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13.11.2014

09:43 Uhr

MS Deutschland nach der Insolvenz

„Traumschiff“ droht der Notverkauf

Ende Oktober war es offiziell: Die Beteiligungsgesellschaft der MS Deutschland ist pleite. Jetzt berät die Gläubigerversammlung, wie es mit dem ZDF-„Traumschiff“ weitergeht. Verzichten Anleihegeber auf ihre Forderungen?

Wie geht es weiter mit der MS „Deutschland“? Dem „Traumschiff“ droht der Verkauf, ob eine ab 18. Dezember geplante Weltreise starten kann, ist völlig unklar. dpa

Wie geht es weiter mit der MS „Deutschland“? Dem „Traumschiff“ droht der Verkauf, ob eine ab 18. Dezember geplante Weltreise starten kann, ist völlig unklar.

DüsseldorfDie Zukunft des finanziell auf Grund gelaufenen „Traumschiffs“ bleibt völlig unklar. Ob die Weltreise der insolventen MS „Deutschland“ wie geplant am 18. Dezember starten kann, sei unklar, sagte der Vorläufige Insolvenzverwalter Reinhold Schmid-Sperber auf einer Gläubigerversammlung am Mittwoch in München.

Derzeit fehlt sogar das Geld für den anstehenden Werftbesuch des als ZDF-„Traumschiff“ bekanntgewordenen Kreuzfahrtschiffes. Die Suche nach einem Investor laufe. „Im Moment gibt es aber noch niemanden, der einen akzeptablen Preis bietet“, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Andreas Jung.

Derzeit deutet vieles darauf hin, dass das „Traumschiff“ verkauft wird. „Die gute Nachricht ist, dass wir jetzt in der Lage sind, das Schiff lastenfrei zu verkaufen“, sagte Schmid-Sperber. Sollte kein Investor gefunden werden, könnte jedoch im schlimmsten Fall der Notverkauf - also die Versteigerung - drohen. Die Gläubiger dürften dann nur einen geringen Teil ihres Geldes zurückbekommen.

Auf ihrer Versammlung wählten die Gläubiger den Unternehmensberater Stefan Ulrich zu ihrem gemeinsamen Vertreter.

Die Gesellschaft, der das Schiff gehört, hat rund 56 Millionen Euro Schulden. Davon sind 50 Millionen Euro Anleiheschulden, für die die Gesellschaft hohe Zinsen zahlen muss.

Fakten zu Mittelstandsanleihen

Viele Pleiten

Insgesamt 27 Anleihen von 23 Emittenten mit einem platzierten Anleihevolumen von fast einer Milliarde Euro sind laut der Ratingagentur Scope seit 2010 ausgefallen.

Hohe Renditen

Mittelstandsanleihen locken mit hohen Zinskupons. Bei den seit 2010 begebenen 150 Papieren reicht das Spektrum von 4,0 bis immerhin 11,25 Prozent.

Milliardenmarkt

In diesen fünf Segmenten sind 113 Anleihen mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Euro emittiert worden. Tatsächlich platziert wurden nach Angaben der Ratingagentur Scope 4,14 Milliarden Euro. Weitere 37 Anleihen mittelständischer Unternehmen sind im Prime Standard oder im Freiverkehr (Strenesse) notiert. Insgesamt kommt Scope auf ein Volumen von 7,26 Milliarden Euro (platziert 5,77 Milliarden Euro).

Spezielle Marktsegmente

Die meisten Minibonds – mehr als 100 – sind in speziellen Segmenten an den deutschen Börsen notiert, und zwar Bondm in Stuttgart, m:access in München, Mittelstandsmarkt in Düsseldorf, Mittelstandbörse in Hamburg-Hannover und dem Frankfurter Entry Standard. Einige wenige Anleihen finden sich im Prime Standard der Frankfurter Börse wieder, der stärker reguliert ist als die Mittelstandssegmente. Die Anleihe des insolventen Modelabels Strenesse ist dagegen lediglich im Freiverkehr (Open Market) der Frankfurter Börse gelistet, dem am wenigsten regulierten Markt.

Kleine Bonds

Mittelstandsanleihen gibt es seit 2010. Die Minibonds sollen Mittelständlern neue Finanzierungsmöglichkeit über den Bankkredit hinaus ermöglichen.

Löhne und Gehälter der 280-köpfigen Crew sind bis Ende Dezember durch das Insolvenzgeld gesichert. Für die geplanten Reisen der „Deutschland“ sind weiterhin Reservierungen möglich, von denen der Kunde aber jederzeit zurücktreten kann. Die Buchungslage sei gut, sagte Schmid-Sperber. „Nur sechs von über 2000 Buchungen wurden storniert.“

Für den Werftbesuch befindet sich die „Deutschland“ derzeit auf dem Weg ins spanische Cádiz. Ohne eine Überprüfung darf das Schiff von Dezember an nicht mehr fahren. Die Kosten für die Überprüfung werden auf rund zwei Millionen Euro geschätzt.

Von

dpa

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