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23.05.2016

12:01 Uhr

Monsanto-Übernahme

Mit diesem Chart will Bayer punkten

VonPeter Köhler, Martin Dowideit

Um die Übernahme des Saatgut-Herstellers Monsanto zu stemmen, muss Bayer Milliarden neue Schulden machen. Analysten sind besorgt. Das Geld kommt von Banken – aber nicht von der Deutschen Bank.

Fragwürdige Übernahme

Was will Bayer mit Monsanto?

Fragwürdige Übernahme: Was will Bayer mit Monsanto?

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Frankfurt/DüsseldorfUmgerechnet mehr als 55 Milliarden Euro bietet der Leverkusener Bayer-Konzern für Monsanto: Es soll die größte Firmenübernahme einer deutschen Firma im Ausland werden. Ausgetüftelt hat den Deal der bisherige Finanzvorstand und mittlerweile als Vorstandschef arbeitende Werner Baumann. Ein Mann also, der sich mit Börse, Krediten und Finanzierung auskennt.

Dennoch verblüfft die Höhe des Angebots viele Investoren. Die Aktie steht unter Druck und auch die Ratingagenturen sind wegen der voraussichtlich steigenden Verschuldung aufgeschreckt. Der Kurs einer bis 2021 laufende Bayer-Unternehmensanleihe ist seit Bekanntwerden der ersten Übernahmegerüchte von 107,5 auf 106,1 Prozent gefallen.

Historischer Vergleich: Nettoverschuldung („Net Debt“) im Verhältnis zum Gewinn vor Steuern und Abschreibungen der vergangenen zwölf Monate („LTM EBITDA Multiple“).

Bayer-Schuldenabbau in der Vergangenheit

Historischer Vergleich: Nettoverschuldung („Net Debt“) im Verhältnis zum Gewinn vor Steuern und Abschreibungen der vergangenen zwölf Monate („LTM EBITDA Multiple“).

Und das ist ein Grund, weshalb Baumann am Montag in einem Handout für Presse und Investoren unter anderem den Chart oben zeigen lässt. Die Balken sollen zeigen, wie schnell Bayer in der Vergangenheit nach Übernahmen die eigene Verschuldung abbauen konnte. Die Nettoverschuldung („Net Debt“) im Verhältnis zum Gewinn vor Steuern und Abschreibungen der vergangenen zwölf Monate („LTM EBITDA Multiple“) sei jeweils innerhalb weniger Jahre deutlich reduziert worden.

Bayer will die Monsanto-Transaktion zu einem Viertel mit eigenen Mitteln finanzieren, der größte Teil davon soll durch eine Kapitalerhöhung zusammenkommen. Bisherige Aktionäre müssen also eine Verwässerung ihrer Anteile in Kauf nehmen. Den Rest der 55 Milliarden Euro stemmt Bayer aber über Fremdkapital, also Kredite.

Man sei zuversichtlich, die Finanzierung zu stemmen, heißt es bei Bayer. Man setze dabei auf die Expertise der beratenden Banken Credit Suisse sowie Bank of America Merrill Lynch (BofAML), deren Aufgabe es sein werde, die Milliarden zu beschaffen beziehungsweise bereit zu stellen. Die Einnahmen aus dem laufenden Geschäft der fusionierten Einheiten werde dazu beitragen, die Verschuldung rasch abzubauen. „Von den finanzierenden Banken haben wir entsprechende Absichtserklärungen erhalten“, hat Bayer an Monsanto-Chef Hugh Grant geschrieben.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Finanzkreisen hat Bayer die Offerte schon seit Monaten vorbereitet. Die Finanzierung sei seitens der Investmentbanken durchgeplant und werde die ganze Palette der Finanzmarktinstrumente abdecken, angefangen von einem syndizierten Kredit bis hin zu Anleihen. Bei einem syndizierten Kredit werden einzelne Tranchen einer Finanzierung an andere Banken weitergereicht, um sich das Risiko unter mehreren Instituten aufzuteilen.

Die beratenden Investmentbanken dürften einen dreistelligen Millionenbetrag an Gebühren einsammeln, meinte ein Insider. Das mehrere Dutzend Experten umfassende Team der Bank of America Merrill Lynch wurde vom M&A-Strategen Holger Bross angeführt.

Kommentare (10)

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Herr Peter T. Kroeger

23.05.2016, 12:25 Uhr

Ich halte den Kauf eines Unternehmens das wirtschaftlich davon abhängig ist, Patente auf Naturpflanzen zu beantragen um dann damit weltweit Kleinbauern zu erpressen für hinreichend ethisch unvertretbar und in geringem Ausmaß für nachhaltig als Geschäftsmodell. Bayer geht mit dem Kauf von Monsanto daher für mich ein viel zu hohes Risiko ein.

Herr Thomas Behrends

23.05.2016, 12:50 Uhr

@ Peter T. Kroeger

Richtig, wieso will sich Bayer ausgerechnet ein derart in der Kritik stehendes Unternehmen wie Monsanto unter den Nagel reißen und sich dabei womöglich noch einen Bruch heben, wenn Renditen anderweitig einfacher zu realisieren sind. Mal ganz abgesehen vom Imageverlust und in der Folge ewigem, auch juristischem Ärger in den USA ... ?!?

+++ TTIP verhindern +++ Stoppt TTIP +++ TTIP verhindern +++ Stoppt TTIP +++

Herr Fritz Yoski

23.05.2016, 13:08 Uhr

Mit Monsanto sind auch viele juristische Probleme verbunden, vom Image mal ganz abgesehen. Da kann man nur fuer Bayer nur hoffen das der Deal nicht zustande kommt. Eigentlich erschreckend das die Manager bei Bayer sowas nicht selbst erkennen.

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