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25.07.2011

07:41 Uhr

Nachgerechnet

Vom zweifelhaften Nutzen der Stop-Loss-Order

VonGertrud Hussla

Eine Stop-Loss-Order soll das Verlustrisiko begrenzen. Doch in der Realität wirken sie zwar beruhigend, bringen finanziell aber wenig. Im Gegenteil: Neben Gebühren können sie auch Rendite kosten.

Mit dem Verlustbegrenzer ins Minus

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Düsseldorf„Die Börsen haben keine Ferien“, schreibt die DAB-Bank ihren Kunden - und empfiehlt, an eine Stop-Loss-Order zu denken. Stop Loss heißt, Verluste begrenzen. Wer für drei Wochen in die Karibik fliegt, will vielleicht sichergehen, dass er hinterher keine bösen Überraschungen auf seinem Depotauszug erlebt, weil in der Zwischenzeit die Kurse abgestürzt sind. Angesichts der Schuldenkrisen in Europa und den USA muss man der DAB-Bank für diese Erinnerung dankbar sein.

Bei einer Stop-Loss-Order wird eine Aktie oder auch ein Indexfonds automatisch verkauft, wenn der Kurs unter eine vom Kunden festgesetzte Grenze fällt - zum Beispiel um mehr als 15 Prozent oder unter einen festgesetzten Kurs. Damit lassen sich ja toll Verluste begrenzen, dachte ich, und habe mal nachgerechnet, ob eine systematische Stop-Loss-Strategie nicht sogar über längere Zeit gesehen die Rendite verbessert.

Wie wäre es zum Beispiel gewesen, wenn ein Sparer vor drei Jahren 10.000 Euro in einen Indexfonds investiert hätte, der den Dax abbildet, etwa in einen iShares-Indexfonds (WKN 593393). Damals standen wir ja kurz vor dem großen Börsenabsturz im Zuge der Finanzkrise. Wäre der Anleger systematisch nach einem Verlust von 15 Prozent ausgestiegen und zu Anfang des folgenden Monats wieder eingestiegen, hätte der Anleger tatsächlich auch mal günstiger wieder eingekauft. Aber dann kam ja schon der nächste Absturz, mit kleinen Erholungen, und er hätte auch zweimal teurer gekauft, als er vorher verkauft hätte.
Fast am tiefsten Punkt, am 2. März 2009, wäre er zum letzen Mal ausgestiegen, da war der Fonds, den er für 60,50 Euro pro Anteil gekauft hatte, nur noch 34,91 Euro je Anteil wert. Erst zu Beginn des folgenden Monats, am 1. April, als sich der Dax schon wieder ein bisschen erholt hatte, wäre der Sparer wie geplant wieder eingestiegen - bei 39,10 Euro. Den Wiedereinstieg beinhaltet eine Stop-Loss-Order zwar nicht. Aber dieser letzte Einstieg am 1. April hätte das Investment dann gerettet. Das Depot stände heute wieder bei 9792 Euro. Davon gingen allerdings 150 Euro Transaktionskosten ab, sie sind bei einer Direktbank wie der DAB-Bank eher mäßig. Also hätte der Sparer derzeit netto 9642 Euro im Depot.

Und hätte er einfach den Fonds gehalten, ganz ohne Stop-Loss-Order? Dann wären jetzt 10771 Euro auf dem Konto, minus einmalige Kaufgebühren von 31,41 Euro. Macht netto fast 1100 Euro mehr.
Natürlich ist das Beispiel willkürlich gewählt. Wissenschaftliche Studien kommen aber zu einem ähnlichen Ergebnis: Stop-Loss-Strategien bringen keine Zusatzrendite. Sie kosten nur Gebühren. Zwar kann der Anleger Verlustphasen aussparen, aber es besteht auch die Gefahr, dass er nicht rechtzeitig wieder einsteigt und Gewinnchancen verpasst.

Besser sieht es allerdings bei "Trailing Stop Loss Orders" aus. Da wird nachgezogen: Bei einer Gewinnsträhne wandert die Schwelle, zu der verkauft werden soll, mit jedem neuen Hoch mit. So werden Kursschwankungen nachweisbar verringert und damit auch das Verlustrisiko. Die Rendite ist aber auch nicht höher, als wenn der Anleger den Fonds oder die Aktie behalten hätte. Denn auch hier verpasst er vielleicht den besten Wiedereinstiegsmoment.

Was diese Rechnungen nicht zeigen: So eine Stop-Loss-Order beruhigt ungemein die Nerven. Deswegen würde ich sie ab und zu vielleicht doch mal nutzen. Und am Strand dann anderen Gedanken nachhängen.

Kontakt zur Autorin: hussla@handelsblatt.com

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

25.07.2011, 15:04 Uhr

Liebe Frau Hussla!

Stops dienen in erster Linie der Verlustbegrenzung und nicht der Performancesteigerung.

Ich halte Ihre Aussage für absolut fahrlässig. Das Betrachen des Charts im Nachhinein und die daraus folgende "Hättewärewennanalyse" ist genau das, was Tradinganfänger gerne machen, wenn Sie sich reich rechnen, NACHDEM der Markt sich bewegt hat.
Einen SL NICHT zu setzten und gleichzeitig das Risiko einer Positionen sauber zu kalkulieren, würde bedeuten zu wissen wo die Markbewegung gegen mich endet.
Wenn ich weiß, wo dies der Fall sein wird (was aber in der Regel nahezu unmöglich ist) Dann stelle ich doch lieber meine Position glatt, SOFORT wenn der Markt fällt und steige DANN wieder ein, wenn ich weiß, dass der Markt wieder in meine Richtung läuft. Ich besitze leider keine Kristallkugel, die mir dieses verrät.

Bitte verzeihen Sie mir meine offenen Worte aber der Videobeitrag passt in die Kategorie "Trading-Grundschule, erstes Schuljahr". Gut, dass dort noch keinen Noten vergeben werden...

Beste Grüße
Christian Plehn
Shamrock FX Trading

Account gelöscht!

25.07.2011, 15:29 Uhr

Hat jemals jemand behauptet, mit Stop Loss ließe sich eine Rendite verbessern? Dazu ist dieses Instrument gar nicht gedacht. Mit einem Stop Loss werden immer VERLUSTE realisiert, wie der Name schon sagt, und er dient nur dazu Schlimmeres zu verhindern.

Wildemaster

25.07.2011, 15:59 Uhr

@stefriegel

Falsch. Bei einem Trailing Stop z.B. wird der Stop immer auf den zurückliegenden Tiefpunkt nachgezogen. (vom Call ausgehend) Wird dieser Punkt unterschritten, wird verkauft. Hat man gute Marktintuition gehabt und hat den Stop brav nachgezogen, so werden durch den Stop Loss gewinne generiert. Beim nächsten Trend wird per Stop Buy wieder in investiert.

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