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18.02.2016

13:52 Uhr

Nach dem Aktiencrash

Die Sechs-Tage-Rally

VonJürgen Röder

So schnell kann es gehen: Innerhalb von sechs Handelstagen legt der Dax um mehr 800 Punkte zu. Ist dieser Anstieg nachhaltig? Oder nur eine Erleichterungsrally auf dem Weg zu neuen Tiefs? Was Experten meinen.

Börsen-Ausblick

Rückenwind aus Übersee: Dax winkt weitere Erholung

Börsen-Ausblick: Rückenwind aus Übersee: Dax winkt weitere Erholung

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DüsseldorfNoch in den vergangenen Tagen herrschte an den Börsen Alarmstimmung. „Es gab Phasen während der vergangenen Handelswoche, da konnte man den Eindruck gewinnen: Erst fallen die Aktienkurse, darüber erschrecken die Marktteilnehmer, und dann fallen die Aktienkurse gleich weiter“, schreibt Börsenexperte Joachim Goldberg in seinem Marktausblick. Ein Vorgang, den der US-Investor George Soros als „reflexivity“ (Rückkopplung) beschreibt.

Fakt war aber auch: Die Investoren schalteten seit Jahresanfang wieder in den „Risiko-Off-Modus“. Sie verkauften Aktien und kauften hingegen die vermeintlich sicheren Staatsanleihen – zum ersten Mal seit der Finanzkrise 2008. Der Markt preiste eine Rezession in den USA ein, obwohl die Konjunkturdaten es nicht hergaben. Dies war auch ablesbar am Ölpreis und dem Markt für Hochzinsanleihen. (Hier geht es zum ausführlichen Artikel vom vergangenen Samstag). Hinzu kamen mögliche Probleme in China und der drastische Kursverfall der Bankaktien. Diese geballten Probleme rochen nach einer neuen Finanzkrise.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

„Die Stimmung ist schlechter als die Lage. Der Schwanz wedelt mit dem Hund“, fasste Robert Halver, Leiter Kapitalmarktstrategie der Baader Bank, die Situation zusammen. Deswegen reichten einige halbwegs positive Konjunkturdaten aus den USA, damit sich die Stimmung verbesserte und die Investoren wieder Risiken ins Depot nahmen. So legten in den USA die Einzelhandelsumsätze und die Industrieproduktion zu, die Bauzahlen waren stabil.

Das Ergebnis: Viele Aktienindizes haben sich seit dem neuen Jahrestief der vergangenen Woche wieder deutlich erholt. Der Dax ist von seinem neuen Jahrestief von 8700 Zählern am vergangenen Donnerstag wieder mehr als 800 Punkte gestiegen. Der Verfall des Ölpreises ist vorläufig gestoppt, der Renditeabstand zwischen deutschen und südeuropäischen Anleihen hat sich verringert und die Bundesanleihen beendeten ihre Kursrally. Doch sind die Gewinne am Aktienmarkt nur eine Erleichterungsrally? Oder der Beginn eines nachhaltigen Kursanstieges?

Viele Analysten warnen vor zu hohen Erwartungen der Anleger. Denn von den Problemen, die zum drastischen Kursverfall führten, ist noch keines gelöst. Die Erholung bedeutet keineswegs, dass die Talsohle erreicht ist, meint dementsprechend auch Strategin Marcella Chow von JP Morgan Asset Management. Erst wenn die Konjunktur in China sich gefangen und die Notenbanken ihre Glaubwürdigkeit bei den Investoren zurück gewonnen haben, werde wieder Ruhe einkehren. Vorläufig rate sie ihren Kunden, bis zu 70 Prozent ihrer Portfolios in Anleihen anzulegen.

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Der Marktrutsch seit Jahresbeginn hat alle 30 Dax-Titel mittlerweile ins Minus gezogen. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Für Charttechniker, die aus Kursbewegungen der Vergangenheit Prognosen für die künftige Entwicklung ableiten, hat sich nach dem gestrigen Handelstag mit dem Sprung über die Marke von rund 9300 Zählern zumindest die Lage deutlich verbessert. Denn diese Marke war ein wichtiger Widerstand auf dem Weg zu höheren Kursen, weil in dem Bereich sowohl das Tief des Monats Januar 2016 als auch das von September und August des vergangenen Jahres lag.

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