Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.03.2012

16:35 Uhr

Nach Schuldenschnitt

Das Misstrauen der Investoren bleibt

Ein Schuldenschnitt lässt sich erzwingen - Vertrauen nicht. Die Kurse für frische Griechenland-Anleihen geraten unter Druck. Auch Spanien gerät ins Visier der Investoren. Italien kann sich dagegen etwas befreien.

Die Börse in Madrid. Spanische Anleihen sind derzeit wenig gefragt. dpa

Die Börse in Madrid. Spanische Anleihen sind derzeit wenig gefragt.

Höher/FrankfurtDie Investoren trauen Griechenland auch nach dem Schuldenschnitt und dem neuen Hilfspaket nicht über den Weg. Die Kurse der neuen griechischen Anleihen fallen, die Renditen steigen auf bis zu 18 Prozent.

Derzeit seien es wohl vor allem Banken, die die Bonds verkaufen, vermutet David Schnautz, Zinsstratege bei der Commerzbank. „Von anderen Investoren wie Fonds könnte die Verkaufswelle erst noch kommen, wenn sie sich ein genaueres Bild gemacht haben.“

Gestern hatte das Land nach Angaben des Finanzministeriums den Anleihetausch im Wert von 177,2 Milliarden Euro abgeschlossen. Griechenlands Gläubiger haben für ihre alten Staatsanleihen insgesamt 24 neue Zinspapiere bekommen und verzichteten dabei nominal auf 53,5 Prozent ihres Geldes. Der tatsächliche Verlust liegt aber sehr viel höher, weil die neuen Bonds sehr niedrige Zinsscheine und eine längere Laufzeit haben.

Was Anleger beim Schuldenschnitt 2012 erhalten

Frische 30-jährige Anleihe

Exakt 31,5 Prozent des ausstehenden Nennwerts der bisherigen Anleihen erhalten Gläubiger in Form des folgenden Papiers:

Anleihe mit Laufzeit bis 2042:

In den Jahren 2013, 2014 und 2015 beläuft sich die Zinszahlung (Koupon) auf: 2,0 Prozent

In den Jahren 2016 bis 2020 einschließlich beläuft sich die Zinszahlung (Koupon) auf: 3,0 Prozent

Im Jahr 2021 beläuft sich die Zinszahlung (Koupon) auf: 3,65 Prozent

Ab dem Jahr 2022 beläuft sich die jährliche Zinszahlung (Koupon) auf: 4,3 Prozent

Die Zinsen werden ab dem 24. Februar 2012 berechnet.

Die neuen Anleihen werden eine Umschuldungsklausel (CAC) enthalten.

An das BIP gekoppeltes Papier

Zu der frischen 30-jährigen Anleihe mit EFSF-Absicherung erhalten die Anleger ein getrennt handelbares Wertpapier:

Der Wert dieses Papiers wird von der Entwicklung des Wirtschaftswachstums in Griechenland abhängen. Ab welchem Wachstumswert des Bruttoinlandsprodukts (BIP) diese Papiere greifen, war in der ersten veröffentlichten Übersicht des griechischen Finanzministeriums nicht vermerkt. Mittlerweile liegen die Schwellenwerte vor, ab denen es zusätzliche Zahlungen geben wird.

Eine Auszahlung wird es erstmals für das Jahr 2014 geben, die Überweisung dafür erfolgt am 15. Oktober 2015. Bezugsgröße ist das bis dahin von der europäischen Statistikbehörde Eurostat veröffentlichte BIP für Griechenland. Spätere Revisionen finden keine Berücksichtigung. Die letzte Zahlung kann es im Jahr 2042 für das Jahr 2041 geben.

Die Auszahlung errechnet sich wie folgt:

[(Nominales BIP - nominaler BIP-Referenzwert] - realem BIP-Referenzwert] x 1,5 = Y
Sollte Y den Wert 0,01 überschreiten, gilt Y=0,01
Auszahlung für jeweils 100 Euro Nennwert des Papiers = 100 € x Y
Maximal werden also 1 Euro je 100 Euro Nennwert ausgeschüttet.

Die Wachstumsrate berechnet sich aus dem nominalen BIP im betreffenden Jahr im Vergleich zu nominalen Referenz-BIP-Werten.

Die realen BIP-Referenzwerte sind folgende:
2014 - 2,345 %
2015 - 2,896 %
2016 - 2,845 %
2017 - 2,797 %
2018 - 2,597 %
2019 - 2,497 %
2020 - 2,247 %
2021-2041 - 2 %

Die nominalen BIP-Referenzwerte lauten (in Mrd. €)
2014 - 210,1
2015 - 217,9
2016 - 226,4
2017 - 235,7
2018 - 245,5
2019 - 255,9
2020-2041 - 266,5

Aus den nominalen und realen BIP-Referenzwerten für 2014 leitet sich folgendes Beispiel ab: Das nominale BIP im Jahr 2014 muss mindestens 215,03 Milliarden Euro betragen, damit es eine Zahlung auf die Papiere gibt. Ab einem nominalen BIP-Wert von 217,13 Milliarden Euro im Jahr 2014 gibt es für dieses Jahr die maximale Zahlung von einem Euro pro 100 Euro Nennwert.

