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18.06.2015

10:58 Uhr

Moody's warnt

Mers-Virus bedroht Südkoreas Bonität

Der Mers-Ausbruch bedroht nicht nur die Gesundheit der Südkoreaner: Der Staat muss nach Ansicht der Ratingagentur Moody's wegen der Krankheit auch um seine Bonität fürchten. Der Virus bedroht das Verbrauchervertrauen.

Die Krankheit Mers bedroht in Südkorea nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Kreditwürdigkeit. dpa

Kampf gegen Virus Mers

Die Krankheit Mers bedroht in Südkorea nicht nur die Gesundheit, sondern auch die Kreditwürdigkeit.

SeoulDer Ausbruch der lebensgefährlichen Atemwegskrankheit Mers könnte der Ratingagentur Moody's zufolge Südkoreas Kreditwürdigkeit an den Finanzmärkten beeinträchtigen. Die wachsende Zahl der Infektionen belaste das Verbrauchervertrauen inmitten eines ohnehin schwachen Binnenkonsums, erklärte Moody's am Donnerstag. Dies könne die gerade einsetzende Erholung der Wirtschaft gefährden. Auch wenn der Effekt möglicherweise nur kurzfristig sei, müsse der Staat mit negativen Auswirkungen auf seine Bonität und daher mit höheren Kosten bei der Kreditaufnahme an den Kapitalmärkten rechnen.

Die Zahl der Mers-Toten in Südkorea stieg inzwischen auf 23. 165 Menschen sind dort an dem Middle East Respiratory Syndrome (Mers) erkrankt, das bislang bis auf wenige Ausnahmen auf die Arabische Halbinsel begrenzt war. 6500 Menschen sind in Quarantäne. Aus Angst vor einer Ansteckung bleiben viele Südkoreaner zu Hause.

Die wichtigsten Infos zum Mers-Virus

Woher kommt das Virus?

Das Mers-Virus zählt zu den Coronaviren, zu denen auch viele Schnupfen- und Erkältungsviren gehören. Mers ist vor allem im Nahen Osten verbreitet, da die Krankheit meist von Kamelen auf Menschen überspringt. Daher auch der Name Mers, der für „Middle East Repiratory Syndrome“ steht. Erstmals wurde der Erreger 2012 in Saudi-Arabien nachgewiesen. Bis Mitte Juni hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit 1289 bestätigte Mers-Fälle erfasst, darunter mindestens 455 Todesopfer.

Welche Symptome verursacht der Erreger?

Mers löst zunächst grippeähnliche Symptome wie Fieber und Atemprobleme aus. In schweren Fällen kann es zu Lungenentzündung und Nierenversagen kommen.

Wie begann der aktuelle Mers-Ausbruch in Südkorea?

Ein 68-jähriger Mann hat sich bei einer Reise in den Nahen Osten infiziert und das Mers-Virus nach Südkorea gebracht. Bei ihm wurde der Erreger am 20. Mai nachgewiesen. Da hatte der Patient schon Angehörige, Pflegepersonal in der Klinik sowie Mitpatienten und deren Besucher angesteckt. Anscheinend erkannten Ärzte die Erkrankung zunächst nicht.

Wie gefährlich ist Mers?

Der Ausbruch in Südkorea lässt vermuten, dass das Virus ansteckender ist als angenommen. Experten glauben, dass es sogenannte Superspreader gibt, also Erkrankte, die besonders viele Menschen anstecken. Gleichzeitig scheint das Virus in Südkorea aber auch weniger gefährlich zu sein. Die Todesrate liegt in Südkorea bei 7 bis 9 Prozent, deutlich unter der der weltweit registrierten Fälle (circa 35 Prozent).

Ist so ein Ausbruch auch in Deutschland möglich?

Davon gehen Experten aus. Mers wurde nach Angaben des Robert Koch-Instituts bislang bei drei Patienten in Deutschland nachgewiesen. Alle brachten den Erreger von der Arabischen Halbinsel mit. Weitere importierte Fälle seien jederzeit möglich, meint das Robert Koch-Institut. Jährlich fliegen etwa eine Million Menschen von der Arabischen Halbinsel nach Deutschland.

Gibt es einen Impfstoff?

Forscher arbeiten derzeit an einer Schutzimpfung gegen Mers. Ein Impfstoff wurde an der Universität München bereits an Mäusen getestet. Bald könnte eine erste Studie an Menschen zur Verträglichkeit folgen.

Von

rtr

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