Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.11.2015

11:59 Uhr

Nach dem EZB-Stresstest

Anleger greifen bei griechischen Bankaktien zu

Die griechischen Banken haben den Stresstest der EZB hinter sich. Ergebnis: 14,4 Milliarden Euro müssen her. Woher, dazu hat die griechische Regierung bereits Ideen. Die Börse in Athen honoriert dies.

Der griechische Bankenindex schießt nach oben. Imago

Börse Athen

Der griechische Bankenindex schießt nach oben.

FrankfurtDer griechische Bankenindex hat am Montag ordentlich Boden gut gemacht. Der Index kletterte in der Spitze um 12,4 Prozent in die Höhe. Die Athener Börse notierte 1,7 Prozent im Plus. Dank eines geringeren Kapitalbedarfs der Banken könnte das neue Hilfspaket für Griechenland kleiner ausfallen.

Zwar brauchen die vier größten Institute des Euro-Staates laut einem Stresstest der Europäischen Zentralbank bis zu 14,4 Milliarden Euro an Kapital, um mit faulen Krediten und der Wirtschaftskrise klar zu kommen. Das ist aber deutlich weniger als die 25 Milliarden Euro, die von den europäischen Partnern als Puffer zur Rekapitalisierung der Banken vorgesehen waren.

Die EZB erwartet, dass die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Alpha Bank und die Eurobank mindestens 4,4 Milliarden Euro bei Aktionären und Bondgläubigern beschaffen. Das sei die Kapitallücke, die bei unveränderten Rahmenbedingungen in jedem Fall zu füllen ist. Die Institute müssen den EZB-Bankenaufsehern nun bis Freitag mitteilen, wie sie die Lücken bis Jahresende schließen wollen. Dabei sollen sich private Investoren in großem Umfang beteiligen.

Die vier größten griechischen Banken im Stresstest

Der Stresstest

Die Bankenexperten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) haben die vier größten Banken Griechenlands unter die Lupe genommen. Die Institute wurden schwer von der Krise des Eurolandes getroffen. Der Stresstest sollte auch zeigen, wie hoch die Kapitalspritzen sein müssen, um sie krisenfest zu machen. Milliarden wurden im jüngsten Hilfspaket für Griechenland zu diesem Zweck bereitgestellt. An allen vier Banken hat der griechische Banken-Rettungsfonds HFSF (Hellenic Financial Stability Fund) im Zuge der Schuldenkrise des Landes gewichtige Anteile übernommen. Die Branchenführer:

National Bank of Greece

Sie ist die größte und älteste griechische Bank, sie wurde 1841 gegründet. Die NBG hat im Vergleich zu ihren Konkurrenten vor allem in der Türkei ein starkes Standbein. Wie die drei Konkurrenten ist sie in den südosteuropäischen Ländern stark vertreten. Die Gruppe beschäftigt 34 157 Mitarbeiter. Zuletzt lag die Bilanzsumme bei 115,5 Milliarden Euro. 528 Filialen hat die Bank in Griechenland. Der griechische Bankenrettungsfonds HFSF hält 57,2 Prozent der Anteile.

Alpha Bank

Sie ist ebenfalls eine traditionsreiche Bank und wurde 1879 gegründet. Nach eigenen Angaben zählt sie in Griechenland 609 Filialen. In Zypern, Rumänien, Bulgarien Serbien und Albanien ist sie im Ausland vornehmlich präsent. Die Bilanzsumme lag zuletzt dem Geschäftsbericht zufolge bei 72,9 Milliarden Euro. Der HFSF hält 66,2 Prozent.

Eurobank

Sie hat eine Bilanzsumme nach eigenen Angaben von 75,5 Milliarden Euro. Sie beschäftigt 16 990 Mitarbeiter. Mehr als 500 Filialen sind es in Griechenland. Vertreten ist sie in acht Ländern, vor allem in Bulgarien, Rumänien und Serbien, aber auch Zypern und Ukraine. Laut Stand von Ende März ist der griechische Bankenrettungsfonds mit 35,4 Prozent beteiligt.

Piraeus Bank

Sie beschäftigt nach eigenen Angaben Ende 2014 gut 21 200 Mitarbeiter in zehn Ländern. Sie wurde 1916 gegründet. In Rumänien, Bulgarien, Albanien, Serbien, Ukraine liegt ihr Auslandsschwerpunktt. Die Zahl der Filialen liegt den Angaben zufolge bei 803. Die Bilanzsumme belief sich Ende 2014 auf 89,3 Milliarden Euro. 67 Prozent der Anteile hält der Rettungsfonds HFSF.

Der staatliche Stabilitätsfonds Hellenic Financial Stability Fund (HFSF) stehe dann bereit, die zehn Milliarden Euro zuzuschießen, die zusätzlich benötigt würden, sollte sich die Wirtschaftsentwicklung des Landes erheblich verschlechtern.

Wie die Regierung am Freitag mitteilte, sollen die Banken vor allem sogenannte CoCo-Bonds (Contingent Convertible Bonds) begeben. Das sind Anleihen, die automatisch zur Haftungsmasse werden, sobald ein bestimmter Wert an Eigenkapital unterschritten wird. Mit diesen Mitteln soll die Abwicklung oder Restrukturierung eines Instituts finanziert werden, ohne dass der Steuerzahler zahlen muss.

Der staatliche Rettungsfonds HFSF werde die Staatshilfen in den Kauf dieser Anleihen und neuer Aktien der angeschlagenen Geldhäuser des Landes investieren, teilte die Regierung in Athen am Sonntag mit. 75 Prozent der Hilfen seien demnach für CoCo-Bonds und 25 Prozent für neue Stammaktien vorgesehen.

Der griechische Bankenindex hat seit Jahresbeginn mehr als 70 Prozent seines Werts eingebüßt, der Leitindex in Athen knapp 14 Prozent. Die Geldhäuser leiden unter der jahrelangen Wirtschaftskrise, in deren Folge viele Kredite platzten.

Bürger hatten zudem seit Jahresbeginn ihre Konten geleert, weil sie fürchteten, dass Griechenland im monatelangen Streit mit den Geldgebern aus der Euro-Zone ausscheiden könnte. Die Regierung beschränkte daraufhin den Kapitalverkehr, um einen Ansturm auf die Banken zu verhindern.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×