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08.02.2016

16:20 Uhr

Mittelstandsanleihen

Schwelbrand bei German Pellets

VonGertrud Hussla, Katharina Schneider

Bei German Pellets spitzt sich die Lage zu. Der Brennstoffhersteller ist einer der größten Anbieter von Mittelstandsanleihen. Auch in den USA bangen Investoren um 500 Millionen Dollar. Können Anleger noch etwas retten?

Beim mittelständischen Holzbrennstoffhersteller German Pellets rückt die Gefahr einer Insolvenz immer näher. Johannes Arlt für Handelsblatt

German Pellets

Beim mittelständischen Holzbrennstoffhersteller German Pellets rückt die Gefahr einer Insolvenz immer näher.

Düsseldorf/FrankfurtLieferanten kündigen die Zusammenarbeit, Produktionsstätten stehen still, die Anleihekurse stürzen auf ein Niveau nahe Null: Der mittelständische Holzbrennstoffhersteller German Pellets kämpft ums Überleben. Damit drohen tausenden Anlegern, die Anleihen in Höhe von insgesamt 226 Millionen Euro gezeichnet haben, hohe Verluste bis hin zum Totalverlust. Ebenso müssen die Zeichner von Genussrechten in Höhe von 44 Millionen Euro um ihr Geld zittern. Von der Schieflage sind indirekt auch die Gläubiger zweier mit German Pellets verbundener Produktionsstätten in den USA betroffen. Dort haben Investoren Bonds in Höhe von 546 Millionen Dollar gezeichnet. Insgesamt stehen beiderseits des Atlantik damit umgerechnet rund 760 Millionen Euro Anlegergeld im Feuer.

Die Gläubiger von German Pellets sind nicht die ersten, die im Segment der Mittelstandsanleihen um ihr Geld bangen. Seit der Handel mit solchen M-Bonds im Jahr 2010 gestartet wurde, sind laut der Ratingagentur Scope bereits 40 Mittelstandsanleihen mit einem Volumen von 1,2 Milliarden Euro ausgefallen. Zinsen wurden nicht gezahlt oder die Unternehmen gingen pleite, so etwa Tütensuppenhersteller Zamek, Designermode-Anbieter Strenesse oder die Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa).

German Pellets - Fakten zum Unternehmen

Gründungsjahr

Gegründet wurde German Pellets erst im Jahr 2005 in Wismar. Zuvor hatte Leibold bereits als Geschäftsführer eines Sägewerks Erfahrung in der Holzindustrie gesammelt.

Geschichte

Vor allem durch Zukäufe ist German Pellets in relativ kurzer Zeit stark gewachsen. Dabei profitierte das Unternehmen unter anderem davon, dass Holzpellets als CO2-neutral gelten. Das ist ein Grund, weshalb etwa die Anschaffung von Pellet-Heizungen gefördert wird.

Im Jahr 2016 kollabiert die Firma, sie meldet im Februar Insolvenz an.

Geschäftsentwicklung

Die Firma verzeichnete bis zum Zusammenbruch ein rasantes Wachstum und kratzte zeitweise an der 600-Millionen-Euro-Umsatzmarke. Im Jahr 2011 waren es noch 286 Millionen Euro.

Eigner und Führung

German Pellets gehörte zu 60 Prozent Peter Leibold und zu 40 Prozent seiner Frau Anna Kathrin. Peter Leibold arbeitete als Geschäftsführer, seine Frau hatte sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Tochter Kathrin Leibold führte eine Tochterfirma, die Tiereinstreu vermarktete.

Beschäftigte und Standorte

German Pellets beschäftigte 650 Mitarbeiter. Die Zentrale liegt in Wismar in unmittelbarer Nähe zum Hafen, dort ist auch eine Pellets-Produktion. Weitere 13 Standorte sind in Deutschland verteilt, die beiden größten im Land sind neben Wismar Herbrechtingen und Ettenheim (beide Baden-Württemberg).

Im Jahr 2013 ging die größte Fabrik aber in den USA an den Start mit einer Produktionskapazität von 550.000 Tonnen Pellets pro Jahr (fast ein Viertel der Gesamtkapazität). Ein noch einmal doppelt so großes Werk entstand in Louisiana.

Produkte

Die Firma produziert Holzpellets. Dazu werden Holzspäne unter hohem Druck zu zäpfchengroßen Stäbchen gepresst. Diese werden zur Verbrennung in Kaminöfen, Heizungen, Biomassekraftwerken und als Beimischungen in fossilen Kraftwerken eingesetzt. Die Marke „FireStixx“ gehört zum German-Pellets-Portfolio.

Nach dem rasanten Aufstieg von Firmengründer und Hauptgesellschafter Peter Leibold kommt nun der tiefe Fall. German Pellets, mit rund 600 Millionen Umsatz nach eigenen Angaben einer der weltweit führenden Hersteller von Holzpellets als Heizmaterial, scheint sich mit rasanten Wachstumsplänen, hohen Zinsversprechen und merkwürdigen Finanzkonstruktionen verhoben zu haben. Eine Anleihe zu 7,25 Prozent Zins, die am 1.April 2016 fällig ist (WKN: A1H3J6) notierte am Montag nur noch bei acht Prozent ihres Nennwerts.

Mitte Januar hatte sie noch bei 96 Prozent notiert. Auch die Rating Agentur Creditreform stellt auf höchste Alarmstufe: Sie schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass German Pellets binnen eines Jahres zahlungsunfähig wird, mit 80 Prozent ein. Grund: Wiederholte Inkassoverfahren, erheblich verspätete Zahlungen. Die Agentur rät davon ab, an German Pellets Kredite zu vergeben.

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Gerade mal 5,4 Prozent betrug die Eigenkapitalquote der German-Pellets-Gruppe Ende November 2015, errechnete Creditreform. Die Kapitaldecke ist auch deshalb so dünn, weil German Pellets Geld aus deutschen Anleihen an eine Stiftung weitergereicht hat. Diese wiederum hat es als Eigenkapital in riesige US-Produktionsstätten gesteckt. Damit landete also von den Anlegern verliehenes Geld als Eigenkapital in den USA. Bei den US-Werken wiederum war der Kapitalbedarf höher als gedacht, berichtet Creditreform. „Insgesamt war die Pellets-Gruppe viel zu hoch verschuldet. Dadurch ist die gesamte Gruppe viel zu anfällig gewesen“, urteilt Daniel Bauer von der Anlegerschutzgemeinschaft SdK.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

08.02.2016, 16:54 Uhr

Einer der viel gescholtenen Experten des Handelsblattes hat von diesen Anleihen abgeraten.

Herr mostly harmless

09.02.2016, 12:33 Uhr

Schade, dass gerade kleine Anleger oftmals auf große Versprechungen hereinfallen.
Wenn etwas zu gut klingt um wahr zu sein, dann ist das wahrscheinlich auch so...

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