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06.12.2016

18:46 Uhr

Nach der US-Wahl

Warren Buffett profitiert von Trump

Während des Wahlkampfs kritisierte US-Milliardär Warren Buffett Donald Trump heftig. Nach dem Wahlausgang kommt seiner Holding Berkshire Hathaway die Trump-Politik aber durchaus zugute.

Warren Buffett hat einmal wieder Weitsicht bewiesen. Bereits im April sagte er, dass es seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway nach dem Wahlsieg gut gehen werde – und sollte Recht behalten. dpa

Star-Investor

Warren Buffett hat einmal wieder Weitsicht bewiesen. Bereits im April sagte er, dass es seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway nach dem Wahlsieg gut gehen werde – und sollte Recht behalten.

DüsseldorfWährend des US-Wahlkampfs zählte der US-Milliardär Warren Buffett zu den schärfsten Kritikern Donald Trumps. So forderte er Trump dazu auf, seine Steuern öffentlich zu erklären – Trump kam dem nicht nach. Später kritisierte er den Präsidentschaftskandidaten für seine Aussage gegenüber der Familie des im Irak verstobenen US-Soldaten Humayin Khan. Trump hatte darauf hingewiesen, dass er in seiner Laufbahn – ähnlich wie der Soldat – Opfer bringen musste. „Wie um alles in der Welt können Sie vor Eltern stehen, die ihren Sohn verloren haben und über Opfer reden, die Sie während des Baus von ein paar Gebäuden dargebracht hätten?”, empörte sich Buffett.

Eigentlich mischt sich der Milliardär selten in die Streitigkeiten zwischen den US-Republikanern und Demokraten ein. Umso erstaunlicher ist es, dass er sich so deutlich gegen Donald Trump positionierte. Vor allem, weil seine Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway mit zu den größten Profiteuren der Trump-Wahl gehört. Bereits im April sagte der Milliardär, dass es Berkshire gut gehen werde, egal wer gewinnt.

Donald Trumps Positionen im US-Wahlkampf

Abtreibung

Anders als früher ist Trump jetzt gegen Abtreibungen. Er hat im März sogar gesagt, Abtreibungen sollten illegal sein und Frauen oder die Ärzte „irgendwie“ bestraft werden. Die Mittel für „Planned Parenthood“ will er streichen, Abtreibungen nur in Ausnahmefällen zulassen (Vergewaltigung, Inzest, Lebensgefahr für die Mutter).

Arbeitsmarkt

Er verspricht Jobs, vor allem in der Industrie. Bergleute sollen wieder Kohle fördern, die Schiefergas-Vorkommen ausgebeutet werden. US-Unternehmen sollen ihre Produkte zu Hause fertigen und nicht im Ausland. Illegale Ausländer will Trump loswerden - auch um Jobs für Amerikaner frei zu machen.

Außenpolitik und Verteidigung

Der Republikaner will die Außenpolitik ausschließlich an US-Interessen ausrichten – getreu dem Motto „Amerika zuerst“. Er sagt, andere Länder wie Deutschland oder Japan müssten für den Schutz der USA bezahlen. Das militärische Engagement will er begrenzen, aber gleichzeitig den Kampf gegen den Terrorismus verstärken. Die Nato nannte er überkommen. Russlands Präsidenten Wladimir Putin lobte er.

Bildung

Er will die Schulbildung stärker dezentralisieren; Staaten und Kommunen sollen mehr Mitspracherecht bekommen. Trump will 20 Milliarden Dollar investieren, um den ärmsten Haushalten Zugang zu besseren Schulen zu ermöglichen. Er will auch das System von Heimschulen fördern - eine Diskussion, die für konservativ-christliche Familien eine große Rolle spielt.

Einwanderung

Er hat Einwanderer wiederholt kriminalisiert und eine Null-Toleranz-Politik angekündigt. Zentraler Bestandteil seines ganzen Wahlkampfes ist die Mauer, die er an der Grenze zu Mexiko errichten will – auf Kosten des Nachbarlandes. Herkunftsländer will er zwingen, ausgewiesene Einwanderer zurückzunehmen.

Freihandel

Der Immobilienmogul ist ein großer Gegner der internationalen Freihandelsabkommen. Den Nordamerikapakt Nafta mit Mexiko und Kanada bezeichnete er als den wohl „schlechtesten jemals gemachten Deal“. Unter seiner Präsidentschaft dürften weder das transpazifische Handelsabkommen TPP noch das amerikanisch-europäische Handelsabkommen TTIP große Chancen auf schnelle Verwirklichung haben. Auch den Handel mit China sieht Trump in seiner jetzigen Form kritisch. Auf der anderen Seite will er stärker auf industrielle Fertigung mit Exportorientierung setzen.

