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15.01.2004

06:59 Uhr

Nach den vorläufigen Zahlen für 2003 scheint bei SAP erst einmal die Luft raus zu sein

Gut ist nicht mehr gut genug

VonRalf Drescher

In der Technologiebranche herrschen mitunter eigentümliche Gesetze. „Vorläufige Zahlen sind besser als endgültige“, lautet eines.

In der Technologiebranche herrschen mitunter eigentümliche Gesetze. „Vorläufige Zahlen sind besser als endgültige“, lautet eines. Will sagen: Unternehmen, die Positives zu berichten haben, warten damit nicht bis zum offiziellen Bilanzlegungstermin, sondern überraschen den Markt frühzeitig mit der guten Nachricht.

Auch SAP, der weltgrößte Anbieter von Unternehmenssoftware, kennt dieses Gesetz. Allerdings stellt sich die Frage, warum der Walldorfer Software-Konzern bereits gestern erste Zahlen für das Gesamtjahr 2003 vorlegte und damit nicht bis zum vorgesehenen Termin am 22. Januar wartete. Denn die Angaben zum Umsatz waren keineswegs überzeugend. „Solide, aber unter den Erwartungen“, urteilten Analysten, und die Anleger straften SAP für die wenig überraschenden Ergebnisse mit Kursabschlägen.

Zwar traf SAP mit einem angekündigten Jahresumsatz von sieben Mrd. $ ziemlich genau die Prognosen der Bank-Experten. Nach den sehr positiven Zahlen, die die US-Konkurrenten Oracle und Siebel zuletzt – natürlich im Vorfeld der offiziellen Berichterstattung – verkündet hatten, machte sich jedoch Enttäuschung breit. Der Kursverlauf der SAP-Aktie verdeutlicht dies: Nach einem Minus von 3,7 % am Dienstag, standen SAP auch gestern unter Abgabedruck.

Vielleicht hatte das Softwarehaus gehofft, der Markt werde die positive operative Entwicklung höher bewerten als die Umsatzschwäche. Immerhin konnte SAP die operative Marge im Jahr 2003 eigenen Angaben zufolge auf mindestens 27 % steigern und auch das Ergebnis je Aktie wird wohl deutlich höher ausfallen als erwartet. Die Reaktion des Marktes zeigt allerdings, wie hoch die Früchte für Technologie-Unternehmen an der Börse mittlerweile hängen. Nach den deutlichen Kursgewinnen der vergangenen Monate sind „nur“ gute Nachrichten einfach nicht mehr gut genug.

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