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26.02.2014

10:22 Uhr

Mohamed El-Erian und Pimco

Zoff in der Chefetage

Dem Abschied von Mohamed El-Erian bei Pimco ist wohl ein hitziger Streit vorausgegangen. Mitarbeiter berichten von einem Wortgefecht zwischen ihm und Firmengründer Bill Gross. Er sei es leid, „den Scheiß aufzuräumen”.

Mohamed El-Erian erklärte im Januar seinen Rücktritt als CEO und Co-Investmentchef bei Pimco. Reuters

Mohamed El-Erian erklärte im Januar seinen Rücktritt als CEO und Co-Investmentchef bei Pimco.

New YorkAls Mohamed El-Erian im Januar von seinem Posten als Co-Chef bei Pimco zurücktrat, blieben einige Fragen offen. Eine Erklärung für den überraschenden Rückzug gab es nicht. El-Erian selbst sagte nur, er wolle sich mehr auf sein Privatleben konzentrieren. Das Unternehmen verhielt sich ebenfalls auffällig unauffällig. Kein Wunder. Denn offenbar ist dem Abschied ein heftiger Streit an der Spitze der Vermögensverwaltung vorausgegangen.

El-Erian, der Vorstandschef und Co-Investmentchef bei Pimco war, soll sich mit dem Firmengründer Bill Gross gestritten haben. Das berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf zwei Augenzeugen.

Die Zeitung beschreibt ein Treffen im Juni, bei dem die Männer angeblich aneinander gerieten. Dabei soll Gross seinem Gegenüber gesagt haben: „Ich habe 41 Jahre lang Spitzenleistungen beim Investieren abgeliefert. Was hast du?“ Die Antwort von El-Erian soll nicht minder heftig ausgefallen sein: „Ich bin es leid, deinen Scheiß aufzuräumen.”

El-Erian soll außerdem von Gross verlangt haben, er müsse Art und Weise ändern, wie er mit den Mitarbeiter umginge. Dazu soll sich Gross auch bereit erklärt haben. Mehr als Dutzend Kollegen soll den Streit mitbekommen haben. An der Spitze von Pimco galten El-Erian und Gross als gleichberechtigt.

Die Durchhalteparolen des Bill Gross

Schwieriges Jahr

Das Jahr 2013 war alles andere als gut für Bill Gross und seine Vermögensverwaltung Pimco. Die Performance war unterdurchschnittlich, die Kunden liefen davon. In seiner monatlichen Kolumne versuchte der 69-Jährige, die schwierige Lage an den Märkten zu erklären.

Januar

„Das Ergebnis des Gelddruckens wird in Form von Inflation und Abwertung von Währungen kommen, entweder gegeneinander oder gegen begrenzte Rohstoffe wie Öl oder Gold.“

Februar

„Stellen Sie sich auf niedrigere Renditen bei Ihrer Portfolio-Planung ein.“

März

„Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen sind überschwänglich und irrational bewertet.“

April

„Jeder von uns, selbst alte Hasen wie Buffett, Soros, Fuss, und ja - auch ich, hat seine Laufbahn im vielleicht vorteilhaftesten Zeitraum begonnen, im attraktivsten Zeitalter, das Anleger erfahren durften“

Mai

„Zentralbanken und Politiker sind wie Friseure. Sie beschneiden Ihre Investitionen. Diese Haircuts werden versteckt in Form von Steuern, manipulierten Zinsen und Inflation auftreten, die die Kaufkraft jedes Anlegers reduzieren.“

Juni

„Es kommt ein Punkt, wenn, egal wie viel Blut durch das System gepumpt wird, mit Null-Zinsen und globalen Programme zur quantitativen Lockerung, dass das Blut selbst anämisch werden kann.“

Juli

„Springen Sie noch nicht über Bord. Auch wenn wir an einen Wendepunkt für die Renditen von US-Staatsanleihen, Hypothekenpapieren und Unternehmenstiteln gelangt sind, wäre der Ausstieg eine übertriebene Reaktion.“

August

Bond-Manager müssen an die neue Welt der Null-Zinsen anpassen und niedrige Gesamterträge akzeptieren.“

September

„Eigentlich möchte man Erträge erzielen, gleichzeitig jedoch sein Anlagekapital nicht verlieren. Einige schwören auf Aktien als die alleinige Option. Ich bin mir dessen jedoch nicht so sicher. Denn wenn die US-Notenbank ihr Lockerungsspiel beendet, könnten Aktien ebenfalls in Gefahr sein.“

Oktober

„Die Fed muss irgendwann die Anleihekäufe zurückfahren. Sie können nicht jedes Jahr ihre Bilanz um eine Billion Dollar erweitern, ohne dass etwas Negatives passiert“

November

„Die Investoren in den USA und anderswo sollten auf Investitionen in die Realwirtschaft setzen, nicht auf künstlich aufgeblasene Aktien.“

Dezember

„Die Investoren spielen alle dasselbe gefährliche Spiel, das von der anhaltenden Politik des billigen Geldes und der künstlich niedrigen Zinsen abhängt, mit der verzweifelt versucht wird, das Wachstum anzukurbeln.”

Pimco aus dem kalifornischen Newport Beach ist der größte Anleiheinvestor der Welt, seit 2000 gehört die Gesellschaft zum Allianz-Konzern. Sie verwaltet fast zwei Billionen Dollar, was mehr als 80 Prozent der von der Allianz verwalteten Vermögenswerte ausmacht. Jahrelang steuerte Pimco einen beträchtlichen Teil zum Gewinn der Allianz bei.

Doch im vergangenen Jahr riss die Erfolgsserie. Die Strategie der Vermögensverwalter ging nicht auf Sie unterschätzten die Ankündigung der US-Notenbank, nach und nach aus der lockeren Geldpolitik auszusteigen. Dadurch fielen die Kurse von Anleihen, umgekehrt stiegen die Renditen. Das Ergebnis: Pimco erzielte die schlechteste Performance seit 1994. Die Kunden flüchteten in Scharen. Der von Gross verwaltete Pimco Total Return Fund, das Flaggschiff der Vermögensverwaltung, verlor Kundengelder von mehr als 41 Milliarden Dollar.

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