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09.12.2013

16:38 Uhr

Nach acht Jahren

Solarpionier Conergy beendet Börsengeschäft

Das Solarunternehmen Conergy zieht sich von der Börse zurück. Der Wert des Unternehmens hat in den vergangenen sechs Jahren drastisch abgenommen. Conergys Entwicklung ist bezeichnend für eine ganze Branche.

Ein Techniker im Solarpark von Conergy. Der Solarpionier zieht sich jetzt von der Börse zurück. dpa

Ein Techniker im Solarpark von Conergy. Der Solarpionier zieht sich jetzt von der Börse zurück.

DüsseldorfAcht Jahre nach seinem Börsengang plant das einstige Vorzeige-Solarunternehmen Conergy seinen Abgang vom Parkett. Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz wolle den Widerruf der Börsennotierung beantragen, teilte Conergy am Montag mit. Conergy gehörte wie Solon, Q-Cells und Solarworld zu den Pionieren der Branche und ist ein Paradebeispiel für den Aufstieg und Fall der einst hoffnungsvollen Industrie. Conergy war vor sechs Jahren an der Börse noch 2,2 Milliarden Euro wert - aktuell werden die Titel noch mit zwei Cent gehandelt, die ganze Firma mit 7,3 Millionen Euro.

Der Maschinenbau-Ingenieur Hans-Martin Rüter hatte Conergy 1998 gegründet. Durch zahlreiche Zukäufe hatte der als „Entrepreneur des Jahres 2007“ ausgezeichnete Manager versucht, die Firma zu einem Ökoenergie-Mischkonzern auszubauen. Innerhalb weniger Jahre stockte Rüter die Zahl der Mitarbeiter auf über 2500 auf. Doch die Kosten liefen aus dem Ruder. 2007 musste Rüter sein Amt als Vorstandschef aufgeben, nachdem statt versprochener Gewinne hohe Verluste anfielen und die Misere aufflog. Seitdem versuchten seine Nachfolger das Unternehmen mit Hilfe der Banken und durch Verkäufe von Unternehmensteilen gesund zu schrumpfen. Doch die Rettungsversuche scheiterten, nachdem der Preisverfall von Solarmodulen infolge von weltweiten Überkapazitäten für weitere Verluste sorgte. Im Sommer 2013 musste Conergy Insolvenz anmelden. Der US-Investor Kawa Capital übernahm die wesentlichen Vertriebsaktivitäten.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Den Gang zum Amtsgericht mussten auch andere Firmen der mit Milliarden Euro subventionierten Branche antreten - darunter Solon, Q-Cells, Centrotherm und Solarhybrid.

Von

rtr

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