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26.02.2015

07:23 Uhr

Mittelstandsanleihen an der Börse Düsseldorf

„Scheinqualitätssiegel vermeiden“

Auf der Suche nach lukrativen Geldanlagen wurden Mittelstandsanleihen beliebt. Doch viele Anleger müssen nach Firmenpleiten um ihr Geld bangen, das Segment kam in Verruf. Die Börse Düsseldorf nun gegensteuern.

Der Name "Mittelstandsanleihen" ist schon lange kein Gütesiegel mehr. dpa

Der Name "Mittelstandsanleihen" ist schon lange kein Gütesiegel mehr.

DüsseldorfMittelstandsanleihen sind wegen der Pleiten mehrerer Firmen in Verruf geraten. Die Börse Düsseldorf hat auf die Entwicklung reagiert und hofft mit einer neuen Plattform für Unternehmensanleihen auf eine Trendwende. „Wir erwarten, dass im laufenden Jahr noch Emissionen kommen“, sagte der Vorstandschef der Börse Düsseldorf, Dirk Elberskirch, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Börse stellt das Segment Mittelstandsmarkt ein und schafft im sogenannten Primärmarkt, für den strengere Informationspflichten gelten, eine Plattform speziell für Firmenanleihen. Diese ist - abhängig von der Höhe der Rendite bei der Emission - unterteilt in drei Risikoklassen. Anlegerschützer nannten dies sinnvoll.

Der Markt für Mittelstandsanleihen

Wie viele Mittelstandsanleihen gibt es?

Seit 2010 wurden insgesamt 122 Mittelstandsanleihen an den Börsen Frankfurt, Stuttgart, Düsseldorf, Hamburg und München emittiert. Zurzeit sind noch 56 Mittelstandsanleihen in Frankfurt gelistet, 18 in Stuttgart, 14 in Düsseldorf, 3 in München und 2 in Hamburg/Hannover (insgesamt 93).

Welche Mittelstandsanleihen wurden 2014 begeben?

Im Jahr 2014 wurden 13 Mittelstandsanleihen emittiert:

Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH

GEWA 5 to 1 GmbH & Co. KG

Adler Real Estate AG

HanseYachts AG

Penell GmbH

VEDES AG

Beate Uhse AG

UBM Realitätenentwicklung AG

DIC Asset AG

EYEMAXX Real Estate AG

KSW Immobilien

KTG Agrar (14/19)

German Pellets

Die größten Emissionen im Jahr 2014

Die größten Emissionsvolumen:

UBM Realitätenentwicklung AG: 150 Millionen Euro

DIC Asset AG: 125 Millionen Euro

German Pellets: 100 Millionen Euro

Adler Real Estate AG: 100 Millionen

Die Mittelstandspleiten 2014

Diese acht Emittenten haben 2014 ihre Zahlungsunfähigkeit erklärt (Börsenplatz in Klammern): Günther Zamek Produktions- und Handelsgesellschaft (Düsseldorf), Rena GmbH (Frankfurt), Schneekoppe (Düsseldorf), Mox Telecom AG (Stuttgart), MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (Frankfurt), MS „Deutschland“ Beteiligungsgesellschaft mbH (Frankfurt), MT-Energie GmbH (Düsseldorf), Golden Gate (Frankfurt). Zwei weitere, im Freiverkehr notierte Anleihen, sind ebenfalls ausgefallen: das Modelabel Strenesse und WGF Westfälische Grundbesitz.

Insgesamt fielen in den Mittelstandssegmenten der deutschen Börsen seit Gründung 2010 schon 24 Anleihen aus – oder die Emittenten befinden sich aktuell noch im Insolvenzverfahren. Acht Anleihen entfallen davon auf Stuttgart, neun auf Frankfurt, fünf auf Düsseldorf und jeweils eine auf Hamburg/Hannover und München.

Wie viele Anleihen gibt es im Entry Standard?

Im Frankfurter Entry Standard für Unternehmensanleihen sind 56 Anleihen gelistet. Davon sind drei Emittenten insolvent (MIFA, MS Deutschland, Golden Gate) und eine Anleihe ist im Transfermodus (Sanochemia). Seit September 2011 gab es an der Frankfurter Börse neun Anleihepleiten, die laufenden Insolvenzfälle mit eingerechnet.

Wie viele Pleiten gab es an der Stuttgarter Börse?

Insgesamt emittierten an der Stuttgarter Börse 32 Unternehmen. Acht davon gingen pleite, einige mehr wurden vorzeitig oder regulär zurückgezahlt. 18 Anleihen sind derzeit noch gelistet.

„Wir reagieren damit auch auf die problematische Entwicklung der letzten zwei Jahre und auf Kritik, Anleger könnten das Risiko bei Mittelstandsanleihen nicht erkennen“, erklärte Elberskirch. Zugleich sollten sich damit auch Unternehmen Geld über den Kapitalmarkt beschaffen, die Renditen von weniger als sieben Prozent bieten.

Ein Benotung durch Ratingagenturen ist künftig nicht mehr erforderlich. „Wir wollen ein Scheinqualitätssiegel vermeiden“, sagte Elberskirch. Informationsgrundlage für Anleger sollten vor allem Finanzkennzahlen sein, die Firmen regelmäßig veröffentlichen müssen.

Privatanleger sollen so Chancen und Risiken eines Investments besser erkennen können. In der Vergangenheit war Kritik an Ratingagenturen laut geworden, weil einige Unternehmen trotz guter Noten in die Insolvenz schlitterten und Anleger um ihr Geld fürchten müssen.

Emissionen, bei denen nur Privatanleger Unternehmensanleihen zeichnen, wird es in Düsseldorf auch künftig nicht geben. „Denn es besteht die Gefahr, dass nicht so erfahrene Privatanleger allein wegen eines bekannten Markennamens investieren“, sagte Elberskirch.

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Ein Jahr nach der Insolvenz läuft der Betrieb bei der Traditionsfirma Zamek wieder. Doch die Anleger sind angeschmiert: Von dem Geld aus der Anleihe bekommen sie fast nichts zurück. Der „Suppenkönig“ schweigt indes.

Mittelstandsanleihen sind Schuldverschreibungen von kleineren Unternehmen. Die Papiere verbriefen den Anspruch auf Tilgung und Verzinsung des geliehenen Kapitals. Einige Unternehmen verkaufen ihre Papiere selbst, die meisten werden aber an Börsen gehandelt.

Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) bezeichnete das Vorgehen der Börse Düsseldorf als sinnvollen Ansatz mit mehr Transparenz für die Anleger. „Es bleibt aber dabei: Mittelstandsanleihen sind nur etwas für erfahrene Anleger, das wird durch das neue Modell vielleicht etwas klarer.“

Von

dpa

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