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16.01.2012

15:38 Uhr

Nach Herabstufung

Frankreich meistert erste Geldmarkt-Auktion

Obwohl Frankreich seine Top-Bonität verloren hat, kann sich das Land problemlos und zinsgünstig neues Kapital an den Finanzmärkten besorgen. Richtig spannend wird es allerdings erst am Dienstag.

Frankreich konnte sich an den Finanzmärkten frisches Kapital besorgen. dpa

Frankreich konnte sich an den Finanzmärkten frisches Kapital besorgen.

ParisAufatmen in Frankreich: Trotz Herabstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft problemlos die Finanzmärkte um frisches Geld anzapfen können. Die Zinsen sanken sogar im Vergleich zur letzten Versteigerung. Die erste richtige Nagelprobe nach dem „AAA“-Verlust folgt allerdings erst.

Eine Auktion von Geldmarktpapieren spülte insgesamt 8,59 Milliarden Euro in die Staatskasse, wie aus offiziellen Angaben hervorgeht. Die Zinsen sanken in allen angebotenen Laufzeiten: Um sich für drei und sechs Monate Geld zu leihen, musste Frankreich Anlegern einen Durchschnittszins von 0,165 beziehungsweise 0,281 bieten. Für Schuldverschreibungen über ein Jahr verlangten Investoren im Schnitt 0,406 Prozent Zinsen.

Am Donnerstag will Frankreich noch einmal mehr als neun Milliarden Euro bei Investoren einsammeln. Dann geht es allerdings nicht um kurzlaufende Geldmarktpapiere, die kaum Vertrauen in die langfristige Bonität eines Landes erfordern, sondern um Anleihen, die teilweise deutlich längere Laufzeiten haben.

Spannung verspricht außerdem eine Geldmarktauktion des Euro-Rettungsschirms EFSF am Dienstag. Nach der Herabstufung Frankreichs und Österreichs könnte auch der Krisenfonds demnächst seine Spitzenbonität einbüßen.

Wieso das Rating Frankreichs so wichtig ist

Kreditaufnahme wird erschwert

Wenn die Ratingagenturen die Bonität von Euro-Staaten herabstufen, ist das zunächst einmal schmerzlich für diese Länder selbst: Es wird für sie schwieriger werden, an frisches Geld zu kommen. Die Zinsen, die sie für neue Anleihen zahlen müssen, ziehen in der Regel an.

Auswirkung auf Euro-Rettungsfonds

Doch für die Euro-Rettung gibt es noch einen anderen Aspekt, der mindestens genau so wichtig ist: Von der Bonität der einzelnen Länder hängt auch das Rating der Rettungsinstrumente wie des EFSF und künftig des ESM ab, die Krisenstaaten mit Kredithilfen vor dem Staatsbankrott bewahren sollen.

Bestnote des EFSF gefährdet

Frankreich trägt zu etwa 20 Prozent die Finanzierungslast des EFSF. Wird Frankreich herabgestuft, wackelt auch die Bonität des EFSF.

Finanzkraft könnte schrumpfen

Ein Verlust der Bestnote des EFSF würde die Finanzierung der Rettungspakete für angeschlagene Euroländer verteuern. Denn die Zinssätze für frische Anleihen dürften weiter anziehen. Als Alternative wäre es denkbar, dass der EFSF sein "AAA"-Rating verteidigt, indem er seine Finanzkraft einschränkt.

Geplanter Nachfolger des EFSF auch betroffen

Damit der Rettungsfonds EFSF effektiv 440 Milliarden Euro verleihen kann, müssen die Euroländer Garantien in Höhe von 780 Milliarden Euro bereitstellen. Diese Summe würde sich im Fall einer Herabstufung wohl deutlich erhöhen. Auch der geplante dauerhafte Rettungsschirm ESM, der schon im Juli und damit ein Jahr früher als geplant starten soll, könnte betroffen sein. Er soll anders als der EFSF selbst mit Kapital ausgestattet werden, das die Mitgliedsstaaten nun schneller bereitstellen müssen. Dafür müssten sie selbst neue Schulden machen, was im Falle einer Herabstufung teurer würde.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Martin

16.01.2012, 16:42 Uhr

Toll! Wer kauft denn da so fleissig? Die EZB natürlich. Wie bei Italien und Portugal zuvor auch. Mal sehen, wie das Experiment ausgeht.
Viele Grüße, ihr 1923.

Account gelöscht!

16.01.2012, 16:51 Uhr

Die Show fürs Volk geht weiter, bis der Vorhang fällt und alle dumm da stehen und sich fragen wie das hat kommen können. 3. Reichspropaganda reif ist das alles und NEIN...niemand hatte vor eine Mauer zu bauen.

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