Business School. Graham gefiel der junge Mann auch und er lud ihn ein, mit in seinem Unternehmen zu arbeiten. Als sich Graham 1956 zur Ruhe setzte, ging Buffett mit dem verdienten Geld sowie geliehenem zurück nach Omaha und gründete mit 25 Jahren eine Investment-Beteiligungsgesellschaft.

Buffett Partnership , LTD

Die Gesellschaft hatte sieben Teilhaber, die zusammen gut 100.000 Dollar einzahlten. Sie bekamen jährlich sechs Prozent ihrer Anlagesumme und 75 Prozent des Gewinns. Die übrigen 25 Prozent gingen an Buffett.

Der Aufstieg

Obwohl der Dow Jones in fünf der nächsten 13 Jahre fiel, vermehrte er das Geld um knapp 30 Prozent jährlich. Kein Wunder, dass immer mehr bei ihm investieren wollten. 1962 begann er außerdem, Aktien von Not leidenden Firmen zu kaufen. So auch die einer Textilfirma namens Berkshire Hathaway.

Berkshires Umwandlung

Nachdem sich die Buffett Partnership aufgelöst hatte und alle Gesellschafter ausgezahlt worden waren, übernahm Buffett Berkshire Hathaway mit seinem Anteil von 25 Millionen Dollar. Damit begann eine Erfolgsgeschichte, die inzwischen 40 Jahre währt und legendär geworden ist. Berkshire wurde von der Textilfirma zur Beteiligungsgesellschaft.

Buffetts Bilanz

Buffetts wesentliches Ziel war lange Jahre, den Buchwert von Berkshire Hathaway um jährlich 15 Prozent zu steigern. Doch das übertraf er bei weitem. Innerhalb von 40 Jahren steigerte sich das Eigenkapital zudem von 22 Millionen Dollar auf 69 Milliarden Dollar, der Buchwert pro Aktie von 19 auf knapp 60.000 Dollar. Dabei unterliegt Berkshire Hathaway der Einkommen- wie auch der Kapitelertragsteuer.

Das Prinzip

Buffett mag es, „Gewissheiten mit Abschlag“ zu kaufen, wie er es formuliert. Ihm liegt also viel daran, dass die Vorhersehbarkeit der Entwicklung eines Unternehmens vorhanden ist. Und Buffett kauft nur dort, wo er das Geschäftsmodell vollkommen versteht. Das nennt er „Kompetenzradius“. Ihm liegt viel an geringen Schulden, hoher Kapitalrendite und einer guten Führungsmannschaft.

Das Dilemma

Buffett hat sehr oft ein Problem: Die Aktien, die er kaufen will, werden nur selten mit Preisabschlägen gehandelt. Zumindest in den Branchen, wo sein „Kompetenzradius“ liegt. So viel Glück wie bei Amex hat man eben nur selten.

American Express

Das erste und wichtigste Investment war American Express (Amex). 1962 fiel die Aktie der Kreditkartenfirma nach einem Skandal über Nacht von 65 auf 33 Dollar. Buffett hielt Amex grundsätzlich aber für stark und handelte zielstrebig. Er nahm 13 Millionen Dollar in die Hand – immerhin 40 Prozent des Gesamtvermögens seiner Gesellschaft. Der Börsenkurs stieg und Buffett sackte allein in den ersten beiden Jahren einen Profit von 20 Millionen Dollar ein.

Das Versicherungsgeschäft

Im März 1967 kauft Berkshire Hathaway für 8,6 Millionen Dollar Aktien von zwei Versicherern: National Indemnity Company und National Fire and Marine Insurance Company. Es war der Beginn einer phänomenalen Erfolgsstory in dieser Branche. Sie passte perfekt zu Buffetts Anlagestrategie. Es folgten weitere Zukäufe, unter anderem auch bei Rückversichern wie General Re. 

Washington Post

Buffetts Geschichte mit dem Medienkonzern ist in zweifacher Hinsicht eine besondere: Zum einen half er der Geschäftsführung in schwierigen Zeiten entscheidend weiter, zum anderen mehrte der spätere Erfolg sein Vermögen. Die Investition hat sich ungefähr verfünfzigfacht. Aber vor allem „zementierte“ die Post laut Finanzjournalisten Buffetts Ruf als „Meister-Investor“ in den 70er-Jahren.

Coca-Cola

Buffett liebte Coca-Cola seit Leben lang. Doch die ersten Aktien kaufte er erst 1988. Das Unternehmen passt perfekt zu Buffetts Vorliebe, große Kapitalmengen mit hoher Investitionsrendite einsetzen zu können. Die bekannteste Marke der Welt ist für Bufett auch das wertvollste Geschäftskonzept der Welt. Cherry Coke ist heute übrigens das offizielle Getränk der Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway.

