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05.01.2005

07:00 Uhr

Mit Media-Markt-Aktion lockt Metro auch die Anleger

Schnäppchenjagd

VonG. Hussla (T. Luther, Handelslatt)

Wer als Bewohner einer mittelgroßen deutschen Stadt bislang noch nicht wusste, wo der ortsansässige Media-Markt liegt, hatte am Montag die beste Gelegenheit, diese Wissenslücke zu schließen. Einen ganzen Tag lang gab es 16 Prozent Rabatt auf das gesamte Sortiment des Spezialisten für Konsumelektronik.

DÜSSELDORF. Und so wiesen schon am frühen Morgen mehrere hundert Meter lange Autoschlangen den Weg zu den vorzugsweise in Randlagen angesiedelten Filialen der Fachmarktkette. Vor den Eingangstüren dann Szenen, wie man sie eigentlich nur aus Winterschlussverkäufen kennt: Eine drängelnde und lärmende Menschenmenge, die sich schrittweise durch die Schleusen in den Verkaufsraum schob.

Wahrscheinlich wird die Resonanz und der Erfolg auch die hartgesottenen Manager der Filialisten überrascht haben. Analysten und Handelsexperten jedenfalls äußern sich geradezu euphorisch zum jüngsten Marketing-Coup der Tochter des Metro-Konzerns. Haben es die Media-Märkte mit dieser am Rande der wettbewerbsrechtlichen Legalität gestarteten Aktion doch wieder einmal geschafft, beim Kunden das Image des preisgünstigsten Anbieters zu festigen, auch wenn in Wahrheit sogar der Fachhandel teilweise günstigere Angebote bereithält. Christian Schindler von der Landesbank Rheinland–Pfalz lobt auch den Zeitpunkt: Jetzt wollen die Kunden ihre Geldgeschenke für Schnäppchen ausgeben. Das bringt einen Schub für die Umsatzzahlen des ersten Quartals. Erwartungsgemäß hat die spektakuläre Aktion der Metro-Aktie gestern und heute saftige Kursgewinne beschert.

Rein technisch ist der Kurs jetzt an der Schwelle zum Ausbruch nach oben angelangt. Beim derzeitigen Kurs von 42 Euro befand sie sich zuletzt im Jahr 2002. Um den Widerstand zu durchbrechen, bedarf es natürlich mehr als nur einer erfolgreichen Media-Markt-Aktion. Bei der 1996 aus einem Sammelsurium entstandenen Metro AG stimmt weitgehend auch das Gesamtbild: Der Konzern ist in weltweit 30 Ländern vertreten und erzielt inzwischen mehr als die Hälfte seines Umsatzes im Ausland. Besonders stark hat sich die Metro im wachstumsstarken Osteuropa etabliert. Damit ist sie nur noch bedingt auf den tendenziell schwachen deutschen Markt angewiesen. Neben den Media-Märkten, welche Wachstumsraten von rund 15 Prozent vorweisen, können sich auch die Metro-Großmärkte mit einem Umsatzwachstum von mehr als sieben Prozent sehen lassen. Zum Vergleich: der deutsche Einzelhandelsumsatz ist in den ersten neun Monaten 2004 um 1,6 Prozent geschrumpft. Auch das Portfolio der Metro-Gruppe wird immer besser. Einen Teil der margenschwachen Extra-Märkte hat der Konzern bereits losgeschlagen. Die mäßig rentable Baumarkt-Kette Praktiker steht ebenfalls auf der Verkaufsliste.

Optimal ist Geschäftsausrichtung allerdings noch nicht. Im Lebensmittelgeschäft sind hierzulande andere, wie Lidl, Aldi oder einige Supermarktketten, wesentlich stärker. Und die wenig ertragreiche Kaufhof-Kette wird die Metro wohl kaum verkaufen können.

Hinweise auf ein generell gutes Weihnachtsgeschäft lassen hoffen, dass die Metro ihr Umsatzziel von sechs Prozent 2004 geschafft oder gar übertroffen hat. Dann könnte die Aktie, die mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von gut 14 schon recht teuer ist, weiter steigen.

Branchenkenner wie Stefan Weiss von der WestLB warten auf den 12. Januar, wenn der Einzelhandelsverband entsprechende Zahlen veröffentlicht. „Auf diesen Termin sind wir sehr gespannt“, sagt er. Mutige Anleger sollten sich jetzt schon in Position begeben. Nach diesem Stichtag gibt es bei der Metro wohl so schnell keine Kursrabatte mehr - echte oder vermeintliche.

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