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11.08.2015

12:40 Uhr

Nach der Einigung

Blasser Jubel an griechischer Börse

VonJürgen Röder

Griechenland steht nach Wochen harter Verhandlungen mit seinen Gläubigern vor der Rettung. Doch wer als Folge ein Feuerwerk an der griechischen Börse erwartet hatte, der wurde enttäuscht.

Die elektronische Anzeigetafel an der griechischen Börse: Am heutigen Montag waren die Zahlen wieder in grün. Aber trotz der Einigung auf ein Rettungspaket waren die Kursanstiege moderat. dpa

Greek stock market set to open as bailout talks continue

Die elektronische Anzeigetafel an der griechischen Börse: Am heutigen Montag waren die Zahlen wieder in grün. Aber trotz der Einigung auf ein Rettungspaket waren die Kursanstiege moderat.

DüsseldorfVon der Grundsatzeinigung auf ein milliardenschweres Rettungspaket profitieren die Aktienkurse an den griechischen Börsen. Der Leitindex ASE stieg im Vormittagshandel um 1,8 Prozent auf 702 Punkte. Deutlich mehr profitierten die griechischen Banken. Der entsprechende Index stieg um mehr als acht Prozent. Die Aktien der National Bank of Greece konnten um 6,6 Prozent zulegen.

Damit haben die griechischen Aktien nur einen kleinen Teil ihrer Verluste wettgemacht, die sie seit der Wiedereröffnung am Montag (3. August) nach gut einem Monat Zwangspause erlitten. Allein am besagten Montag gab der Aktienindex um mehr als 20 Prozent nach, der griechische Bankenindex notierte am ersten Handelstag Anfang August satte 30 Prozent im Minus. Der ASE-Index fiel seit der Wiedereröffnung von 800 Punkten auf zwischenzeitlich 640 Zähler.

Die griechischen Privatisierungspläne

Bahnen

Allen voran stehen die griechischen Eisenbahnen (TRAINOSE) zur Privatisierung an. Die Bahngewerkschaft hat einen harten Kampf gegen diesen Verkauf angekündigt. Bereits am Montag legten die Eisenbahner für mehrere Stunden die Arbeit nieder, obwohl es noch keinen konkreten Vorschlag für den Verkauf der TRAINOSE gibt.

Energie

Als „Alptraum“ für jede griechische Regierung gilt der geplante Verkauf von Teilen der Elektrizitätsgesellschaft (DEI) und ihres Stromnetzes. Die Gewerkschaften sind dort so stark, dass sie im Land mit umfangreichen und langen Streiks das Licht ausgehen lassen könnten. Die Zukunft des Gasnetzes DESFA ist noch unklar.

Flughäfen

Etliche Privatisierungen hängen noch in der Schwebe. Darunter ist der Verkauf des alten, seit 2002 geschlossenen Flughafens von Athen, Hellenikon, sowie die Verpachtung von 13 Regionalflughäfen. Der deutsche Flughafenbetreiber Fraport hatte im November 2014 zusammen mit einem griechischen Partner die Betreiberkonzessionen für die Regional-Airports erhalten – darunter die Flughäfen in Thessaloniki sowie auf den Inseln Kreta, Korfu und Rhodos. Der endgültige Vertrag sollte ursprünglich im Laufe dieses Jahres unterzeichnet werden. Jetzt wird der Fall wieder geprüft.

Häfen

Gelungen ist bislang die Verpachtung eines Teils des Hafens von Piräus an den chinesischen Transportriesen COSCO. Geplant ist nun die Verpachtung weiterer Teile des Hafens von Piräus und des wichtigen Hafens von Thessaloniki sowie einer Raffinerie.

Glücksspiel

Das griechische Glücksspielunternehmen OPAP ist bereits privatisiert worden.

Immobilien

Rund 1000 Gebäude sollen verkauft oder vermietet werden. Dazu gehören auch neoklassizistische Gebäude aus den 1930er Jahren, die jedoch total verfallen sind.

Inseln

Auch einige kleine unbewohnte Inseln im Staatsbesitz sollen als Feriendomizile verkauft werden.

Entsprechend gefallen sind am heutigen Montag die Renditen der griechischen Staatsanleihen. Die der Bonds mit zweijähriger Laufzeit sank um vier Prozentpunkte, Anleger können damit noch eine Rendite von etwas mehr als 15 Prozent erzielen. Die 10-jährigen Staatsanleihen fielen um 70 Basispunkte auf eine Rendite von 10,5 Prozent.

Dabei waren die Umsätze mit den Bonds, die seit dem 3. August wieder an der Börse Stuttgart gehandelt werden, gering. „Ein Grund dürfte sein, dass kaum noch Privatanleger im Bereich griechischer Staatsanleihen aktiv sind“, erläutert Michael Görgens, Leiter des Fonds- und Anleihehandels an der Börse Stuttgart.

Falls spekulative Anleger jetzt wieder auf griechische Bankaktien setzen wollen: Ob alle börsennotierten Kreditinstitute überleben, das ist keineswegs sicher. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters von Anfang Juli 2015 stehen mehrere griechische Banken vor dem Aus. Insidern zufolge könnten von den vier wichtigsten Geldhäusern National Bank of Greece, Eurobank, Bank of Piraeus und Alpha Bank nur zwei übrig bleiben. Diese Institute stehen zusammen mit Attica Bank für etwa ein Fünftel des gesamten Börsenwerts des Athener Aktienmarktes.

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