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12.05.2014

17:07 Uhr

Mittelstandsanleihen

MBB Clean Energy verpasst Zinszahlung

Der Wind- und Solarinvestor MBB Clean Energy hat gepatzt – und das ausgerechnet beim ersten Zinstermin. Anleihegläubiger warteten vergebens auf eine Kupon-Gutschrift. Droht die nächste Pleite bei den Mittelstandsbonds?

MBB Clean Energy investiert in bereits bestehende Wind- und Solaranlagen. Nun hat das Unternehmen die Zinszahlung ausgesetzt. dpa

MBB Clean Energy investiert in bereits bestehende Wind- und Solaranlagen. Nun hat das Unternehmen die Zinszahlung ausgesetzt.

DüsseldorfEs wäre die erste Zinszahlung aus der unternehmenseigenen Anleihe gewesen, die der Wind- und Solarinvestor MBB Clean Energy an seine Gläubiger hätte auszahlen müssen. Seit einem Jahr lief der 72-Millionen-Dollar-Bond mit einem Kupon von 6,25 Prozent. Doch am Fälligkeitstag vergangen Dienstag prüften Investoren ihren Kontoauszug vergebens. MBB Clean Energy hatte nicht gezahlt. Nach eigenen Angaben landete der Betrag stattdessen fürs Erste auf einem Treuhandkonto.

Als Grund für den Zahlungsverzug verwies das Unternehmen auf „wertpapiertechnische Gründe“. Internationale Großinvestoren seien in die Anleihe eingestiegen, doch sei mit ihnen ein Zinsverzicht für das erste Laufzeitjahr vereinbart worden. Die erforderlichen Unterlagen der korrespondierenden Banken seien nicht rechtzeitig vor Zinstermin bei der abwickelnden Deutsche Börse Clearing AG eingetroffen. Man werde darüber informieren, sobald die Problematik gelöst sei.

Fakten zu Mittelstandsanleihen

Viele Pleiten

Insgesamt 27 Anleihen von 23 Emittenten mit einem platzierten Anleihevolumen von fast einer Milliarde Euro sind laut der Ratingagentur Scope seit 2010 ausgefallen.

Hohe Renditen

Mittelstandsanleihen locken mit hohen Zinskupons. Bei den seit 2010 begebenen 150 Papieren reicht das Spektrum von 4,0 bis immerhin 11,25 Prozent.

Milliardenmarkt

In diesen fünf Segmenten sind 113 Anleihen mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Euro emittiert worden. Tatsächlich platziert wurden nach Angaben der Ratingagentur Scope 4,14 Milliarden Euro. Weitere 37 Anleihen mittelständischer Unternehmen sind im Prime Standard oder im Freiverkehr (Strenesse) notiert. Insgesamt kommt Scope auf ein Volumen von 7,26 Milliarden Euro (platziert 5,77 Milliarden Euro).

Spezielle Marktsegmente

Die meisten Minibonds – mehr als 100 – sind in speziellen Segmenten an den deutschen Börsen notiert, und zwar Bondm in Stuttgart, m:access in München, Mittelstandsmarkt in Düsseldorf, Mittelstandbörse in Hamburg-Hannover und dem Frankfurter Entry Standard. Einige wenige Anleihen finden sich im Prime Standard der Frankfurter Börse wieder, der stärker reguliert ist als die Mittelstandssegmente. Die Anleihe des insolventen Modelabels Strenesse ist dagegen lediglich im Freiverkehr (Open Market) der Frankfurter Börse gelistet, dem am wenigsten regulierten Markt.

Kleine Bonds

Mittelstandsanleihen gibt es seit 2010. Die Minibonds sollen Mittelständlern neue Finanzierungsmöglichkeit über den Bankkredit hinaus ermöglichen.

Droht jetzt die nächste Pleite am Markt für Mittelstandsanleihen? Seit das Segment 2010 an fünf Handelsplätzen in Deutschland startete, sind bereits 16 Anleihen ausgefallen – mit Centrosolar, Solarhybrid, Solarwatt, Solen und Windreich waren diverse Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien betroffen.

Bei MBB Clean Energy stimmen indessen mehrere Faktoren bedenklich: Erstens hatte das Unternehmen trotz eines vergleichbar guten BBB-Ratings im Mai 2013 statt der geplanten 300 Millionen nur 72 Millionen Euro über Anleihen einsammeln können. Skepsis war also damals schon greifbar.

Zum Zweiten enthält das Unternehmen seinen Anlegern momentan wichtige Informationen vor. So hat das Unternehmen den im Februar fälligen Halbjahresbericht bislang nicht vorgelegt – und seine Veröffentlichungspflichten damit verletzt.

Drittens könnte Anleger schließlich aufhorchen lassen, dass MBB Clean Energy vom insolventen Windpark-Entwickler Windreich mitgegründet wurde. Erst im Januar hatte die Staatsanwaltschaft Stuttgart ihre Ermittlungen gegen Windreich ausgeweitet. Seither steht auch der Wirtschaftsprüfer der insolventen Gesellschaft unter dem Verdacht der Beihilfe zur Bilanzmanipulation und zum Kreditbetrug.

Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft unter anderem gegen den früheren Firmenchef Willi Balz Ermittlungen wegen des Verdachts auf Bilanzmanipulation und Insolvenzverschleppung aufgenommen. Balz weist die Vorwürfe zurück. Bei der Gläubigerversammlung im Februar forderten die Anleihegläubiger von Windreich 366 Millionen Euro zurück.

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