Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.04.2006

08:18 Uhr

Nach historischem Tief

Bundesanleihe erholt sich

VonAndrea Cünnen

Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe wird bald zum ersten Mal seit eineinhalb Jahren wieder die Marke von vier Prozent übersteigen. Das erwarten nach einer Umfrage des Handelsblatts die Manager der fünf größten Rentenfonds in Deutschland, die ihren Anlageschwerpunkt auf Staatsanleihen im Euro-Raum legen. Experten befürchten, dass steigende Zinsen die Konjunktur dämpfen könnten.

Kursverlauf der 10-jährigen Bundesanleihe. Grafik: Handelsblatt

Kursverlauf der 10-jährigen Bundesanleihe. Grafik: Handelsblatt

FRANKFURT. Die für den Euro-Raum maßgebliche Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe hatte zuletzt im Oktober 2004 über vier Prozent gelegen. Seit Anfang dieses Jahres ist sie um 0,60 Prozentpunkte gestiegen und überwand am Freitag die Marke von 3,90 Prozent. Die Rendite zweijähriger Bonds schnellte auf 3,30 Prozent hoch – den höchsten Stand seit September 2002. Da sich Anleiherenditen gegenläufig zum Kurs entwickeln, machten Rentenfonds in diesem Jahr Verluste von durchschnittlich einem halben Prozent. Michael Hitzlberger von UBS Global Asset Management rechnet mit weiter steigenden Anleiherenditen. „Historisch gesehen, sind die Renditen immer noch niedrig.“ Er prognostiziert in diesem Jahr einen Anstieg der zehnjährigen Rendite auf 4,50 Prozent.

Die Leitzinserhöhungen und der gleichzeitige Anstieg der Kapitalmarktzinsen verteuern die Refinanzierung von Staaten, Banken und anderen Unternehmen. Auch Verbraucherkredite und Hypotheken werden teurer. Volkswirtschaftlich sei die Situation zwar „noch nicht bedenklich, die Lage ist aber nicht mehr so stimulierend wie noch im Dezember“, sagte Elga Bartsch, Volkswirtin bei der Investmentbank Morgan Stanley. Auf der anderen Seite können private und institutionelle Anleger bei steigenden Kapitalmarktzinsen ihr Geld lukrativer anlegen. Davon profitieren vor allem Lebensversicherer, die ein Großteil ihres Geldes in Zinspapieren anlegen. Die niedrigen Renditen der vergangenen Jahre reichten für die Versicherer kaum aus, um die Zahlungsverpflichtungen gegenüber den Kunden zu erfüllen.

Als Auslöser für den jüngsten Anstieg der Kapitalmarktzinsen im Euro-Raum gelten bessere Wirtschaftsindikatoren, wie beispielsweise der gestiegene Ifo-Geschäftsklimaindex. Hinzu kamen die Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) im Dezember und März auf jetzt 2,50 Prozent. „Ende 2005 gab es noch Hoffnung, dass die EZB die Leitzinsen nur sehr moderat anhebt. Das hat sich verändert“, sagte Martin Hochstein von der Fondsgesellschaft Deka Investment. Zuletzt signalisierte die EZB, den Zins im Juni erneut um 25 Basispunkte zu erhöhen. Die Akteure am Anleihemarkt erwarten, dass der Leitzins Ende 2006 bei 3,25 Prozent liegen wird.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×