Gillette

Rasierklingen brauchen die Menschen auch in Krisenzeiten. Buffetts Interesse an Gillette erwachte in den 80er-Jahren. Damals galt das Unternehmen an der Wall Street als reifes, langsam, aber stetig wachsendes Unternehmen – also perfekt für eine Übernahme durch Berkshire Hathaway. Als Gillette 1991 einen Aktiensplit vornahm, bekam Berkshire Hathaway für seine Vorzugsaktien elf Prozent der Stammaktien. Der Wert der Investition stieg innerhalb von zwei Jahren von 600 Millionen auf 875 Millionen Dollar.

Fruit of the Loom

Fruit of the Loom gehört seit 2002 zu Berkshire Hathaway. Das Unternehmen stellt rund ein Drittel der Herren- und Jugendwäsche her, die in den USA verkauft wird. Buffett gab 835 Millionen Dollar für Fruit of the Loom aus.

Clayton Homes

Ebenfalls im Jahr 2002 entschied sich Buffett, Clayton Homes zu übernehmen. 1966 durch den Sohn eines Farmpächters gegründet, ist das Unternehmen heute der größte Fertighaushersteller der USA. Die Idee entstand übrigens auch, weil sich Buffett über die „fürchterlichen Verbraucherfinanzierungs-Praktiken“ aufregte.

Wells Fargo

Im Oktober 1990 hat Berkshire Hathaway für 289 Millionen Dollar Aktien an Wells Fargo erworben. Das war damals sehr mutig, denn viele „Bären“ an der Wall Street wetteten auf den Niedergang der kriselnden Bank aus San Francisco. Doch Wells Fargo überstand die kritische Phase und war 2003 die einzige US-Bank mit dem Top-Kreditrating AAA.

„Warren hatte eigentlich schon immer einen opportunistischen Ansatz, wenn es um Arbitragegewinne ging, und die neuen Investmentmanager teilen das in gewissem Umfang”, stellte Tom Russo vom Berkshire-Investor Gardner Russo & Gardner fest. Bei der Intel-Transaktion handele es sich um den „alten, eher traditionellen“ Stil der Substanzwert-Investments, bei dem Aktien günstig gekauft und bei erreichtem Kursziel mit Gewinn abgestoßen werden, erläuterte er.

Anlagestrategie: Mit diesen Wetten lag Buffett richtig

Anlagestrategie

Mit diesen Wetten lag Buffett richtig

Warren Buffett liegt bei seinen Anlagen (fast) immer richtig.

Und der Zeitpunkt für diesen Verkauf war tatsächlich bestens gewählt. Mit Liquidierung der vollen Position am 8. Mai konnte Berkshire den Kursrückgang der Intel-Aktie von 15 Prozent in den vergangenen vier Monaten umgehen. Am 7. September hatte Intel die eigene Absatzprognose für das dritte Quartal gesenkt und das mit sinkender Nachfrage begründet.

Noch im Februar hatte Buffett erklärt, dass große Aktienpakete an “erstklassigen Unternehmen” langfristig bessere Investmentergebnisse lieferten als Anleihen oder Gold, die gemeinhin als „sicher“ gelten.

Kommentare (5)

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Sein_Credo

14.09.2012, 14:53 Uhr

Werde ängstlich, wenn andere gierig werden.

Noch Fragen?

Account gelöscht!

14.09.2012, 16:17 Uhr

Warum Buffett dies gemacht hat, ist nur dann verständlich, wenn man sich mit ihm beschäftigt hat. Das was er gemacht hat, ist logisch. Buffett hat ein Problem, er hat einfach zu viel Bargeld, auf der anderen Seite findet er nicht die Investitionsmöglichkeiten, die er haben will. Der druck wächst, wenn die FED auch noch in System Dollars pumpt, denn Inflation entwertet das Bargeld, welches Buffett hat. Nun Buffett ist gezwungen einen guten Parkplatz, welcher kurzfristig die Inflation dämpft, für sein liquides Mittel zu finden. Das ist der Grund Warum Buffett Investitionen tätigt, die die Value-Investoren manchmal nicht nachvollziehen können.

Helmers

14.09.2012, 16:37 Uhr

Sogar der alte Fuchs Buffett hat begriffen, dass der Totentanz an den Börsen bereits hoffnungslos weitergeht. Die Zentralbanken der Welt drucken und wer einen klaren Kopf hat steigt jetzt endlich nach diesem billigen Strohfeuer aus. Die Totengräber Draghi, Asmussen, Blankfein/Goldman, werden ihre Aufgaben vollenden, nur noch gnadenlose Optimisten sehen hier keine Gefahr!

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