Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.02.2016

12:59 Uhr

Mittelstandsanleihe

German Pellets sagt Gläubigerversammlung ab

VonKatharina Schneider, Gertrud Hussla

Anleihegläubiger des Brennstoffherstellers German Pellets können sich am Mittwoch den Weg nach Wismar sparen. Das Unternehmen hat die Gläubigerversammlung abgesagt. Den Anlegern bleibt wohl nur eine Handlungsmöglichkeit.

Viele Anleger ließen sich durch das ökologische Investment locken. imago

Holz-Pellets

Viele Anleger ließen sich durch das ökologische Investment locken.

FrankfurtEinen Tag vor der geplanten Gläubigerversammlung hat der Brennstoffhersteller German Pellets das Treffen mit den Anleihegläubigern abgesagt. Dies bestätigte eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber dem Handelsblatt, wollte aber keine näheren Angaben zu den Gründen machen. Nur so viel: Die Geschäftsleitung befinde sich aktuell noch in Gesprächen und werde später Genaueres mitteilen.

Vor zwei Wochen hatte das Unternehmen aus Wismar die Inhaber einer am 1. April fälligen Anleihe (WKN: A1H3J6) zu der Gläubigerversammlung eingeladen. Die Anleger sollten dabei einer Laufzeitverlängerung um zwei Jahre und einem Zinssatz von jährlich 5,25 statt bisher 7,25 Prozent zustimmen. Zugleich sollte die Anleihe durch 50 Prozent der Gesellschafteranteile an German Pellets erstrangig besichert werden - was das Unternehmen als „Aufwertung“ bewarb.

Mittelstandsanleihen: Schwelbrand bei German Pellets

Mittelstandsanleihen

Schwelbrand bei German Pellets

Bei German Pellets spitzt sich die Lage zu. Können Anleger noch etwas retten?

Dass bei German Pellets etwas nicht stimmt, ließ seit Mitte Januar bereits der Einbruch der Anleihekurse vermuten. Zum Jahresanfang stand die im April fällige Anleihe noch bei 96 Prozent, Ende Januar notierte sie bei knapp 17 Prozent und sackte bis zum Mittag an diesem Dienstag auf nur noch 2,6 Prozent ab. Am 25. Januar kam die Einladung zur Gläubigerversammlung. Spätestens zu diesem Zeitpunkt müsste jedem Gläubiger klar gewesen sein, dass sich das Unternehmen in Schwierigkeiten befindet. Am vergangenen Freitag folgte dann die Meldung, dass wegen der ungesicherten Refinanzierung der Anleihe auch der Verkauf von Genussrechten gestoppt werde.

Offenbar kämpft German Pellets kämpft ums Überleben. Damit drohen tausenden Anlegern, die Anleihen in Höhe von insgesamt 226 Millionen Euro gezeichnet haben, hohe Verluste bis hin zum Totalverlust. Ebenso müssen die Zeichner von Genussrechten in Höhe von 44 Millionen Euro um ihr Geld zittern.

German Pellets - Fakten zum Unternehmen

Gründungsjahr

Gegründet wurde German Pellets erst im Jahr 2005 in Wismar. Zuvor hatte Leibold bereits als Geschäftsführer eines Sägewerks Erfahrung in der Holzindustrie gesammelt.

Geschichte

Vor allem durch Zukäufe ist German Pellets in relativ kurzer Zeit stark gewachsen. Dabei profitierte das Unternehmen unter anderem davon, dass Holzpellets als CO2-neutral gelten. Das ist ein Grund, weshalb etwa die Anschaffung von Pellet-Heizungen gefördert wird.

Im Jahr 2016 kollabiert die Firma, sie meldet im Februar Insolvenz an.

Geschäftsentwicklung

Die Firma verzeichnete bis zum Zusammenbruch ein rasantes Wachstum und kratzte zeitweise an der 600-Millionen-Euro-Umsatzmarke. Im Jahr 2011 waren es noch 286 Millionen Euro.

Eigner und Führung

German Pellets gehörte zu 60 Prozent Peter Leibold und zu 40 Prozent seiner Frau Anna Kathrin. Peter Leibold arbeitete als Geschäftsführer, seine Frau hatte sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Tochter Kathrin Leibold führte eine Tochterfirma, die Tiereinstreu vermarktete.

Beschäftigte und Standorte

German Pellets beschäftigte 650 Mitarbeiter. Die Zentrale liegt in Wismar in unmittelbarer Nähe zum Hafen, dort ist auch eine Pellets-Produktion. Weitere 13 Standorte sind in Deutschland verteilt, die beiden größten im Land sind neben Wismar Herbrechtingen und Ettenheim (beide Baden-Württemberg).

Im Jahr 2013 ging die größte Fabrik aber in den USA an den Start mit einer Produktionskapazität von 550.000 Tonnen Pellets pro Jahr (fast ein Viertel der Gesamtkapazität). Ein noch einmal doppelt so großes Werk entstand in Louisiana.

Produkte

Die Firma produziert Holzpellets. Dazu werden Holzspäne unter hohem Druck zu zäpfchengroßen Stäbchen gepresst. Diese werden zur Verbrennung in Kaminöfen, Heizungen, Biomassekraftwerken und als Beimischungen in fossilen Kraftwerken eingesetzt. Die Marke „FireStixx“ gehört zum German-Pellets-Portfolio.

Von der Schieflage sind indirekt auch die Gläubiger zweier mit German Pellets verbundener Produktionsstätten in den USA betroffen. Dort haben Investoren Bonds in Höhe von 546 Millionen Dollar gezeichnet. Insgesamt stehen beiderseits des Atlantiks damit umgerechnet rund 760 Millionen Euro Anlegergeld im Feuer.

Eine große Auswahl an Handlungsmöglichkeiten haben die Anleihegläubiger aktuell nicht. Nach Ansicht von Experten könnte jetzt der Verkauf der Anleihen trotz des niedrigen Zinssatzes noch sinnvoll sein. Das würde zwar einem Totalverlust nahekommen, doch die Anleger könnten diesen Verlust zumindest noch steuerlich absetzen. Nach Eintritt einer Zahlungsunfähigkeit ist das generell nicht mehr möglich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×