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28.04.2014

10:12 Uhr

Nach Pleiteserie

So picken Sie gute Minibonds heraus

VonSara Zinnecker

Zamek, Rena und nun Strenesse: Mehrere Hundert Millionen Euro haben Anleger bei Mittelstandsanleihen schon verloren. Dabei lassen sich „gute“ von „weniger guten“ Minibonds unterscheiden. Worauf Anleger schauen sollten.

Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen: Bei Anleihen kleiner und mittelgroßer Unternehmen fällt es schwer, die Unterschiede zu erkennen. Getty Images

Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen: Bei Anleihen kleiner und mittelgroßer Unternehmen fällt es schwer, die Unterschiede zu erkennen.

DüsseldorfNun also auch noch Strenesse: Erst im Februar stimmten die Gläubiger des bayerischen Modelabels dafür, die Laufzeit der Anleihe zu verlängern. Doch es nützte nichts mehr. Mitte April musste das Unternehmen Insolvenz anmelden, als dritter mittelständischer Anleihe-Emittent in diesem Jahr, nach dem Tütensuppenhersteller Zamek und dem Maschinenbauer Rena.

Laut Ratingagentur Scope sind allein 2013 Minibonds in Höhe von 380 Millionen Euro ausgefallen. Mit den jüngsten Insolvenzen stehen weitere 134 Millionen Euro Anlegergeld auf dem Spiel. Und ein Ende scheint nicht in Sicht. „Es werden sicher weitere Unternehmen in Schwierigkeiten geraten“, sagt Klaus Nieding, Anlegeranwalt von der Nieding + Barth Rechtsanwaltsaktiengesellschaft. Der Ruf des jungen Segments – er scheint arg ramponiert.

Fakten zu Mittelstandsanleihen

Viele Pleiten

Insgesamt 27 Anleihen von 23 Emittenten mit einem platzierten Anleihevolumen von fast einer Milliarde Euro sind laut der Ratingagentur Scope seit 2010 ausgefallen.

Hohe Renditen

Mittelstandsanleihen locken mit hohen Zinskupons. Bei den seit 2010 begebenen 150 Papieren reicht das Spektrum von 4,0 bis immerhin 11,25 Prozent.

Milliardenmarkt

In diesen fünf Segmenten sind 113 Anleihen mit einem Volumen von 5,5 Milliarden Euro emittiert worden. Tatsächlich platziert wurden nach Angaben der Ratingagentur Scope 4,14 Milliarden Euro. Weitere 37 Anleihen mittelständischer Unternehmen sind im Prime Standard oder im Freiverkehr (Strenesse) notiert. Insgesamt kommt Scope auf ein Volumen von 7,26 Milliarden Euro (platziert 5,77 Milliarden Euro).

Spezielle Marktsegmente

Die meisten Minibonds – mehr als 100 – sind in speziellen Segmenten an den deutschen Börsen notiert, und zwar Bondm in Stuttgart, m:access in München, Mittelstandsmarkt in Düsseldorf, Mittelstandbörse in Hamburg-Hannover und dem Frankfurter Entry Standard. Einige wenige Anleihen finden sich im Prime Standard der Frankfurter Börse wieder, der stärker reguliert ist als die Mittelstandssegmente. Die Anleihe des insolventen Modelabels Strenesse ist dagegen lediglich im Freiverkehr (Open Market) der Frankfurter Börse gelistet, dem am wenigsten regulierten Markt.

Kleine Bonds

Mittelstandsanleihen gibt es seit 2010. Die Minibonds sollen Mittelständlern neue Finanzierungsmöglichkeit über den Bankkredit hinaus ermöglichen.

Wer nach den Verantwortlichen der Misere sucht, tut sich schwer. Solide wirtschaftende Mittelständler erwarten mehr Regulierung von Seiten der Börsen. Die wiederum verweisen auf ihre Rolle als Handelsplatz und sehen eine größere Sorgfaltspflicht bei den Emittenten. Gescheiterte Mittelständler beschuldigen Berater, sie in die Emission getrieben zu haben. Berater wollen sich aber auf das geprüfte Zahlenwerk verlassen haben. Professionelle Investoren zweifeln an der Unabhängigkeit der Ratings, während Privatanleger gern auf die hohen Zinskupons schielen, das höhere Risiko dagegen ausblenden.

Am Ende sind gegenseitige Schuldzuweisungen wenig zielführend, wenn es darum geht, neues Vertrauen für das angeschlagene Segment zu schaffen. Und daran haben alle Beteiligten Interesse – nicht zuletzt, um den eigenen Ruf als verlässlicher Handelsplatz, verlässlicher Emissionsbegleiter und verlässlicher Anlagepartner zu wahren.

Einen ersten Vorstoß für mehr Durchblick – und bestenfalls mehr Vertrauen in Minibonds – hat nun der Frankfurter Handelsplatz unternommen. Gemeinsam mit Emissionsbanken, Beratern, Anwaltskanzleien und Vermögensverwaltern hat die Börse einen „Best Practice Guide“ für Unternehmensanleihen des Entry Standard herausgebracht – eine Art Leitfaden also, der darlegt, was es für einen erfolgreichen Minibond alles braucht.

Der Guide richtet sich zunächst an Unternehmen, die mit dem Gedanken spielen, eine Anleihe zu begeben. Allerdings nützt er auch Anlegern, die sich fragen, wie sich „gute“ eigentlich von „weniger guten“ Unternehmen unterscheiden lassen. Die (unverbindlichen) Empfehlungen decken dabei grob ab, was Ratingagenturen und Investoren bereits gesondert vorgebracht haben. In einigen Punkten reichen deren Forderungen aber noch weiter.

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