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10.10.2014

12:46 Uhr

Mittelstand und seine Anleihen

Die große Pleitewelle rollt heran

VonSara Zinnecker

Ärger im Mittelstand: Mit Golden Gate scheitert das erste Unternehmen an der Rückzahlung seiner Anleihe. Das ist erst der Anfang. Milliardenschwere Ausfälle stehen bevor. Anleger sollten genau hinschauen.

Die Refinanzierungswelle könnte einige Mittelständler überrollen – und für Ausfälle bei den Anleihen sorgen.

Die Refinanzierungswelle könnte einige Mittelständler überrollen – und für Ausfälle bei den Anleihen sorgen.

DüsseldorfDer Name versprach Glanz und Glamour, doch der Weg führte direkt in die Insolvenz: Am vergangenen Donnerstag hat der Münchner Immobilienentwickler Golden Gate die Zahlungsunfähigkeit erklärt. Nichts neues, könnte man denken, schließlich ist es schon Anleihe Nummer 27, die im Segment der Mittelstandsbonds ausgefallen ist.

Doch gibt es eine Besonderheit: Bislang erreichte die Zahlungsunfähigkeit die Emittenten irgendwo „auf dem Weg“ – nach einem gescheiterten Geschäft oder, weil sie eine versprochene Kuponzahlung an ihre Gläubiger nicht leisten konnten. Golden Gate hatte dagegen Jahre bis zur endgültigen Tilgung seiner 30-Millionen-Euro-Anleihe durchgehalten – und erst kurz vor deren Fälligkeit beim Münchner Amtsgericht angeklopft.

Golden Gate ist damit der erste Emittent einer Mittelstandsanleihe, dem die Rückzahlung seines Minibonds das Genick gebrochen hat. Doch könnte diese spezielle Pleite Beginn einer neuen Serie sein. Derartige Fälle könnten sich in Zukunft häufen.

Fakten zu Mittelstandsanleihen

Viele Pleiten

Insgesamt 27 Anleihen von 23 Emittenten mit einem platzierten Anleihevolumen von fast einer Milliarde Euro sind laut der Ratingagentur Scope seit 2010 ausgefallen.

Hohe Renditen

Mittelstandsanleihen locken mit hohen Zinskupons. Bei den seit 2010 begebenen 150 Papieren reicht das Spektrum von 4,0 bis immerhin 11,25 Prozent.

Milliardenmarkt

In diesen fünf Segmenten sind 113 Anleihen mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Euro emittiert worden. Tatsächlich platziert wurden nach Angaben der Ratingagentur Scope 4,14 Milliarden Euro. Weitere 37 Anleihen mittelständischer Unternehmen sind im Prime Standard oder im Freiverkehr (Strenesse) notiert. Insgesamt kommt Scope auf ein Volumen von 7,26 Milliarden Euro (platziert 5,77 Milliarden Euro).

Spezielle Marktsegmente

Die meisten Minibonds – mehr als 100 – sind in speziellen Segmenten an den deutschen Börsen notiert, und zwar Bondm in Stuttgart, m:access in München, Mittelstandsmarkt in Düsseldorf, Mittelstandbörse in Hamburg-Hannover und dem Frankfurter Entry Standard. Einige wenige Anleihen finden sich im Prime Standard der Frankfurter Börse wieder, der stärker reguliert ist als die Mittelstandssegmente. Die Anleihe des insolventen Modelabels Strenesse ist dagegen lediglich im Freiverkehr (Open Market) der Frankfurter Börse gelistet, dem am wenigsten regulierten Markt.

Kleine Bonds

Mittelstandsanleihen gibt es seit 2010. Die Minibonds sollen Mittelständlern neue Finanzierungsmöglichkeit über den Bankkredit hinaus ermöglichen.

Das Mittelstandssegment gibt es noch nicht lange, erst seit 2010. Die Anleihe der Golden Gate GmbH war für eine kurze Dauer, für dreieinhalb Jahre, aufgelegt. Das Gros der Mittelstandsanleihen läuft jedoch länger – und wird erst in den kommenden Jahren fällig. 5,4 Milliarden Euro müssen deutsche Mittelständler bis 2018 aufbringen, um ihre Schulden abzulösen, hat die Ratingagentur Scope berechnet. Und sie sieht dabei „steigende Refinanzierungsrisiken.“

Es könnte also passieren, dass auch weitere Mittelständler Insolvenz anmelden, kurz bevor ihre Anleihe fällig wird. Im Zusammenhang mit der Refinanzierung rechnet Scope mit „weiteren Ausfällen“ im Segment der Minibonds. Eine Insolvenz ist dabei der allerletzte Ausweg für die Anleiheemittenten. Wer Gefahr sieht, dass zur Fälligkeit des Bonds Geld fehlen könnte, kann auch anders agieren. Anleger sollte genau hinschauen.

Beispiel Air Berlin: Die finanziell angeschlagene Fluglinie hatte ihren Gläubigern im Frühjahr einen Anleiheumtausch vorgeschlagen. Altgläubiger sollten Anleihen, die im November 2014 und 2015 ablaufen, gegen länger laufende Bonds mit schlechteren Konditionen tauschen.

Kommentare (18)

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Herr Josef Schmidt

10.10.2014, 13:06 Uhr

Dasselbe gilt für VW, BMW, Mercedes usw. oder glaubt jemand dass diese ihre jeweils zig Milliarden zurückzahlen können. Abwarten bis China anfängt zu husten.

Herr Thomas Behrends

10.10.2014, 13:15 Uhr

Es wundert mich nicht, dass Leute, die potentiellen Investoren "Luftnummern" unterjubeln wollen, eher kurzfristig pleite gehen.

Bestes Beispiel ist dieser grüne Selbstverwirklicher bei Prokon (Werbespruch: "Es ist Zeit, etwas zu verändern. Und das geht einfacher, als man denkt. Schon ab 100 Euro können Sie bei Prokon in erneuerbare Energien investieren. Und das lohnt sich. Für Sie und für eine lebenswerte Zukunft!").

Jeder wusste, dass dieser Onkel auf dem falschen Dampfer ist; aber keiner hinterfragte, was es mit Genußrechten auf sich hat. Der Begriff erinnert mich so sehr an Lehmann-Zertifikate. Woher kommt das nur??!!??

Oder der liebe Herr Jagdfeld, der mit seiner Kölner Fundus-Gruppe das ehem. Kempinski-Grand-Hotel in Heiligendamm als auch das Adlon in Berlin und noch weitere Fonds (mit Absicht? Die ganze Sippe sitzt schließlich mit im Boot, als Hoteldirektor im Adlon (Sohn) oder als Raumausstatterin (Tochter Jagdfeld) haben die sich lukrative Pöstchen und Aufträge zugeschanzt. Korruption hoch 3 !

Aber superschlaue Rechtsanwälte und andere Wohlhabende gaben freiwillig ihr Geld. Nun ist es futsch, vorbei der Traum vom großen und vor allem schnellen Geld!

Herr Theo Gantenbein

10.10.2014, 13:16 Uhr

Alles Folge der unsinnigen EZB-Politik: Das Risiko hat mit dem Zins seinen Preis und damit sein Regulativ verloren.


Aber die Leute verstehen immer noch nicht wie recht die AfD mit ihren Thesen bzgl. des Euro hat...

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