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25.04.2012

20:39 Uhr

Nach Regierungssturz

Ratingagenturen zweifeln am Sparkurs der Niederlande

Die drei großen Ratingagenturen sind sich nicht einig was die Zukunft der Niederlande angeht. Zwar vergeben alle noch die Top-Bonitätsnote. Doch beim Ausblick für die Kreditbewertung gehen die Meinungen auseinander.

Durch eine Rating-Herunterstufung der Niederlande könnten die Finanzierungskosten der Krisenfonds EFSF und ESM steigen. dpa

Durch eine Rating-Herunterstufung der Niederlande könnten die Finanzierungskosten der Krisenfonds EFSF und ESM steigen.

London/FrankfurtDie Ratingagentur Fitch zweifelt am niederländischen Sparkurs. Die Bonitätswächter sagen der fünftgrößten Volkswirtschaft im Euroraum ein Budgetdefizit von 4,5 Prozent im laufenden Jahr voraus, wie aus einer Mitteilung vom Mittwoch hervorgeht. Angesichts der über gescheiterte Haushaltsverhandlungen gestürzten Regierung und den wahrscheinlichen Neuwahlen zweifelt Fitch auch, ob das Defizit im nächsten Jahr auf drei Prozent gedrückt werden kann. Obwohl die Niederlande die Maastricht-Kriterien des europäischen Stabilitätspakts damit verletzten dürften, sieht das Ratingunternehmen die Top-Bonitätsnote „AAA“ vorerst nicht bedroht.

Dafür hat mit Standard & Poor's (S&P) eine andere führende Ratingagentur das Land im Visier. S&P hat den Ausblick für die Kreditbewertung bereits auf „negativ“ gesetzt und damit eine Herabstufung in Aussicht gestellt. Das dritte große Ratingunternehmen, Moody's, bewertet die Niederlande mit der Bestnote und bewertet den Ausblick als „stabil“.

Doch neben den jüngsten politischen Turbulenzen lassen auch die hohe private Verschuldung und konjunkturelle Risiken Experten am wirtschaftlichen Ausblick zweifeln. Jürgen Michels, Europachefvolkswirt der Citigroup, zählt das Land schon nicht mehr zum stabilen Kern der Eurozone. Als Konsequenz der Schuldenkrise im Währungsraum hätten die Refinanzierungsbedingungen in den Niederlanden angezogen.

Eine Rating-Herunterstufung der Niederlande würde nach Einschätzung von Christian Schulz, Ökonom der Berenberg Bank, das Rettungsschutzschild der Eurozone aufweichen. Die niederländische Wirtschaft steuere zwar nur 6,4 Prozent zum gesamten Bruttoinlandsprodukt im Währungsraum bei. Allerdings seien es 18 Prozent, wenn man nur die verbleibenden wenigen „AAA“-Länder betrachtet. Die Finanzierungskosten der Krisenfonds EFSF und ESM könnten deshalb steigen.

Besonders pessimistisch ist Pierre-Olivier Beffy, Chefvolkswirt der Investmentgesellschaft Exane BNP Paribas: „Die privaten Haushalte sind mit 240 Prozent ihres Einkommens überdurchschnittlich hoch verschuldet.“ Da davon auszugehen sei, dass die Häuserpreise weiter fallen und die Arbeitslosigkeit zunimmt, sei die Lage kritisch. Zudem bereite der Finanzsektor Sorgen, da die niederländischen Banken nur schwer Zugang zum Kapitalmarkt finden würden

Von

dpa

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