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02.09.2014

21:48 Uhr

Modekonzern

Investor verkauft erneut Hugo-Boss-Aktien

Der Anteil des britischen Finanzinvestors Permira am Modekonzern Hugo Boss sinkt unter 50 Prozent. Der Investor gab bekannt, weitere Aktien abstoßen zu wollen. Permira winkt beim Verkauf ein Erlös von 800 Millionen Euro.

Permira war 2007 an die Mehrheit von Hugo Boss gelangt. 2011 verkaufte der Finanzinvestor dann erste Aktien des Modeunternehmens wieder. dpa

Permira war 2007 an die Mehrheit von Hugo Boss gelangt. 2011 verkaufte der Finanzinvestor dann erste Aktien des Modeunternehmens wieder.

Der Finanzinvestor Permira trennt sich von einem rund 850 Millionen Euro schweren Anteil am Modekonzern Hugo Boss. Die zum Finanzinvestor Permira gehörende Investmentfirma Red & Black platziere bis zu 7,9 Millionen Hugo-Boss-Aktien, erklärte das Modeunternehmen am Dienstagabend in einer Pflichtmitteilung. Das entspreche 11,2 Prozent am Grundkapital. Von einer mit der Angelegenheit vertrauten Person hatte Reuters zuvor erfahren, die Aktien sollten zu einem Stückpreis von 101,50 bis 107,05 Euro verkauft werden. Hugo-Boss-Aktien gingen am Abend mit 107,05 Euro aus dem Handel.

Durch die Platzierung der Aktien werde sich der Streubesitz der Hugo Boss AG auf rund 59 Prozent des Grundkapitals erhöhen, teilte das Unternehmen weiter mit. Dies dürfe die Attraktivität der Aktie bei institutionellen Anlegern weiter steigern und die Gewichtung im MDAX erhöhen. Für die restlichen Aktien habe sich Red & Black einer 90-tägigen Haltefrist unterworfen. Den Reuters-Informationen zufolge wird die Transaktion von Citi und BoA Merrill Lynch betreut.

Textilproduktion und die Verantwortung des Verbrauchers

Woher kommt die Kleidung, die in Deutschland über den Ladentisch wandert?

„Das meiste, was hier verkauft wird, kommt aus Asien“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Modeverbands GermanFashion, Thomas Rasch. Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes importierte Deutschland im vergangenen Jahr mehr als 1,17 Millionen Tonnen Bekleidung im Wert von fast 25,8 Milliarden Euro aus 130 Ländern. Etwa ein Drittel kam aus China, mit etwas Abstand folgen Bangladesch, die Türkei und Indien. Kleidung, die über die Niederlande, Italien und Frankreich eingeführt werde, komme oft auch aus Niedriglohnländern, sagt Rasch.

Unter welchen Bedingungen arbeiten die Näherinnen?

Viele Näherinnen bekommen nach Informationen der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) nicht genug Geld, um sich und ihre Familien ausreichend zu ernähren. „Der Lohn reicht nicht aus, um ein Leben in Würde zu führen“, sagt CCC-Expertin Kirsten Clodius. Dazu kämen sehr lange Arbeitszeiten und Sicherheitsmängel wie vergitterte Fenster und verriegelte Notausgänge. Fabrikbesitzer verböten den Näherinnen oft das Reden und kontrollierten Toilettengänge. In Kambodscha habe es sogar Massen-Ohnmachtsanfälle gegeben. Menschenrechtler und Umweltschützer warnen zudem vor womöglich giftigen Farben und Kinderarbeit.

Muss man ein schlechtes Gewissen haben, billige Kleidung zu kaufen?

Auch hochpreisige Kleidung wird oft in Asien genäht. „Der Verkaufspreis eines T-Shirts bei uns gibt keinen Aufschluss darüber, wo es hergestellt ist“, sagt Clodius. In einer Fabrik werde oft für mehrere Auftraggeber gearbeitet. Darunter seien auch hochwertige Markenhersteller, räumt auch Rasch ein. Diese Markenhersteller machen ein besonders gutes Geschäft: Die Kampagne für Saubere Kleidung rechnet damit, dass die Lohnkosten einer in Asien genähten 100-Euro-Jeans bei nur einem Euro liegen. Die Werbung mache 25 Euro aus, satte 50 Euro stecke der Handel ein.

