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26.01.2016

14:41 Uhr

Minuszinsen

Renditen von Bundesanleihen auf Rekordtief

VonAndrea Cünnen

So wenig gab es noch nie für's Geld: Die Renditen von zwei- und fünfjährigen deutschen Staatsanleihen sind auf neue Rekordtiefs gefallen. Hauptgrund dafür ist die Risikofurcht der Anleger.

Die Renditen für deutsche Staatsanleihen sind auf ein Rekordminus gefallen.

Minuszinsen

Die Renditen für deutsche Staatsanleihen sind auf ein Rekordminus gefallen.

FrankfurtBei Rekorden von Läufern oder Schwimmern kommt es mitunter oft auf Zehntel-Sekunden an – am Anleihemarkt sind es die Basispunkte, die zählen. Und bei den deutschen Bundesanleihen mit einer Laufzeit von zwei bis fünf Jahren hat die Rekordjagd wieder eingesetzt. Die Kurse steigen leicht und im Gegenzug markieren die Renditen historische Tiefstände.

So fiel die Rendite der Bundesanleihe, die in zwei Jahren fällig wird, an diesem Mittwoch auf minus 0,46 Prozent. Am Vortag waren es noch minus 0,44 Prozent gewesen und damit so wenig wie zuletzt im Dezember. Die Rendite der in fünf Jahren fälligen deutschen Staatsanleihe fiel wie die der zweijährigen um zwei Basispunkte beziehungsweise 0,02 Prozentpunkte und markierte mit minus 0,25 Prozent ein neues Rekordtief.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Dabei profitieren die Anleihen seit Jahresanfang abermals von der großen Risikofurcht der Investoren. Mit den einbrechenden Aktienmärkten, dem fallenden Ölpreis und den wieder in den Fokus gerückten Sorgen um das Wirtschaftswachstum in China sind Anleihen als sichere Anlagen wieder gefragter. Die Ölpreise sind am Mittwoch abermals unter die Marke von 30 Dollar je Fass gefallen, und die Aktienmärkte gehen wieder auf Tauchstation.

Dazu kommt die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Deren Chef Mario Draghi hatte in der vergangenen Woche für März eine „Neubetrachtung der Geldpolitik“ angekündigt. Viele Investoren interpretierten das als Ankündigung einer noch weiteren Lockerung der Geldpolitik. Die EZB pumpt schon jetzt monatlich um die 60 Milliarden Euro über Anleihekäufe in den Markt und hat zudem den kurzfristigen Einlagenzins für Banken auf minus 0,3 Prozent gesenkt.

Experten wie Orlando Green, Anleihestratege bei der Crédit Agricole, haben jedoch Zweifel, dass die Rally der Anleihen noch lange so weiter geht. „Der Markt ist schon sehr weit gelaufen“, sagte Green der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Minus-Renditen bedeuten, dass Anleger, die die Bonds jetzt kaufen und bis zur Fälligkeit halten ein Verlustgeschäft machen. Gerade institutionelle Investoren nehmen das aber in Kauf. Sie können ihr Geld nicht einfach auf der Bank liegen lassen und parken es deshalb gerne in Bundesanleihen. Der Grund: Die Schuldverschreibungen des deutschen Staates gelten mit ihren Spitzenbonitätsnoten von Dreifach-A zum einen als ausfallsicher und zum anderen als gut handelbar. Das heißt: Investoren können sie jederzeit in großen Mengen und engen Handelspannen kaufen und auch verkaufen, wenn sie Geld brauchen.

Anders als bei den kurz- und mittelfristigen Bundesanleihen ist die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe noch weit von ihrem Rekordtief entfernt. Sie notiert aktuell mit 0,46 Prozent. Im April war die Rendite bis auf 0,05 Prozent abgesackt. Damals war die Euphorie der Investoren über die Anleihekäufe der EZB gerade bei lang laufenden Anleihen noch größer als jetzt.

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