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08.08.2011

19:15 Uhr

Moody's

Nächster Rating-Riese droht den USA

S&P hatte den USA die Bonitäts-Bestnote entzogen und damit die Turbulenzen an den Finanzmärkten weltweit verstärkt. Jetzt könnte alles noch viel schlimmer kommen. Auch Moody's denkt über eine Herabstufung nach.

Moody's-Schild in New York. Quelle: Reuters

Moody's-Schild in New York.

New YorkDie Ratingagentur Moody's beurteilt die Sparanstrengungen der USA skeptisch und hält eine Herabstufung vor dem Jahr 2013 für möglich. Dazu könne es kommen, wenn die Wirtschaft sich verschlechtere und der gegenwärtige Defizit-Plan keine glaubwürdigen Ergebnisse liefere, sagte Moody's-Analyst Steven Hess der Agentur Reuters. Es gebe Zweifel, dass die jetzt vom Kongress beschlossenen Haushaltskürzungen von 917 Milliarden Dollar langfristig durchzusetzen seien.

Die Entscheidung von vergangener Woche, die Bestnote „AAA“ für die USA beizubehalten, basiere auf der Annahme, dass bis 2013 weitere Schritte zur Senkung des Defizits folgten. Außerdem werde erwartet, dass sich die Wirtschaftserholung fortsetze. Der Anfang August erzielte Schuldenkompromiss sei zwar positiv für die Bewertung der weltgrößten Volkswirtschaft. Die geplante Senkung des Defizits um 2,1 Billionen Dollar reiche aber nicht aus, um einen stabilen Ausblick beizubehalten. Das „AAA“-Rating der USA hänge auch davon ab, ob die von Ex-Präsident George W. Bush eingeführten und 2012 auslaufenden Steuerkürzungen verlängert werden oder nicht.

Fragen und Antworten zur Herabstufung der USA

Weshalb haben die USA ihre Top-Bonität verloren?

S&P war unzufrieden mit den von der Regierung beschlossenen Sparmaßnahmen. Die Demokratische Partei von Präsident Barack Obama und die oppositionellen Republikaner hatten sich zuletzt zwar auf eine Anhebung der Schuldengrenze geeinigt, aber laut S&P keine ausreichenden Maßnahmen zur Begrenzung der Schuldenlast beschlossen. Während der Finanzkrise nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers unterstützte die US-Regierung die Wirtschaft mit milliardenschweren Hilfsprogrammen. Die Schuldenlast und die Defizite im Staatshaushalt sind daher deutlich gestiegen. Nun erschwert das schwache Wirtschaftswachstum die Reduzierung der Haushaltsdefizite. Der scharfe politische Streit zwischen Demokraten und Republikaner mache die US-Politik ineffektiv und unvorhersehbar, begründet S&P ihre Entscheidung. Während die Demokraten auch Steuern anheben wollen, lehnen die Republikaner dies kategorisch ab.

Wie reagiert die internationale Politik?

Vorerst mit Schweigen. Die USA äußern sich nicht direkt zu der Herabstufung, von der EU ist auch nichts zu hören. Auch Berlin gibt sich wortkarg. Hinter den Kulissen geht es aber kräftig zur Sache. Die Notenbankchefs wollten bei einer Telefonkonferenz beraten, wie sich die Herabstufung auf die Märkte auswirken wird. Angeblich wollten die G7-Finanzminister eine verbale Beruhigungspille für die Märkte ausarbeiten.

Geht die Talfahrt an den Finanzmärkten weiter?

Das ist sehr schwer vorherzusagen. An den Märkten wurde eine Herabstufung durch S&P in den vergangenen Tagen schon erwartet - es gab eine Vorwarnung der Ratingagentur. Zudem haben die USA noch bei den beiden anderen Ratingagenturen Moody's und Fitch die Bestnote „AAA“. Niemand muss also US-Anleihen verkaufen. Zudem haben große Anleger wie China und Japan kaum eine wirkliche Alternative zum großen und liquiden US-Markt. „Den amerikanischen Anleihemarkt dürfte dies mittelfristig wenig beeindrucken“, erwartet Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Er verweist auf Japan, das mit einem schlechteren Rating und einem höheren Schuldenstand sich problemlos an den Märkten refinanzieren kann. „Aber natürlich ist dieser Schritt für die Anleihemärkte eine weitere Belastung.“ Tatsächlich könnte der Zeitpunkt aber kaum ungünstiger sein. Die doppelte Schuldenkrise in den USA und Europa hat an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen zu schweren Kurseinbrüchen geführt. Zudem signalisierten einige Konjunkturdaten, dass die USA in die Rezession zurückfallen könnte. Und was bedeutet das für die globale Konjunktur? Die Weltwirtschaft könnte belastet werden, falls nun die Zinsen in den USA merklich steigen würden. Dies könnte die sowieso schon schwächelnde US-Konjunktur belasten und die Weltwirtschaft unter Druck bringen. Allerdings dürfte die US-Notenbank in einem solchen Fall erneut massiv US-Anleihen kaufen, und so die Wirtschaft stützen. Ein Zusammenbruch der Kreditversorgung wird weder in den USA noch in Europa befürchtet. Die Notenbanken können aus ihren Erfahrungen aus der Lehman-Krise schöpfen und würden die Märkte ausreichend mit Liquidität versorgen. So hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken bereits am vergangenen Donnerstag zusätzliche Liquidität angeboten. Eine deutliche Abschwächung der Weltwirtschaft ist aber angesichts der hohen Unsicherheit nicht unwahrscheinlich. Dies würde einen Abbau der hohen Schulden erschweren.

