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09.09.2016

17:30 Uhr

Nach EZB-Sitzung

Wichtige Bundesanleihe bringt wieder Zinsen

Trendumkehr am Anleihemarkt: Erstmals seit dem britischen Brexit-Referendum bringt die wichtigste deutsche Staatsanleihe wieder Zinsen. Investoren verlieren den Glauben an eine noch lockerere Geldpolitik.

Der EZB-Präsident verkündete am Donnerstag keine Neuerungen in der Geldpolitik. Reuters

Mario Draghi

Der EZB-Präsident verkündete am Donnerstag keine Neuerungen in der Geldpolitik.

FrankfurtAm Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank auf Abwarten gespielt. Das Anleihekaufprogramm in Höhe von 1,7 Billionen Euro weitete der EZB-Rat nicht aus, selbst eine zeitliche Streckung über das bisherige Ablaufdatum im März 2017 sei nicht einmal diskutiert worden, hatte EZB-Präsident Mario Draghi gesagt.

Die Zurückhaltung schlägt auch am Freitag noch an den Märkten durch. Vor allem bei Staatsanleihen gibt es heftige Bewegungen und ein besonders wichtiges Wertpapier gibt die Richtung vor. Investoren trennten sich von der 10-jährigen Bundesanleihe, ihr Kurs notierte am Freitagnachmittag zwischenzeitlich bei 99,794 Prozent.

Im Umkehrschluss bedeutete das eine jährliche Rendite für Anleger von plus 0,021 Prozent, wenn sie jetzt die Staatsanleihen erwerben. Zum letzten Mal hatte die für viele andere Wertpapiere als Vergleichsmaßstab dienende Staatsanleihe am Tag des Brexit-Votums eine positive Rendite gebracht.

Das Prinzip festverzinslicher Wertpapiere

Zinsen und Rückzahlung

Festverzinsliche Anleihen haben einen fixen Zinskupon, der sich auf den Nominalbetrag von 100 Prozent, also zum Beispiel 1 000 Euro, bezieht. Zu diesem Betrag werden die Papiere am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Bei einem Kurs von 100 Prozent entspricht also die Rendite dem zugesicherten Zins.

Kurse und Renditen

Während der Laufzeit werden Anleihen gehandelt, deshalb schwanken die Kurse, die in Prozent angegeben werden. Der Rückzahlungswert bleibt unverändert bei 100 Prozent. Die Zinskupons, die sich auf den Nominalwert beziehen, verändern sich ebenfalls nicht. Weil Zinszahlungen und Tilgungen gleichbleiben, sinkt die Rendite für Neueinsteiger, wenn die Kurse steigen. Umgekehrt ist es genauso: Wenn die Kurse fallen, dann steigen die Renditen für Investoren, die neu zugreifen und bis zur Fälligkeit halten.

Renditeentwicklung

Entwicklung - Die Kurse vieler Anleihen - vor allem die von Staatsanleihen im Euro-Raum und in Japan - sind so stark über 100 Prozent gestiegen, dass Anleger trotz der Zinsen weniger Geld wiederbekommen, als sie angelegt haben. Somit sind die Renditen für Neueinsteiger sogar negativ.  Das geht umso schneller, weil die Kupons stetig sinken. So haben zweijährige Bundesschatzanweisungen in Deutschland seit dem 20. August 2014 einen Kupon von null Prozent, seit dem 21. Januar 2015 gilt das auch für fünfjährige Bundesobligationen. Die im Sommer 2016 platzierte zehnjährige Bundesanleihe hatte ebenfalls einen Null-Kupon, bei der aktuellen zehnjährigen Bundesanleihe liegt der Kupon aber bei 0,50 Prozent.

Der Kursrutsch und Renditesprung kurz vor dem Wochenende zeigt, dass eine weitere Lockerung der Geldpolitik als unwahrscheinlicher wahrgenommen wird. Bislang hatten Investoren sich mit negativen Renditen vor allem deswegen zufrieden gegeben, weil sie erwarteten, dass es noch weitere Kurssteigerungen geben würde - und sie die Papiere dann mit Gewinn verkaufen könnten.

Unter anderem hatte ein Research-Bericht der Deutschen Bank neuen Pessimismus bei Anleiheinvestoren ausgelöst. Die Händler wiesen darauf hin, dass schwaches Wachstum, steigende Inflation und stagnierende Produktivitätswerte auf lange Sicht erhalten bleiben dürften. 30-jährige Staatsanleihen aus Deutschland zogen sogar noch stärker an um mehr als 0,1 Prozentpunkte auf eine jährliche Rendite von 0,62 Prozent.

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