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25.02.2014

15:19 Uhr

Mittelstandsanleihen

Brühwürfel-Pionier Zamek insolvent

Das Sterben am Markt für Minibonds geht weiter. Mit dem Düsseldorfer Lebensmittelhersteller Zamek meldet der erste mittelständische Anleiheemittent in diesem Jahr Insolvenz an. Es ist die 14. Pleite in gut zwei Jahren.

Die Tage der Würzmischung sind gezählt: Der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller Zamek beantragt Insolvenz. dpa

Die Tage der Würzmischung sind gezählt: Der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller Zamek beantragt Insolvenz.

DüsseldorfDie jüngsten Unternehmenszahlen haben darauf hingedeutet, nun ist es soweit: Mit dem Düsseldorfer Lebensmittelhersteller Zamek hat ein weiterer mittelständische Anleiheemittent am Dienstag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Anleihegläubiger müssen nun um die Rückzahlung ihrer Einlagen bangen. Insgesamt hatte sich Zamek 2012 und 2013 45 Millionen Euro am Kapitalmarkt geliehen.

Der 1932 gegründete Familienbetrieb, der unter anderem Tütensuppen, Würzmischungen und Fertiggerichte, produziert, reiht sich damit in eine leidvolle Serie von Pleiten mittelständischer Unternehmen ein. Innerhalb von gut zwei Jahren haben, Zamek eingerechnet, 14 Mittelständler Insolvenz angemeldet.

Fakten zu Mittelstandsanleihen

Viele Pleiten

Insgesamt 27 Anleihen von 23 Emittenten mit einem platzierten Anleihevolumen von fast einer Milliarde Euro sind laut der Ratingagentur Scope seit 2010 ausgefallen.

Hohe Renditen

Mittelstandsanleihen locken mit hohen Zinskupons. Bei den seit 2010 begebenen 150 Papieren reicht das Spektrum von 4,0 bis immerhin 11,25 Prozent.

Milliardenmarkt

In diesen fünf Segmenten sind 113 Anleihen mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Euro emittiert worden. Tatsächlich platziert wurden nach Angaben der Ratingagentur Scope 4,14 Milliarden Euro. Weitere 37 Anleihen mittelständischer Unternehmen sind im Prime Standard oder im Freiverkehr (Strenesse) notiert. Insgesamt kommt Scope auf ein Volumen von 7,26 Milliarden Euro (platziert 5,77 Milliarden Euro).

Spezielle Marktsegmente

Die meisten Minibonds – mehr als 100 – sind in speziellen Segmenten an den deutschen Börsen notiert, und zwar Bondm in Stuttgart, m:access in München, Mittelstandsmarkt in Düsseldorf, Mittelstandbörse in Hamburg-Hannover und dem Frankfurter Entry Standard. Einige wenige Anleihen finden sich im Prime Standard der Frankfurter Börse wieder, der stärker reguliert ist als die Mittelstandssegmente. Die Anleihe des insolventen Modelabels Strenesse ist dagegen lediglich im Freiverkehr (Open Market) der Frankfurter Börse gelistet, dem am wenigsten regulierten Markt.

Kleine Bonds

Mittelstandsanleihen gibt es seit 2010. Die Minibonds sollen Mittelständlern neue Finanzierungsmöglichkeit über den Bankkredit hinaus ermöglichen.

Zuletzt mussten der Windparkbetreiber Windreich, der Solarstromanbieter S.A.G Solar und der Personaldienstleister HKW die Segel streichen. Laut der Ratingagentur Scope konnten allein 2013 380 Millionen Euro an Verbindlichkeiten nicht mehr bedient werden.

Die Möglichkeit für Mittelständler, Anleihen zu emittieren und an der Börse zu platzieren, gibt es erst seit 2010. Nach Ausbruch der Finanzkrise und der damit einhergehenden schärferen Eigenkapitalvorschriften der Banken, erschien die Finanzierung über den Kapitalmarkt manchen Mittelständlern als die bessere, weil unabhängigere und im Zweifel günstigere Alternative der Fremdfinanzierung.

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