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18.07.2016

14:24 Uhr

Nach Putschversuch

Türkische Börse in Aufruhr

Nach dem gescheiterten Putschversuch ist der türkische Aktienmarkt am Montag sehr schwach gestartet und baut die Verluste noch weiter aus. Einzelne Aktien verlieren mehr als zehn Prozent.

Ein Mann zählt in einer Wechselstube die Banknoten. Die türkische Lira gab nach. dpa

Türkische Lira

Ein Mann zählt in einer Wechselstube die Banknoten. Die türkische Lira gab nach.

Der gescheiterte Putsch in der Türkei sorgt für Turbulenzen an der Istanbuler Börse. Anleger warfen am Montag Aktien und Anleihen in hohem Bogen aus ihren Depots. Die türkische Lira zog dagegen an. Ihr Kurs war allerdings am Freitag in Reaktion auf den Militär-Aufstand bereits um fünf Prozent eingebrochen.

„Kurzfristig scheint die Gefahr von weiteren Kämpfen gebannt“, schrieb Commerzbank-Analyst Tatha Ghose in einem Kommentar. Es bleibe aber die Frage, wie sich die Verhaftungswelle unter Regierungskritikern langfristig auswirken werde. „In den kommenden Tagen ist vermehrt mit Vorschlägen zu Verfassungsänderungen oder gar Ankündigungen von Neuwahlen zu rechnen.“ Die türkische Regierung betonte, dass der Aufstand die dortige Wirtschaft nur kurz belasten werde.

„Der Putsch war ein Irrweg“

Wer steckt hinter dem Putsch?

Das ist eine Frage, die noch beantwortet werden muss. Es gibt bereits Gerüchte, dass die Gülen-Bewegung verantwortlich sein könnte…

Die Fragen von Handelsblatt-Reporter Ozan Demircan beantwortete Felix Schmidt, Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung in Istanbul.

...die vom Erdogan-Widersacher Fethullah Gülen geleitet wird...

Ja, und es gäbe deswegen einige Gründe aus Sicht der Regierung, den Putsch nun so zu instrumentalisieren, dass man ihn Gülen in die Schuhe schiebt.

Wie die Regierung Vergeltung üben?

Regierung und Sicherheitskräfte werden mit harten Gegenmaßnahmen antworten. Einzelne Politiker fordern bereits die Todesstrafe für die Armee-Putschisten. Es könnte weitere autoritäre Entwicklungen geben.

Wie sieht es beim Militär aus?

Die Regierung könnte nun einen weiteren Anlass erhalten, innerhalb der Armee und in anderen Institutionen aufzuräumen. Das bedeutet, dass die teilweise bestehenden Parallel-Strukturen innerhalb von Behörden wie zum Beispiel dem Militär aufgelöst werden, so wie das in den vergangenen Jahren bereits geschehen ist.

Was bedeutet das für die politische Entwicklung in dem Land?

Das Scheitern des Putsches bedeutet eine Stärkung der Macht für die bestehende Regierung. Es ist auch bemerkenswert, dass sich diesmal alle vier im Parlament vertretenen Parteien gegen den Putsch gestellt haben – auch die regierungskritischen Parteien wie die HDP. Viele haben noch die Machtergreifungen der vergangenen Jahrzehnte im Kopf. Niemand will, dass sich solch chaotische Situationen wie damals wiederholen.

Wie wird es weitergehen?

Die Demokratie scheint sich tatsächlich gegen den Putsch durchgesetzt zu haben. Der Putsch war ganz offenbar ein Irrweg. Und das ist eine bemerkenswerte Entwicklung. Auch innerhalb kritischer Kreise gab es soweit bekannt keine Putsch-Befürworter. Das Schöne, wenn man das so sagen kann, ist: Es gibt, trotz vieler problematischer Entwicklungen in dem Land, demokratisch gefestigte Strukturen in der Türkei.

Am Freitagabend hatten Teile des Militärs versucht, die Macht an sich zu reißen. Die Regierung hat inzwischen mit den angedrohten „Säuberungen“ in Militär und Justiz begonnen. Rund 3000 Militärangehörige wurden festgenommen, fast ebenso viele Richter und Staatsanwälte abgesetzt und in Gewahrsam genommen.

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