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16.01.2012

20:10 Uhr

Misstrauen wächst

Kleinanleger flüchten massenhaft aus Ungarn

VonStefan Menzel

In Ungarn verschärft sich die Wirtschaftskrise von Tag zu Tag. Kleinanleger bringen ihr Geld daher mittlerweile in die Nachbarländer. Die Regierung in Budapest versucht, das Vertrauen zurückzugewinnen.

Anti-Europäer demonstrieren in Ungarn: Die Regierung versucht, das Vertrauen zurückzugewinnen. dpa

Anti-Europäer demonstrieren in Ungarn: Die Regierung versucht, das Vertrauen zurückzugewinnen.

FrauenkirchenFrauenkirchen ist ein ziemlich verschlafenes Örtchen ganz weit im Osten von Österreich. Nach Wien sind es fast 80 Kilometer, und das ist im hintersten Burgenland fast schon eine Ewigkeit. Immerhin ist der Neusiedler See nicht allzu weit entfernt, was im Sommer Segeln und im Winter Eislaufen erlaubt.

In diesem Winter ist jedoch in Frauenkirchen einiges anders. Es stehen mehr Autos mit ungarischen Kennzeichen vor der Burgenland Bank als sonst üblich. Die Grenze ist nah, Frauenkirchen ist der letzte Ort auf österreichischer Seite. „Veranlagen Sie Ihr Geld sicher, stabil und seriös“, auf Ungarisch wirbt die Bank für ihre Dienste.

Und die Ungarn kommen tatsächlich in recht großer Zahl. Nicht weil ein eigenes Konto in Österreich etwa ein Statussymbol wäre. Der wahre Grund dafür, dass die Ungarn in diesem Winter in viel größerer Zahl in die benachbarten Orte nach Österreich kommen, ist das wachsende Misstrauen in die eigene Regierung. „Man weiß ja nicht, was bei uns noch alles passieren wird“, sagt Ivan Toth aus dem nahen Janossomorja. In Ungarn verschärft sich die Wirtschaftskrise von Tag zu Tag. Wenn die Regierung in Budapest keine neuen Milliardenhilfen von Internationalem Währungsfonds und der EU bekommt, könnte in diesem Jahr sogar der Staatsbankrott drohen.

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Die einfachen Leute aus den Grenzorten nahe zu Österreich haben Angst um ihr Erspartes. Deshalb kommen sie herüber ins Burgenland. Während der vergangenen Tage kursierte in Ungarn das Gerücht, die Regierung könnte wegen ihrer großen Geldnot Spareinlagen der Bevölkerung kassieren. Vor einem Jahr wurden in Ungarn immerhin die privaten Rentenfonds verstaatlicht, also ist die Angst um die Sparbücher vielleicht nicht ganz unberechtigt.

Die Banken auf österreichischer Seiten spüren auf jeden Fall ein stark wachsendes Kundeninteresse bei den Ungarn. Andrea Maller-Weiß, Vorstandsmitglied der Bank Burgenland, sagte der ungarischen Wochenzeitung „HVG“, dass es in ihrem Institut keine freien Termine mehr für Kontoeröffnungen gebe. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl ungarischer Kunden um etwa 50 Prozent gestiegen. Eine ihrer Kolleginnen spricht von Massenflucht, die nach dem Jahreswechsel eingesetzt habe.

Auch bei anderen Banken gibt es ein wachsendes Kundeninteresse aus Ungarn, nicht nur in Österreich, sondern auch in der nahen Slowakei. Ein Sprecher der Wiener Raiffeisen-Bankengruppe bestätigt die Zunahme. Im Süden der Slowakei, wo die Österreicher ebenfalls eigene Filialen betreiben, melden sich verstärkt Kunden aus Ungarn.

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Die Regierung in Budapest versucht, das Vertrauen der Sparer zurückzugewinnen. „Die Einlagen sind sicher“, sagt Regierungssprecher Andras Giro-Szasz. Solche Appelle werden im Moment nicht viel bewirken. Ruhe kehrt wohl erst dann wieder ein, wenn der IWF und die EU den Geldbeutel öffnen.

Kommentare (2)

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reno

16.01.2012, 21:51 Uhr

Die bringen die bunten Zettel nach Euro-Land. Die Hühner haben noch nicht verstanden, das die Entwertung hier auch bevorsteht.

Account gelöscht!

17.01.2012, 01:49 Uhr

In einem Wort?

Yiha!

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