Ist mein Erspartes sicher?

Ja, sollte es nicht zu dem eher unwahrscheinlichen Zusammenbruch des Weltfinanzsystem kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt die Garantie der Regierung für alle Sparguthaben bestätigt. Allerdings dürfte jetzt die EZB bei einer Zuspitzung der Krise die Zinsen nicht mehr weiter anheben. Dies hätte beispielsweise auch Auswirkungen auf die Zinsen des Sparbuchs.

Die USA wurden erstmals seit 1941 abgestuft. War die Lage damals schlimmer?

Nein, denn die USA erhielten auch damals schon Bestnoten für ihre Kreditwürdigkeit. Standard & Poors entstand 1941 aus den beiden Agenturen Standard Statistics und Poor’s Publishing. Beide Unternehmen hatten die USA zuvor stets mit ihren jeweiligen Bestnoten bewertet.

Bei der jüngsten Herabstufung auf AA+ handelt es sich also um ein wahrhaft historisches Ereignis: Noch nie zuvor haben die Vereinigten Staaten ihre Topbewertung verloren.

Die Agentur S&P hat den USA dagegen die Bestnote am Freitag entzogen und mit dem Schritt die Turbulenzen an den Finanzmärkten weltweit verstärkt. Am Montag hat S&P auch das Rating für Behörden gesenkt, die mit langfristigen Krediten der US-Regierung in Verbindung stehen. Die staatlich geförderten US-Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac bekamen am Montag ebenso die Bestnote „AAA“ entzogen wie Kreditgeber für Bauern und drei große Verrechnungsstellen, die bei der Ausführung von Geschäften mit Aktien, Rentenpapieren und Optionsscheinen eine Rolle spielen.

S&P teilte mit, auch die Bewertung für langfristige von der US-Regierung garantierte Kredite, die von 32 Banken und Kreditgenossenschaften herausgegeben würden, sei auf „AA+“ gesenkt worden. Alle betroffenen Behörden und Banken verfügten über Schuldtitel, die wirtschaftlichen Schwankungen und einer weiteren Herabstufung langfristiger Kredite der US-Regierung ausgesetzt seien. Ihre Kreditwürdigkeit hänge von der Fähigkeit der US-Regierung ab, ihre eigenen Gläubiger zu bezahlen, erklärte die Ratingagentur.

Nach den Herabstufungen sackten die Aktien weiter ab. Der Dax verlor am Montag fünf Prozent und sackte damit den elften Handelstag in Folge ab. Auch in den USA, Asien und Europa zeigte die Börsenbarometer nach unten. Aus Angst vor einer weiteren Eskalation setzte der Goldpreis zu einer rasanten Rekordjagd an, während die Ölpreise kräftig fielen. Die Lage an den europäischen Anleihemärkten hellte sich hingegen deutlich auf.

Kommentare (4)

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Karl

08.08.2011, 19:34 Uhr

Der zweite korrupte UK/USA Vasall hilft mit im Spiel des geplanten Absturzes.....
Ein wahrlich verlogenes Spiel....aber fast alle spielen es mit.
Solange der Pöbel Brot und Spiele hat, ist es ihm egal was hinter seinem Rücken gemacht wird.
Ein paar Jahrtausende menschliche Evolution......hat zumindest nicht in deren Gehirnen stattgefunden

Moika

08.08.2011, 19:41 Uhr

Leute Leute, diese Aussage von Moody's - aber auch von Fitch, gab es schon am Mittwoch der vergangenen Woche, noch bevor S&P zugeschlagen hat. Danach eben das Warten auf S&P.

Kostolany

08.08.2011, 20:42 Uhr

was glauben Sie, entwickelt sich hier der große Bruder
von klein Leeman ?
wir sind schnell bei 4000, wenn keiner kauft,
aber der Teufel spielt immer mit, wer weiß das schon.

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