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04.01.2005

11:56 Uhr

Nachgefragt: Rudolf Wimmer

Rudolf Wimmer: „Die meisten werden die Börse meiden“

VonAnja Müller

Unternehmenspatriarchen leiten ihre Firma anders als angestellte Manager. Das Handelsblatt sprach mit Rudolf Wimmer, Professor am Institut für Familienunternehmen der Uni Witten-Herdecke, über die Kerseite der Personalpolitik in Familienunternehmen.

Handelblatt: Was läuft bei Familienunternehmen anders?

Wimmer: Das Personal darf auf Langfristperspektive der Eigentümer vertrauen. Das ist heute viel wert. Die Fluktuation ist geringer und die Motivation und Identifikation der Mitarbeiter oft höher, aber Sie dürfen die Nebenwirkungen nicht unterschätzen.

Worin bestehen diese?

Die Personalpolitik der Familienunternehmen hat auch eine Kehrseite. Sie tun sich schwer, sich von Mitarbeitern zu trennen, dadurch verschärft sich die Personalsituation, denn ein Familienunternehmen kann niemanden mit durchziehen. Außerdem ist das mittlere Management unterentwickelt. Es gibt den großen Boss, und dann kommt lange nichts.

Sind Familienunternehmen denn noch zeitgemäß?

Man muss sich keine Sorgen um sie machen, wenn die Clans sich gut organisieren und identifizieren wie bei Haniel oder Merck. Gute Familienunternehmen sind konservativ in ihren Werten, geschäftlich aber hochflexibel. Das war aber schon immer so und passt in die heutige Zeit. Aber gerade die langjährigen – also die in fünfter oder sechster Generation – haben bewiesen, dass sie sehr wandlungsfähig sind. Doch nur fünf bis sechs Prozent der Familienunternehmen gehören zu dieser Gruppe.

Ein heikles Thema für die Unternehmer sind externe Geldgeber.

In der Tat. Familienunternehmen sind sehr auf ihre finanzielle Unabhängigkeit bedacht, sie wachsen eher organisch. Dennoch brauchen sie heute mehr Kapital als früher, um im Wettbewerb zu bestehen. Gleichzeitig sind die Unternehmer aber auch sparsam. So mancher investiert zu wenig, weil es „sein“ Geld ist. Das ist besonders fatal in einer rasch wachsenden Branche.

Heute startet der Gex, der für Familienunternehmen konzipiert ist. Doch viele von ihnen scheuen die Börse. Wird sich das jetzt ändern?

Nein, es wird meiner Meinung nach kein Umdenken bei Familienunternehmen stattfinden. Im Gex versammeln sich nur diejenigen Firmen, die Kapital für ihr Wachstum brauchen, die allermeisten aber werden die Börse nach wie vor meiden.

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