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29.10.2014

16:25 Uhr

MS Deutschland

„Das Traumschiff“ ist pleite

Das fernsehbekannte „Traumschiff“ bangt um die Zukunft: Die Beteiligungsgesellschaft hat Insolvenz angemeldet. Gläubiger der Anleihe hatten eine Zinsstundung zuvor verweigert – nun stehen 50 Millionen Euro auf dem Spiel.

Die MS „Deutschland“ beim größten Hafenfest in Hamburg: „Nicht vorhandene mittelfristig notwendige weitere Finanzierungszusagen“. dpa

Die MS „Deutschland“ beim größten Hafenfest in Hamburg: „Nicht vorhandene mittelfristig notwendige weitere Finanzierungszusagen“.

EutinWas sich bisher nur am Horizont abgezeichnet hatte, hat das „Traumschiff“ jetzt erreicht: Die MS Deutschland muss den Rettungsring werfen, die Beteiligungsgesellschaft mbH hat am Mittwoch beim Amtsgericht Eutin den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

Im September hatte die Agentur Feri EuroRating Services das Emissionsrating der MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft von „B-“ auf „CC“ herabgestuft, weil sich die „Risiken für eine nicht ordnungsgemäße Bedienung und Tilgung der Anleihe“ weiter erhöht hätten.

Im Rahmen einer Gläubigerversammlung am 8. Oktober 2014 hatte das Management einen gemeinsamen Vertreter ernennen wollen, der einer Zinsstundung und einem Verzicht auf Kündigung zustimmen sollte. Doch weil nicht genug Gläubiger erschienen, war die Versammlung nicht beschlussfähig gewesen. Mit der Insolvenz stehen für Investoren jetzt 50 Millionen Euro auf dem Spiel.

Fakten zu Mittelstandsanleihen

Viele Pleiten

Insgesamt 27 Anleihen von 23 Emittenten mit einem platzierten Anleihevolumen von fast einer Milliarde Euro sind laut der Ratingagentur Scope seit 2010 ausgefallen.

Hohe Renditen

Mittelstandsanleihen locken mit hohen Zinskupons. Bei den seit 2010 begebenen 150 Papieren reicht das Spektrum von 4,0 bis immerhin 11,25 Prozent.

Milliardenmarkt

In diesen fünf Segmenten sind 113 Anleihen mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Euro emittiert worden. Tatsächlich platziert wurden nach Angaben der Ratingagentur Scope 4,14 Milliarden Euro. Weitere 37 Anleihen mittelständischer Unternehmen sind im Prime Standard oder im Freiverkehr (Strenesse) notiert. Insgesamt kommt Scope auf ein Volumen von 7,26 Milliarden Euro (platziert 5,77 Milliarden Euro).

Spezielle Marktsegmente

Die meisten Minibonds – mehr als 100 – sind in speziellen Segmenten an den deutschen Börsen notiert, und zwar Bondm in Stuttgart, m:access in München, Mittelstandsmarkt in Düsseldorf, Mittelstandbörse in Hamburg-Hannover und dem Frankfurter Entry Standard. Einige wenige Anleihen finden sich im Prime Standard der Frankfurter Börse wieder, der stärker reguliert ist als die Mittelstandssegmente. Die Anleihe des insolventen Modelabels Strenesse ist dagegen lediglich im Freiverkehr (Open Market) der Frankfurter Börse gelistet, dem am wenigsten regulierten Markt.

Kleine Bonds

Mittelstandsanleihen gibt es seit 2010. Die Minibonds sollen Mittelständlern neue Finanzierungsmöglichkeit über den Bankkredit hinaus ermöglichen.

Die Verschlechterung der Liquiditätssituation nach der gescheiterten Gläubigerversammlung seien laut Beteiligungsgesellschaft ebenso wie „nicht vorhandene mittelfristig notwendige weitere Finanzierungszusagen“ für die negative Finanz- und Vermögenslage verantwortlich gewesen.

In Eigenverwaltung soll das klamme Unternehmen gerettet werden, gab die Beteiligungsgesellschaft auf ihrer Website bekannt. Sanierungsgeschäftsführer werde demnach Wolfram Günther, Managing Director der One Square Advisors GmbH. „Herr Günther ist ein anerkannter Restrukturierungsexperte“, heißt es in der Erklärung.

Er verfüge über „umfangreiche Erfahrungen in der Sanierung von Unternehmen sowie der Restrukturierung von Anleihen“ und solle die Sanierung der Gesellschaft schnellstmöglich vorantreiben. Günther selbst wird mit den Worten zitiert, er sei „sehr optimistisch, die Deutschland langfristig in ein sicheres Fahrwasser zu bringen“.

Die MS Deutschland Beteiligungsgesellschaft mbH veranstaltet als Eigentümerin des Kreuzfahrtschiffes ganzjährig Kreuzfahrten. Die geplanten Reisen des Schiffes, das über insgesamt 294 Passagierkabinen verfügt, sollen trotz der Insolvenz stattfinden.

Von

hch

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

29.10.2014, 16:59 Uhr

Der alte Deilmann-Dampfer ist kaum noch konkurrenzfähig und daher weitgehend aus dem Rennen um die vermeintlich anspruchsvolle (Massen-)Kundschaft.

Der alte Deilmann hätte es längst erkannt - und wird daher weiter sanft ruhen.

Frau Ute Umlauf

29.10.2014, 18:27 Uhr

Vor 3 Jahre war ich auf diese Schiff in St. Petrsburg Check in.
Da waren Leute nur über 75 Jahre. Habe dann Check out gemacht. Nix verpasst.

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