Gesundheits- und Sozialpolitik

Er will „Obamacare“ sofort abschaffen und ersetzten. Insgesamt soll der freie Markt schalten und walten. Man soll Versicherungsbeiträge steuerlich absetzen können. Wettbewerb soll es auch zwischen den Bundesstaaten geben, um Kosten zu senken.

Homo-Ehe

Ist für einen Republikaner hier eher liberal. Zwar ist er nicht für gleichgeschlechtliche Partnerschaften, er hat sich aber öfter gegen die Diskriminierung Homosexueller ausgesprochen.

Kampf gegen den Islamischen Staat

Er spricht immer wieder über einen Plan zur Bekämpfung der Terrormiliz, Details bleibt er aber schuldig. Vor einigen Wochen erklärte er, die USA müssten militärisch mit Russland kooperieren. Andere Forderungen sind schon jetzt Teil der Strategie des Militärs – etwa die Zerstörung von Ölfeldern des IS.

Kriminalität / Sicherheit

Sieht die USA in einem Zustand großer Bedrohung. Gibt sich als harter Vertreter von „Law and Order“, Gesetz und Ordnung, die Gewalt sei in den USA außer Kontrolle. Keine Details zu Plänen sind bekannt. Setzt sich für eine Form des „profiling“ der Polizei ein, die auch das Scannen nach ethnischen Merkmalen einbeziehen kann. Sagt, die Polizei habe kein Rassismusproblem. Ist gegen Körperkameras. Will Guantanamo beibehalten und unterstützt Waterboarding.

Steuern

Er will die Unternehmenssteuern radikal von 35 auf 15 Prozent senken, um mehr Unternehmen zum Verbleib in den USA anzuspornen. Die Einkommensteuer soll bei 33 Prozent für Großverdiener gedeckelt werden, Niedrigverdiener sollen über die Nutzung von Freibeträgen zum Teil gar keine Einkommensteuer zahlen. Die reichsten Amerikaner würden einer Erhebung von Forbes zufolge pro Jahr 275 000 Dollar Steuern sparen, die Ärmsten 128 Dollar.

Todesstrafe

Ist uneingeschränkt pro Todesstrafe, auch und vor allem, wenn Polizisten getötet werden.

Verhältnis zu Deutschland

An Merkels Flüchtlingspolitik lässt er kein gutes Haar; er bezeichnete sie aber als eine großartige Politikerin. In Berlin ist die Skepsis groß. Seine Äußerungen zur Nato und zu Russland sorgten für Irritationen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier nannte Trump einen „Hassprediger“.

Waffenrecht

Er wird von der mächtigen Waffenlobby NRA unterstützt. Trump hat wiederholt einer noch stärkeren Bewaffnung der Bürger das Wort geredet – wenn alle bewaffnet seien, könnten sich auch alle besser vor Amokläufen oder Anschlägen schützen.

Wirtschaft

Er will die alten Energien wiederbeleben und sich damit einem weltweiten Trend widersetzen. Den arbeitslos gewordenen Kohlekumpels in West Virginia und Kentucky versprach er, sie wieder in Jobs zu bringen. Insgesamt will er eher weg von Dienstleistungen, hin zu mehr industrieller Fertigung. Das passt zu seinem Motto „Make America Great Again“.

Quelle: dpa

Er sollte Recht behalten. Der November 2016 wurde für seine Firma zum besten seit sechs Jahren, meldet das Wall Street Journal. Seit dem 9. November, dem Tag der US-Wahl, stiegen ihre Aktien um acht Prozent. Die A-Aktien der Holding kosteten am Montag 240.000 Dollar je Schein – ein Allzeithoch. Auch die für Kleinanleger erschwinglichen B-Aktien kletterten auf ein Rekordhoch von 160,21 US-Dollar je Anteilsschein.

Die Kurssteigerungen kommen dem Investor gelegen. Schließlich hat Berkshire ein schwieriges Quartal hinter sich. Binnen Jahresfrist verringerte sich der Überschuss der Gesellschaft im dritten Quartal um 24 Prozent auf 7,2 Milliarden Dollar, gab Berkshire am 6. November bekannt. Der Umsatz trat mit 59,1 Milliarden Dollar auf der Stelle. Mit ein Grund für die schlechten Zahlen dürfte der Skandal um Phantomkonten bei der US-Bank Wells Fargo gewesen sein, an der die Holding mit rund zehn Prozent beteiligt ist. Nun sieht es aber so aus, als würde ausgerechnet der Bankensektor Berkshire wieder glänzen lassen – Trump sei Dank.

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