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27.02.2014

14:34 Uhr

Nach der Zamek-Pleite

Düsseldorfer Börse vergeht die Lust am Karneval

VonSara Zinnecker

ExklusivEigentlich wollte sich die Düsseldorfer Börse ordentlich ins Narrengetümmel mischen. Doch jetzt hat sie ihre Teilnahme auf dem Mottowagen des deutschen Mittelstands abgesagt. Börsenchef Elberskirch hat triftige Gründe.

Der Mittelstand: Stütze der deutschen Wirtschaft. Die Düsseldorfer Börse hat ihre Teilnahme am Mottowagen jetzt jedoch abgesagt.

Der Mittelstand: Stütze der deutschen Wirtschaft. Die Düsseldorfer Börse hat ihre Teilnahme am Mottowagen jetzt jedoch abgesagt.

DüsseldorfDer Zeitpunkt könnte ungünstiger nicht sein: Ausgerechnet in der Woche, in dem sich acht deutsche Mittelständler rüsten, auf einem eigenen Mottowagen beim Düsseldorfer Rosenmontagszug ihre Anleihen zu bewerben, ausgerechnet da meldet der Düsseldorfer Lebensmittelhersteller und Anleiheemittent Zamek Insolvenz an. Anleger bangen nun um Einlagen in Höhe von insgesamt 45 Millionen Euro.

Als Handelsplatz für Mittelstandsanleihen zieht die Düsseldorfer Börse nun Konsequenzen aus den jüngsten Geschehnissen. Ihre Teilnahme auf dem Mottowagen, initiiert von der Düsseldorfer Artus Vermögensverwaltung, hat die Börse abgesagt. „Wir halten den Auftritt für uns als Börse jetzt für unpassend“, sagte Vorstand Dirk Elberskirch auf Nachfrage. Man könne nicht mit Kamelle werfen und feiern, wenn ein lokales Traditionsunternehmen, das darüber hinaus noch an der Düsseldorfer Börse gelistet sei, seine Geschäftstätigkeit möglicherweise einstellen müsse.

Die Absage sei eine Handlung aus Respekt heraus. Vom eigentlichen Thema des Mottowagens, der schwierigen Finanzierungssituation von Mittelständlern, wolle man sich dagegen nicht distanzieren. „Die Mittelstandsfinanzierung ist ein dauerhaft wichtiges Thema“, hatte Elberskirch noch in der vergangenen Woche gegenüber Handelsblatt Online erklärt. Dazu stehe er auch jetzt noch, allerdings räumt der Börsenvorstand auch ein, dass sich das Segment der Mittelstandsanleihen noch weiter entwickeln müsse.

Fakten zu Mittelstandsanleihen

Viele Pleiten

Insgesamt 27 Anleihen von 23 Emittenten mit einem platzierten Anleihevolumen von fast einer Milliarde Euro sind laut der Ratingagentur Scope seit 2010 ausgefallen.

Hohe Renditen

Mittelstandsanleihen locken mit hohen Zinskupons. Bei den seit 2010 begebenen 150 Papieren reicht das Spektrum von 4,0 bis immerhin 11,25 Prozent.

Milliardenmarkt

In diesen fünf Segmenten sind 113 Anleihen mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Euro emittiert worden. Tatsächlich platziert wurden nach Angaben der Ratingagentur Scope 4,14 Milliarden Euro. Weitere 37 Anleihen mittelständischer Unternehmen sind im Prime Standard oder im Freiverkehr (Strenesse) notiert. Insgesamt kommt Scope auf ein Volumen von 7,26 Milliarden Euro (platziert 5,77 Milliarden Euro).

Spezielle Marktsegmente

Die meisten Minibonds – mehr als 100 – sind in speziellen Segmenten an den deutschen Börsen notiert, und zwar Bondm in Stuttgart, m:access in München, Mittelstandsmarkt in Düsseldorf, Mittelstandbörse in Hamburg-Hannover und dem Frankfurter Entry Standard. Einige wenige Anleihen finden sich im Prime Standard der Frankfurter Börse wieder, der stärker reguliert ist als die Mittelstandssegmente. Die Anleihe des insolventen Modelabels Strenesse ist dagegen lediglich im Freiverkehr (Open Market) der Frankfurter Börse gelistet, dem am wenigsten regulierten Markt.

Kleine Bonds

Mittelstandsanleihen gibt es seit 2010. Die Minibonds sollen Mittelständlern neue Finanzierungsmöglichkeit über den Bankkredit hinaus ermöglichen.

Tatsächlich hatte der Ruf der sogenannten Minibonds zuletzt stark gelitten. Schuld daran sind zahlreiche Unternehmenspleiten: Allein 2013 seien zehn Anleihen mit einem platzierten Anleihevolumen von 380 Millionen Euro ausgefallen, berichtet die Ratingagentur Scope. Fast jeder achte Euro, den Anleger in die Minibonds investiert haben, landete demnach in einer Pleitefirma.

Anlegeranwalt Klaus Nieding rechnet mit weiteren Pleiten. „Das geht munter weiter. Es werden sicher weitere Unternehmen in Schwierigkeiten geraten“, sagt der Experte für Anlegerrecht von der Nieding + Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft. Lange Zeit seien Regeln zu lax gewesen und finanziell schwach aufgestellte Firmen konnten an den Markt gehen.

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