Würde es den Näherinnen helfen, wenn Kleidung aus Asien boykottiert würde?

Nein. Die Näherinnen hätten ihre Organisation selbst darum gebeten, keine Boykottaufrufe zu starten, berichtet Clodius. Sie hätten Angst, ihre Arbeitsplätze zu verlieren. Laut Rasch könnte ein Boykott in Bangladesch 70 Prozent der Textil-Industrie zusammenbrechen lassen.

Wer kann dann dafür sorgen, dass die Textilproduktion sicherer wird?

Darüber gibt es Streit. Der Modeverband sieht Produktionschefs und Politiker in den Herstellerländern in der Pflicht. Hier herrsche viel zu oft „ein Raubtierkapitalismus“, sagt Rasch. Auch Kunden aus Deutschland könnten helfen: „Ich darf keine Jeans für 9,90 Euro kaufen!“ Diese Preise seien mit normalen Arbeitsbedingungen nicht zu erreichen. Die Kampagne für Saubere Kleidung hält dagegen, dass auch hochpreisige Kleidung in den asiatischen Fabriken produziert werden. Die Unternehmen dürften sich nicht dahinter verstecken, dass sie lediglich Auftrag- und nicht Arbeitgeber seien. Die Gewerkschaft Verdi will mit ihrer Initiative „exchains“ über Gewerkschaften und Arbeitssicherheit aufklären.

Wie viel mehr würde ein Kleidungsstück kosten, wenn Löhne höher wären?

Nach Verdi-Berechnungen würden ein T-Shirt oder eine Bluse nur 12 Cent mehr kosten, wenn deutsche Textilhändler in ihrer Kalkulation für jede Näherin im Monat 50 Euro mehr berücksichtigen würden. Damit würden viele Arbeiter etwa doppelt so viel verdienen wie jetzt. Rasch gibt aber zu bedenken, dass es das Lohngefüge im Land durcheinanderbringen könne, wenn nur die Näherinnen, nicht aber Bauern oder Rikscha-Fahrer plötzlich mehr Geld bekämen.

Wie lassen sich besser produzierte T-Shirts erkennen?

Es gibt für Mode kein einheitliches Siegel, das sowohl Umwelt- als auch Arbeitsstandards zusammenfasst. Ein grünes Label mit weißem Hemd steht für „Global Organic Textile Standard“ (GOTS) - zu den Kriterien gehören das Verbot von Zwangs- und Kinderarbeit sowie die Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Ein rot-weißes Label mit dem Aufdruck „IVN zertifiziert NATURTEXTIL“ findet sich auf Kleidung aus Naturfasern wie Baumwolle, Leinen und Seide. Es steht auch für die Einhaltung von Sozialstandards am Arbeitsplatz und die Einhaltung geregelter Arbeitszeiten. Auch das Öko-Zeichen „Textiles Vertrauen nach Oeko-Tex Standard 100plus“ steht mit für die Einhaltung von Sozialkriterien.

Noch vor rund einem Monat hatte Permira bekundet, mit einem Ausstieg bei Hugo Boss keine Eile zu haben. "Wir haben derzeit keine Verkaufsabsichten", sagte ein Permira-Sprecher. In Finanzkreisen hieß es damals, es gebe auch kein Mandat für eine Bank, einen Verkaufsprozess für die insgesamt 3,7 Milliarden Euro schwere Beteiligung in Angriff zu nehmen.

Permira hielt zuletzt eine Beteiligung von 50 Prozent plus einer Aktie. Hugo Boss ist das Juwel im Permira Fonds IV, der noch bis 2016 läuft. Der Aktienkurs hat sich vervielfacht, seit die vor sieben Jahren eingestiegene Permira Claus-Dietrich Lahrs an der Spitze des Modeunternehmens installiert hat. Permira hatte zuletzt Ende Mai seinen Anteil für 419 Millionen Euro von 56 auf 50 Prozent abschmelzen lassen und durfte deshalb bis Ende August keine weiteren Papiere ohne Zustimmung der Banken auf den Markt werfen.

Von

rtr

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