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01.06.2012

12:07 Uhr

Misstrauen

Investoren ziehen ihr Geld aus Spanien ab

VonAnne Grüttner

Die Lage in Spanien wird immer bedrohlicher. Anleger verlieren das Vertrauen in die viertgrößte Volkswirtschaft Europas. Sie ziehen Kapital aus Spanien ab und treiben die Renditen für Staatsanleihen in die Höhe.

Die Zentrale des schwer angeschlagenen spanischen Geldhauses Bankia in Madrid. AFP

Die Zentrale des schwer angeschlagenen spanischen Geldhauses Bankia in Madrid.

MadridDie Finanzmärkte verlieren allmählich die Geduld mit Spanien. Die Zinsen für spanische Staatsanleihen sind am Freitag erneut gestiegen. Für zehnjährige Papiere lagen sie bei 6,57 Prozent, zwölf Basispunkte über dem Schlusswert vom Donnerstag

Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte am Donnerstagabend erklärt, dass sich die Zukunft des Euros in den kommenden Wochen entscheiden werde. Sie hänge von der Stabilität Spaniens und Italiens ab. "Ich weiß nicht, ob wir am Rand einer Klippe stehen, aber wir sind in einer sehr, sehr schwierigen Lage", sagte Guindos in einer Rede vor Unternehmern in Sitges bei Barcelona.

Das Misstrauen der Anleger schlägt sich auch in einem zunehmenden Kapitalabfluss nieder. Im ersten Quartal flossen netto 97 Milliarden Euro aus dem Land, wie die spanische Notenbank gestern bekanntgab. Anleger lösten ihre Bestände an spanischen Aktien, Anleihen oder Einlagen auf.

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Das ist eine rapide Verschlechterung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, als Spanien noch einen Nettozufluss von 20 Milliarden Euro verzeichnete. Einzig positiver Posten in der Kapitalbilanz des ersten Quartals waren die Direktinvestitionen, die einen Nettosaldo von knapp acht Milliarden Euro aufwiesen.

Noch beunruhigender war die Meldung der Europäischen Zentralbank (EZB), dass auch die Einlagen von Nicht-Finanzunternehmen und privaten Haushalten in spanischen Banken im April leicht um 1,9 Prozent oder 31,5 Milliarden Euro schrumpften. Noch im März stiegen die privaten Kontoeinlagen um 3,1 Milliarden Euro an.

Analysten weisen darauf hin, dass es sich vermutlich zum großen Teil um ausländische Einlagen handelt. Die Banco de Espana hat ihre nach In- und Ausländern aufgeschlüsselten Zahlen noch nicht bekanntgegeben. Ein Teil des Einlagenschwunds lässt sich wahrscheinlich auch damit erklären, dass die Banken Einlagen in Schuldscheine umgewandelt haben, da sie für diese keine Beiträge in den spanischen Einlagensicherungsfonds leisten müssen. Jede Bank muss einen kleinen Anteil ihrer Anlagen in diesen Fonds einzahlen.

Spaniens Banken stehen unter starkem Druck, da sie dieses Jahr zusätzliche Risikovorsorge von über 80 Milliarden Euro leisten müssen und es zudem im Zuge der hohen Renditen auf spanische Staatsanleihen ungewiss ist, inwieweit der Staat für mögliche Kapitaldefizite Deckung geben kann.

ZB-Führungsmitglied Jose Manuel Gonzalez-Paramo wies darauf hin, dass Spaniens Bankenrettungsfonds FROB noch Spielraum zur Rekapitalisierung seiner Banken habe, da die Regierung ihr diesjähriges Finanzierungsprogramm zum Teil vorgezogen habe.

Kommentare (15)

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Bundesbuerge

01.06.2012, 12:48 Uhr

Da müssen wohl einige ihre Vorurteile revidieren. Bei einer sozialistischen Regierung, die ja nach Meinung einiger in Wirtschaftsfragen ahnungslos ist, gab es im Vorjahr einen Nettozufluss von 20 Milliarden Euro , bei einer konservativen Regierung, die ja angeblich soviel von Wirtschaft verstehen, ziehen Investoren ihre Gelder ab...

PRAWDA

01.06.2012, 12:50 Uhr

Aber der Euro ist gut für Europa. Der darf nicht aufgegeben werden. "Koste es, was es wolle". Denn "scheitert der Euro, dann scheitert Europa!"

Nun denn, dann wird Europa wohl scheitern. In einem gemeinsamen Staatsbankrott. Wenn die naiven und phlegmatischen Deutschen das gewahr werden, aber Kohl aus seinem Rollstuhl immer noch sein Eurogegrunze vernehmen läßt, Schmidt in seinem Rollstuhl immer noch von der Schuld der Deutschen schwadroniert, die noch bis ins 22. Jahrhundert reichen wird (und bezahlt werden muß) - wenn die aktuellen Euro-Apologeten in Regierung und Opposition so weiter machen, den deutschen Wohlstand für ein "politische Projekt" (*kotz*) verzocken (1 Billion ist ja nach Sinn die Meßlatte - das ist deutlich untertrieben!), dann wird jemand Verantwortung tragen müssen! Diejenigen werden sich VERANTWORTEN müssen. Ist denen das nicht klar?

Und was die deutsche Exportindustrie anbelangt, so finde ich so ein dümmliches Geschwatze eines Stadlers von Audi nur peinlich! Der fordert ultimativ die Subventionierung der deutschen Exportindustrie mittels Hunderter Milliarden Euro durch den deutschen Steuerzahler - denn anders ist die Währung nicht noch eine Weile zu halten.

Macht ruhig so weiter. Ihr werdet noch sehen, was Ihr davon habt. So ein ideologiegesteuertes "Projekt" gab es in Deutschland zuletzt bei den Nazis. Die Verdummungsmethoden, die Propagandamaschine funktioniert ähnlich wie bei Goebbels. Widerlich! Beschämend! Katastrophal - eine Tragödie entwickelt sich, und die Menschen schauen blöd zu.

mmueller

01.06.2012, 12:53 Uhr

Als Spanier würde ich meinen gesamten liquiden Mittel aus dem Land abziehen und in den Nicht-Euro-Raum verschaffen. Dieses eher gestern als heute. Kapitalverkehrskontrollen und -beschränkungen kommen nicht mit Vorankündigung sondern über Nacht. Wer könnte mir garantieren, dass ich nicht morgen früh aufwachte und mein Geld wäre in Spanien "gefangen"?

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