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22.06.2011

10:57 Uhr

„Muddy Waters“

Bilanzskandale in China reißen nicht ab

Immer mehr Anleger verlieren das Vertrauen in die Buchhaltung chinesischer Firmen. Auch wenn die sämtliche Vorwürfe zurückweisen - die Aktienkurse fallen weiter. Sogar Star-Investor John Paulsen verliert wohl Millionen.

Die Skyline von Peking während eines Gewitters. Quelle: dpa

Die Skyline von Peking während eines Gewitters.

PekingEine Reihe von Skandalen hat das Vertrauen internationaler Anleger in chinesische Unternehmen untergraben. Es geht um die Buchhaltungspraktiken der Firmen. In den vergangenen Tagen haben sowohl die Aktien als auch die Anleihen der betroffenen Firmen dramatisch an Wert verloren.

Betroffen ist auch Star-Investor John Paulson. Der für seinen guten Riecher in der Finanzkrise berühmt gewordene US-Hedge-Fonds-Manager hat mit dem chinesischen Forstkonzern Sino-Forest einen massiven Verlust eingefahren. Wie viel sein Hedge-Fonds Paulson & Co. genau verlor, ist unklar – Schätzungen von Experten reichten, wie gestern bekannt wurde, von 350 bis 560 Millionen Euro.

Paulson hatte ein großes Paket Aktien der an der Börse Toronto gelisteten Sino-Forest gekauft. Eine Analysefirma hatte dem Forstkonzern allerdings vorgeworfen, den eigenen Waldbesitz in der Bilanz gnadenlos übertrieben zu haben. Seitdem sind die Aktien im freien Fall, haben rund 80 Prozent ihres Wertes eingebüßt.

Die neue Aufmerksamkeit für chinesische Buchhaltungsprobleme belastet bereits das gesamte Marktsegment chinesischer Auslandspapiere. „Ihr Kauf ist keine Investmententscheidung mehr, sondern eine Karriereentscheidung“, sagt Tim Jagger, Chef der Anleihesparte Asien-Pazifik bei der Credit Suisse. Aus Sicht der Kunden wirken die entsprechenden Namen so riskant, dass sie praktisch nicht mehr vermittelbar sind.

Die betroffenen chinesischen Unternehmen wehren sich gegen die Enthüllungen und stellen sie als sachlich unrichtig dar. „Wir sind sehr besorgt um den Vertrauensverlust der Anleger“, sagt Liu Zhenyong, Chef des Papierherstellers Orient Paper, der seit dem vergangenen Jahr mit entsprechenden Vorwürfen kämpft. Nach Unternehmensangaben habe unter anderem der Buchprüfer Deloitte & Touche die Vorwürfe in einer Sonderuntersuchung entkräftet. Liu empfiehlt allen betroffenen Firmen, ähnlich offensiv gegen entsprechende Anschuldigungen vorzugehen.

In den meisten der aktuellen Fälle kommen die Anschuldigungen von derselben Adresse: Dem amerikanischen Hedge-Fonds „Muddy Waters“, zu Deutsch: trübe Gewässer. Der Investor ist darauf spezialisiert, Ungereimtheiten in den Bilanzen chinesischer Firmen aufzudecken.

Muddy Waters konzentriert sich dabei auf solche Unternehmen, die in den USA an der Börse notiert sind. Das Management hält seinen Verdacht zunächst geheim, wettet aber mit Optionen auf fallende Kurse. Dann macht es seine Entdeckungen bekannt und lässt den Markt den Rest erledigen.

Kommentare (2)

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borse

01.02.2012, 22:51 Uhr

Na ja, der Artikel ist vom 22.6.11 - als die Vorwürfe von MuddyWaters noch frisch waren. Inzwischen liegt der Bericht der unabhängigen Kommission vor, der bestätigt, dass sino-forest Land und Waldbesitz hat (und auch cash). Die Handelsaussetzung bis zum 16.4.12 ist vernünftig, weil dann der Jahresbericht vorliegt.

borse

01.02.2012, 22:53 Uhr

Mh - so viel Politik ist in der Wirtschaft nicht auszumachen, Chinesen handeln schon seit einigen tausend Jahren (länger als die Europäer).

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