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28.02.2014

10:51 Uhr

Mittelstandsanleihen

Warum die Bafin jetzt die Banken befragt

Mit dem Lebensmittelhersteller Zamek hat am Dienstag der 14. mittelständische Anleiheemittent Insolvenz angemeldet. Nun interessiert sich such die Bafin für Minibonds – und hakt bei emissionsbegleitenden Banken nach.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn: Laut Medienberichten nimmt sie den Markt für Mittelstandsanleihen ins Visier. dpa

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn: Laut Medienberichten nimmt sie den Markt für Mittelstandsanleihen ins Visier.

DüsseldorfDie Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat den Markt für Zinspapiere mittelständischer Unternehmen im Visier. Wie die Wirtschaftswoche berichtet, befragt die Behörde derzeit die Banken über ihre Emissionstätigkeit (Ausgabe von Wertpapieren und deren Platzierung) bei den Minibonds.

Grund sind offenbar sich häufende Insolvenzen in dem bei Privatanlegern beliebten Börsensegment. Zwar gibt es mit dem Suppenwürfelhersteller Zamek aus Düsseldorf in diesem Jahr erst die erste Insolvenz – aber schon die 14. seit dem Start der Minibonds vor knapp vier Jahren. Als gefährdet gilt auch der Maschinenbauer Rena, der jüngst eine Tochter in die Insolvenz schickte und dem die Ratingagentur Euler Hermes geringe Zukunftsaussichten bescheinigte.

Laut Wirtschaftswoche sind die Banken über das plötzliche Interesse der Aufseher beunruhigt. Beobachter erwarten, dass sich die BaFin im nächsten Schritt etwa für Discountplatzierungen interessieren könnte. Großanlegern sollen bei einigen Emissionen vorab Papiere zu Preisen unter dem Nennwert angeboten worden sein. Sobald die Nachfrage von Privatanlegern anzog, konnten sie die günstig erhaltenen Bonds mit Gewinn verkaufen. Bei den üppigen Emissionsgebühren, die Banken verdienten, blieb für die Rabatte genug Spielraum.

Fakten zu Mittelstandsanleihen

Viele Pleiten

Insgesamt 27 Anleihen von 23 Emittenten mit einem platzierten Anleihevolumen von fast einer Milliarde Euro sind laut der Ratingagentur Scope seit 2010 ausgefallen.

Hohe Renditen

Mittelstandsanleihen locken mit hohen Zinskupons. Bei den seit 2010 begebenen 150 Papieren reicht das Spektrum von 4,0 bis immerhin 11,25 Prozent.

Milliardenmarkt

In diesen fünf Segmenten sind 113 Anleihen mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Euro emittiert worden. Tatsächlich platziert wurden nach Angaben der Ratingagentur Scope 4,14 Milliarden Euro. Weitere 37 Anleihen mittelständischer Unternehmen sind im Prime Standard oder im Freiverkehr (Strenesse) notiert. Insgesamt kommt Scope auf ein Volumen von 7,26 Milliarden Euro (platziert 5,77 Milliarden Euro).

Spezielle Marktsegmente

Die meisten Minibonds – mehr als 100 – sind in speziellen Segmenten an den deutschen Börsen notiert, und zwar Bondm in Stuttgart, m:access in München, Mittelstandsmarkt in Düsseldorf, Mittelstandbörse in Hamburg-Hannover und dem Frankfurter Entry Standard. Einige wenige Anleihen finden sich im Prime Standard der Frankfurter Börse wieder, der stärker reguliert ist als die Mittelstandssegmente. Die Anleihe des insolventen Modelabels Strenesse ist dagegen lediglich im Freiverkehr (Open Market) der Frankfurter Börse gelistet, dem am wenigsten regulierten Markt.

Kleine Bonds

Mittelstandsanleihen gibt es seit 2010. Die Minibonds sollen Mittelständlern neue Finanzierungsmöglichkeit über den Bankkredit hinaus ermöglichen.

Dass die Ausgabe und im Nachgang dazu auch der Vertrieb von Mittelstandsanleihen für die emissionsbegleitenden Banken ein lukratives Geschäft ist, sagt auch Dirk Elberskirch, Vorstand der Düsseldorfer Börse. Für den Vertrieb der Minibonds kassierten die Emissionsbegleiter bis zu zwei Prozent Provision.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

28.02.2014, 13:11 Uhr

Ein Vorschlag zur Güte!

Der Bundesfinanzminister sollte noch einmal die Aufgabe der BaFin klar definieren.

Das was von dort kommt, ist haarsträubend.

Auch in Sachen Parteinahme für Versicherungen sollte einer kritischen Prüfung unterzogen werden.

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