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19.01.2011

14:02 Uhr

Mittelständler als Geldanlage

Hohe Zinsen sind nur die halbe Wahrheit

VonLaura de la Motte

Mittelständler entdecken Anleger als Geldgeber und locken mit hohen Renditen. Doch wer sich davon blenden lässt, riskiert hohe Verluste. Denn kleinere Betriebe haben meist ein erhöhtes Ausfallrisiko im Vergleich zu Großunternehmen, die schlechte Geschäftsergebnisse oft besser ausgleichen können.

Mittelstandsanleihen locken mit hohen Zinsen - aber sind sie hoch genug? CAEPSELE für Handelsblatt

Mittelstandsanleihen locken mit hohen Zinsen - aber sind sie hoch genug?

FRANKFURT. Am Dienstag war wieder so ein Tag. Der mittelständische Werkzeugmaschinenhersteller MAG IAS informiert über die Konditionen seiner neuen Anleihe, die im Mittelstandssegment der Börse Stuttgart "Bondm" gelistet wird. 50 Millionen Euro will die Firma für fünf Jahre borgen und 7,5 Prozent Zinsen dafür zahlen. Eine verlockende Rendite. Die entscheiden Frage für solche Mittelstandsanleihen ist aber: Wie sicher ist die Anlage?

Das Interesse der Mittelständler an der Finanzierung über Anleihen wächst. Denn für die Unternehmen ist die Kreditaufnahme bei Investoren von Vorteil, weil die Anleger in der Regel niedrigere Zinsen akzeptieren als die Bank. Dabei ist eine Anleihe genau das: ein Kredit an ein Unternehmen. Jedes Jahr erhält der Gläubiger dafür einen Zins ("Kupon"), und am Ende der Laufzeit wird die Anleihe zu 100 Prozent zurückgezahlt - natürlich nur, wenn die Firma zwischendurch nicht pleitegeht. Der Kupon ist demzufolge die Zitterprämie dafür, dass der Anleger seinen Einsatz zurückbekommt.

Experten halten die Zitterprämie vieler Bonds für zu niedrig

Wie hoch das Risiko für einen Ausfall einer Anleihe ist, zeigt die Bonitätsbewertung oder Rating. Im Vergleich zu Großunternehmen haben Mittelständler meist ein erhöhtes Ausfallrisiko, weil die Konzerne schlechte Geschäftsergebnisse oft besser ausgleichen können. Gerade Unternehmen, die von wenigen Kunden abhängig sind oder aus einer Branche stammen, die von Subventionen abhängig ist, sind besonders anfällig. Aufschluss geben die Wertpapierprospekte, die zur Ausgabe der Bonds veröffentlicht werden. Doch das Kleingedruckte lesen Anleger kaum.

"Die meisten der neuen Mittelstandsanleihen sind für Privatanleger absolut ungeeignet", sagt daher Heinz Steffen, Analyst bei Fairesearch. Denn das Risiko des Totalausfalls der Anleihen sei größer als es auf den ersten Blick scheint. Für einige Bonds wären daher neun oder zehn Prozent Zinsen eher angemessen, schätzt Steffen.

Der Markt für Mittelstandsbonds steckt noch in den Kinderschuhen. An den Börsen Stuttgart, Düsseldorf, Frankfurt und München, die bereits eigene Anleihesegmente für diese Zielgruppe geschaffen haben, wurden 2010 Anleihen im Volumen von rund einer Milliarde Euro emittiert. Das ist nur ein Bruchteil des Anleihevolumens von Konzernen. Sie emittierten im vergangenen Jahr 150 Milliarden neue auf Euro laufende Anleihen, schätzt die Societé Generale. Da die Volumina der Mittelstandsanleihen meist unter 100 Milliarden Euro liegen ist der Handel anfällig für heftige Kursschwankungen, die Anleger auf dem falschen Fuß erwischen können.

Bei der Ausgabe von großen Firmenanleihen gibt es zudem eine zusätzliche Prüfinstanz. Denn dabei schreibt die Investmentbank den Wertpapierprospekt und haftet für die Richtigkeit der Informationen.

Kommentare (3)

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Leasingnehmer

19.01.2011, 15:24 Uhr

Mag sein, dass die derzeitigen Renditen für Mittelstandsanleihen niedrig sind. Warum sollte man aber die Differenz zwischen ca. 1-2% für bankeinlagen und 7-9% für Mittelstandsanleihen den banken überlassen? besser die Arbeitsplätze in der industrie fördern als die von banken. Auch wenn es ein Verlustrisiko in den Zins einzuberechnen gilt.

aruba

19.01.2011, 16:10 Uhr

Guten Tag,.... Kein Rating heisst noch lange nicht dass es sich um Mist handelt. Parmalat... hatte ein Rating.... Argentinien,..... Uruguay ... aber auch bekaert, .... Celesio,..... Sixt.. Sie sehen;... die ersten drei sind Pleite. Hingeben haben die letzteren drei immer bezahlt. Kein normaler Mensch kauft eine Mini-Anleihe. Sie und ich wissen genau was es mit Rating's auf sich hat.besten Dank

HDS-Finanzen

20.01.2011, 11:09 Uhr

Rating hin oder her. Der "normale" Anleger hat kaum eine Möglichkeit sich über die bonität eines kleinen Emittenten zu informieren, es sei denn er ist in der Lage den Prospekt, Markt, Perspektive etc. zu analysieren. Daher ist das Risiko solcher Anleihen sehr hoch. Nicht umsonst liegt der Zins in der Region von Griechenland, Potugal etc.

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