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29.06.2012

10:16 Uhr

Nach EU-Beschlüssen

Anleger stürzen sich auf Bankaktien

Die europäischen Banken sollen sich bald direkt beim Rettungsfonds bedienen dürfen. Das kommt bei Investoren gut an. Manche Bankaktien legen um mehr als fünf Prozent zu.

Aktien der Deutschen Bank legten zwischenzeitlich bis zu 2,8 Prozent zu. AFP

Aktien der Deutschen Bank legten zwischenzeitlich bis zu 2,8 Prozent zu.

FrankfurtDie EU-Beschlüsse zur gemeinsamen Aufsicht über die Finanzinstitute sowie zu einer direkten Bankenkapitalisierung haben Investoren am Freitag eine Last von der Schulter genommen. In der Hoffnung, dass nun die Zukunft für etliche Finanzinstitute gerettet ist, fragten sie Banktitel stark nach.

Der europäische Bankenindex kletterte um 3,3 Prozent und damit deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Aktuell liegt der Sektor-Index damit nach einer Berg- und Talfahrt wieder auf dem Niveau vom Jahresbeginn. „Die Gefahr einer unmittelbaren Verschärfung der Bankenkrise in der Euro-Zone ist nun zumindest abgewendet“, sagte Volkswirt Vishnu Varathan von der Mizuho Corporate Bank. Vor allem italienische und spanische Institute zogen an, so schnellten Caixabank, BBVA, Intesa Sanpaolo um mehr sechs Prozent nach oben.

„Da den Banken ja nun direkt ohne den Umweg über den Staat geholfen werden kann, scheint auch der Abschreibebedarf auf Staatsanleihen gesunken zu sein“, sagte ein Händler. „Das nimmt ordentlich Druck aus dem Kessel.“

Auch französische Institute zählten zu den großen Profiteuren; Credit Agricole oder Societe Generale zogen um jeweils mehr als fünf Prozent an. „Frankreich war ja der nächste Patient, der hinter vorgehaltener Hand diskutiert wurde“, so der Börsianer. Dieses Risiko sei nun vorerst aus der Welt.

Börsianer zum EU-Gipfel

Oliver Roth, Kapitalmarktstratege bei Close Brothers

„Die Banken können sich nun leichter in der Krise rekapitalisieren als das bisher der Fall war. Bislang waren ja hauptsächlich die Nationalstaaten dafür verantwortlich. Diese Last ist den Staaten nun von den Schultern genommen, und damit wird zum Beispiel der Staatshaushalt von Spanien wesentlich entspannter.
Auch die nordeuropäischen Staaten werden dadurch entlastet, weil die Zinsen auf italienische oder spanische Staatsanleihen deutlich sinken dürften, und das ist gut für die gesamten Geschäftsbeziehungen.“

Citigroup

„Die Kursentwicklung geht über das hinaus, was gerechtfertigt ist. Erstens bedarf es Klarheit darüber, wie und in welchen Fällen Regierungen den ESM in Anspruch nehmen können. Wenn es nur zur Rekapitalisierung von Banken ist, wäre es nicht weitgehend genug, um die zugrundeliegenden Belastungen zu lindern. Zweitens bleiben beträchtliche Umsetzungsrisiken.
Die Regierungen müssen der EZB für ihre neuen Aufsichtsaufgaben Rechte übertragen. Dies könnte sich als umstrittener herausstellen als es die unmittelbare Marktreaktion vermuten lässt. Nach derartigen Ankündigungen ist der anfängliche Optimismus verpufft, sobald sich die Politiker an die Details machen. Wir würden uns nicht wundern, wenn sich dieses Muster wiederholt.“

Jörg Krämer & Christoph Weil, Volkswirte der Commerzbank

„In einer turbulenten Nachtsitzung haben sich die Regierungschefs überraschend grundsätzlich darauf geeinigt, den Banken der hochverschuldeten Krisenländern künftig direkt Hilfen zu gewähren und damit deren Staatshaushalte zu entlasten. (...)
Gemeinsame Anleihen tauchen nach Merkels klarem Nein nicht im Kommuniqué des Gipfels auf. Wir bleiben allerdings bei unserer Prognose, dass Deutschland solchen Anleihen am Ende zustimmen dürfte, wenn die Existenz der Währungsunion gefährdet wäre.“

Tim Waterer, Händler bei CMC Global Markets

„Der Markt ist ein bisschen überrascht, dass etwas substanzielles bei dem Gipfel herausgekommen ist. Die Details zum Zeitrahmen der Umsetzung dieses Plan wird darüber entscheiden, ob die aktuellen Kursgewinne nachhaltig sind.“

Holger Schmiedung, Berenberg-Chefvolkswirt

„Um den Markt zu beeindrucken, sind Eingriffe der EZB notwendig - etwa Interventionen am Anleihenmarkt oder erhebliche Liquiditätsspritzen für die Banken. Ohne EZB geht es nicht.“

Die Gewinne am hiesigen Markt fielen bescheidener aus, so stiegen Aktien der Deutschen Bank um 2,8 Prozent, Commerzbank-Titel lagen 1,9 Prozent höher. Lediglich die Aareal Bank schaffte ein Plus von 5,6 Prozent und war damit größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax. „Für die deutschen Institute war schlicht und einfach die Insolvenzgefahr noch nicht gegeben, nicht einmal für die Commerzbank“, so der Händler-Kommentar.

Die Regierungen der Euro-Zone haben sich nach harten Verhandlungen in der Nacht zum Freitag auf eine zentrale Bankenaufsicht geeinigt. Organisiert werden soll sie unter der Beteiligung der Europäischen Zentralbank. Dem Rettungsfonds EFSF soll es zudem künftig erlaubt werden, angeschlagene Banken direkt mit Kapital zu versorgen.

Von

rtr

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