Zur Erinnerung: Das nominale BIP Griechenlands hat im Jahr 2010 laut den jüngsten Zahlen von Eurostat 230 Milliarden Euro betragen, ist im vergangenen Jahr aber deutlich geschrumpft. Bei einem angenommenen Minus von sieben Prozent hat das nominale BIP 2011 etwa 214 Milliarden Euro betragen. Die Stagnation des BIP-Referenzwerts ab 2020 lässt Auszahlung in den Jahren danach wahrscheinlicher werden.

Die Angaben erfolgen ohne Gewähr.

EFSF-Papier statt Bargeld

Gläubiger mit Sitz in den USA erhalten 15 Prozent des ausstehenden Nennwerts ihrer Anleihen in bar ausgezahlt. Alle anderen Gläubiger erhalten diese 15 Prozent in Form eines EFSF-Wertpapiers:

EFSF Note:

Es wird zwei Varianten dieser „Notes“ geben, beide mit einem Gesamtvolumen von bis zu 15 Milliarden Euro.

Die Laufzeit endet am 12. März 2013 beziehungsweise am 12. März 2014.

Der Zinssatz auf diese Papiere steht noch nicht fest.

Formell liegt der Nennwert – also der Rückzahlungswert – der neuen Anleihen bei 100 Prozent, aber daran glauben die Anleger nicht. Bereits am Freitag wurden die neuen Papiere inoffiziell mit Kursen von nur um die 25 Prozent des Nennwerts gehandelt, auch gestern im offiziellen Handel notierten sie nicht viel höher. Entsprechend lagen die Renditen für den in elf Jahren fälligen Bond bei gut 18 und für den 30 Jahren fälligen bei über 13 Prozent.

Schuldenschnitt: Griechenland schließt Anleihentausch ab

Schuldenschnitt

Griechenland schließt Anleihentausch ab

Zahlreiche Privatanleger wollen gegen die Griechenland-Umschuldung vorgehen.

Die Kupons genannten Zinsscheine für die neuen Anleihen liegen bei zwei Prozent für die ersten drei Jahre und steigen danach schrittweise auf bis zu 4,3 Prozent. Neben den 20 neuen griechischen Bonds mit Laufzeiten von 2023 bis 2041 bekommen die Investoren ein- und zweijährige Anleihen des Rettungsschirms EFSF, für die die Euro-Länder bürgen. Dazu gibt es für aufgelaufene Zinsen ein Sechsmonatspapier des EFSF und schließlich noch eine Art Besserungsschein in Form einer griechischen Anleihe, deren Zinsen höher ausfallen, wenn sich die griechische Wirtschaft besser entwickelt als vorgesehen.
„Die niedrigen Kurse sind keine Überraschung, weil die Kupons für die neuen griechischen Anleihen aus Sicht der Investoren viel zu niedrig für das Kreditrisiko sind. Deshalb liegen die Kurse so weit unter dem Nennwert“, erklärt Commerzbank-Experte Schnautz. „Es zeigt sich, dass die Investoren noch sehr skeptisch sind“, urteilt auch Christian Lenk, Anleiheanalyst bei der DZ Bank. Dies sei auch kein Wunder, weil nicht ausgeschlossen sei, dass Griechenland ein drittes Hilfspaket brauche und die Investoren dann erneut zur Kasse gebeten würden.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

GausN

13.03.2012, 17:16 Uhr

Jeder Privatmann, der nach dieser Griechen-Geschichte den Südeuropäern auch nur noch einen Cent leiht, gehört sofort entmündigt. Man sieht sich immer zweimal im Leben, liebe Eurostümper !

Tomas80

13.03.2012, 17:32 Uhr

Haha, habe Anleihen mit Nennwert 3.000 EUR.

Nach Enteignung durch den griechischen Staat sind das dann 1.395 EUR Nennwert.

Das in 24 Zinspapiere aufgeteilt, bedeutet einen Nennwert von unter 60 EUR / Depotposition. Verkaufsprovision lohnt dann wohl nicht mehr!!!

HAHAHA, schließe mich dem Vorredner an und habe gestern eine Petition an den Bundestag geschickt mit der Aufforderuung wegen Enteignung von deutschen Staatsbürgern durch Griechenland Maßnahmen zu ergreifen!

Danke Griechenland & never again!

bigmaui

13.03.2012, 17:56 Uhr

Sehr nett, sehr ehrlich aber: naiv. Eine Petition sollte doch bestenfalls Millionenzustimmung haben, vorher wird sie vom Bundestag nicht erhört, wenn überhaupt, da es gegen die neosozialistische Politik Europas und damit der mecklenburgischen Kämmerin verstößt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×