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28.07.2016

12:37 Uhr

Monte dei Paschi und Unicredit

Wie Italiens Haushalte an Bankanleihen kamen

Bankanleihen zu kaufen, war in Italien lange der letzte Schrei. Jeder Haushalt des Landes hat rechnerisch solche Papiere im Wert von 1.260 Euro. Ein Ex-Vertriebsmitarbeiter eines Instituts erzählt vom Verkaufsdruck.

Repräsentative Zentrale – wackeliges Geschäft. AFP; Files; Francois Guillot

Monte Dei Paschi di Siena

Repräsentative Zentrale – wackeliges Geschäft.

Mailand/DüsseldorfVincenzo Imperatore weiß, wie es zu einem der Knackpunkte in der Diskussion um die Stützung italienischer Banken kam. Er weiß, warum so viele italienische Privatanleger Anleihen von Banken besitzen und im Falle einer staatlichen Rettung zur Kasse gebeten werden müssten – und was Ministerpräsident Matteo Renzi mit aller Kraft verhindern will. Denn Vincenzo Imperatore gehörte zu denjenigen, die Bankanleihen mit Macht an den Mann brachten.

„Ich habe fünf, sechs Anrufe am Tag von meinen Chefs bekommen, die Druck machten, die Papiere zu verkaufen“, erzählt Imperatore der Nachrichtenagentur Bloomberg. Sechs Jahre bis 2012 arbeitete der Italiener im Finanzvertrieb der Großbank Unicredit in der Region Neapel als regionaler Vertriebsschef und verfasste später zwei Bücher über die Erfahrung. In Folge der Finanzkrise ab 2008 setzten italienische Banker darauf, bei Privatkunden wichtige Finanzmittel einzuwerben und Imperatore bekam Druck, mehr Geld einzutreiben. „Ich gab meinen Vertriebsmitarbeitern die Anweisung, genau das zu tun.“

Das Ergebnis des Vertriebsdrucks: Mehr als ein Drittel aller ausstehenden italienischen Anleihen gehört Sparern. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwa zehn Prozent, in anderen Länder noch deutlich weniger. Jetzt geht es vor allem der drittgrößten Bank des Landes mies. Monte dei Paschi braucht Milliarden an frischem Kapital und ein staatlicher Zuschuss stand zunächst im Raum.

Größte italienische Banken (nach Bilanzsumme)

Platz 5

UBI Banca

Bilanzsumme: 117 Milliarden Euro

Stand: Ende 2015

Platz 4

Banco Popolare

Bilanzsumme: 122 Milliarden Euro

Platz 3

Mone dei Paschi

Bilanzsumme: 173 Milliarden Euro

Platz 2

Intesa Sanpaolo

Bilanzsumme: 700 Milliarden Euro

Platz 1

Unicredit

Bilanzsumme: 892 Milliarden Euro

Doch bevor Banken mit staatlicher Beteiligung gerettet werden, gilt in der Europäischen Union: Aktionäre und Anleihegläubiger müssen bluten und zwar bis zur Höhe von acht Prozent der Ausstände des Instituts. Das will Regierungschef Renzi mit aller Kraft vermeiden, auch um im Oktober bei einem Referendum über eine Reform des politischen Systems gut abzuschneiden und an der Macht zu bleiben. Denn würden die Haushalte zur Kasse gebeten, von denen jeder rein rechnerisch 1.260 Euro an Schuldpapieren von Geldinstituten besitzt, würde das Renzis Wahlchancen wohl erheblich verschlechtern.

Monte dei Paschi könnte einen Ausweg gefunden haben, ohne staatliche Mittel auszukommen und so die Sparer zu verschonen und Renzi zu einem Befreiungsschlag zu verhelfen. Die Bank will bei privaten Investoren fünf Milliarden Euro Kapital einwerben und hat einen entsprechenden Plan bei der Europäischen Zentralbank (EZB) eingereicht. Zuvor sollen zehn Milliarden Euro an faulen Krediten ausgelagert und so die Bilanz merklich entlastet werden.

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