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02.07.2011

09:20 Uhr

Nachhaltige Geldanlage

Der Gewinn ist nicht immer alles

VonAnke Rezmer

Deutschland schwört auf Bioprodukte. Allerdings nur aus dem Supermarkt. Bei nachhaltigen Geldanlagen sind Investoren bislang noch skeptisch. Das liegt vor allem am unübersichtlichen Angebot. Ein Wegweiser.

Nachhaltige Finanzprodukte führen nach wie vor ein Schattendasein. Quelle: CAEPSELE für Handelsblatt

Nachhaltige Finanzprodukte führen nach wie vor ein Schattendasein.

FrankfurtBio ist in. Die Deutschen greifen im Supermarkt und beim Obst- und Gemüsehändler eifrig zu Bioprodukten. Doch in Sachen Geldanlage sind es fast nur Großinvestoren, die ihr Kapital nach ökologischen, ethischen und sozialen Grundsätzen arbeiten lassen. Den allermeisten Privatanlegern ist eine nachhaltige Geldanlage - so der Oberbegriff - fremd, wie eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Forsa ergibt.

Nur zwei Prozent der Deutschen legen ihr Geld nachhaltig an. Nur 30 Prozent aller Privaten wissen, was sich hinter dem Begriff verbirgt. "Das Thema ist hier noch nicht richtig angekommen", resümiert André Härtel, Analyst beim Fondsratinghaus Feri Eurorating. Experten schätzen, dass wenige große Investoren wie Pensionskassen oder Stiftungen in Deutschland ein Vermögen von rund 200 Milliarden Euro ethisch, sozial und ökologisch sauber anlegen. In Europa sind es fünf Billionen Euro.

Fallstricke bei der nachhaltigen Geldanlage

Äpfel und Birnen

Anleger laufen Gefahr, bei einzelnen Anlagen extrem unterschiedliche Produkte vergleichen zu müssen. Da hilft nur, sich etwa genauer über die Auswahlkriterien einzelner Fonds kundig zu machen. So kann man vermeiden, ungewollt wenig nachhaltig klingende Aktien wie Tabak-, Alkohol-, Rüstungs- oder Glücksspielfirmen im Depot zu finden.

Kosten

Aufwendiges Fondsmanagement kostet. Doch mitunter langen die Firmen extrem zu. Im Durchschnitt fallen bei einem aktiv gemanagten, global anlegenden Aktienfonds 1,5 Prozent an laufenden Gebühren an. Ob ein nachhaltiger Ansatz aber zwei oder mitunter noch mehr Prozent des Fondskapitals wert ist, muss jeder selbst abwägen. Nicht alle Häuser mit großen Analyse-Abteilungen gehören zu den teuersten. Analysten loben hier Sarasin, die 1,75 Prozent Gebühren verlangt. Auch einige sogenannte passive Nachhaltigkeitsfonds sind bereits am Markt, deren Gesamtkosten rund 0,5 Prozent betragen. Diese Fonds verzichten auf die Fondsmanager und bilden stur einen Index nach.

Beratung

Unfehlbar ist natürlich niemand. Aber die Beratung über nachhaltige Anlagen ist aufwendig. Ein Negativbeispiel: Ein Berater empfiehlt einem Kunden, dem Firmen mit niedrigem Energieverbrauch wichtig sind, Anteile an einem Flugzeugfonds.

Vertreter großer Anbieter wie Erik Breen, Leiter nachhaltige Geldanlage beim niederländischen Fondsanbieter Robeco, erkennen eine stark zunehmende Nachfrage. "Mehr und mehr Anleger wollen ihr Geld nachhaltig investieren und etwa als Anteilseigner darauf hinwirken, dass Firmen nachhaltig wirtschaften. Er erwartet, dass diese Anlagen in Europa bis 2015 ein Fünftel der gemanagten Vermögen oder gut 14 Billionen Euro ausmachen.

Für die Kluft zwischen institutionellen und privaten Anlegern in Deutschland sehen Experten mehrere Gründe. "Nachhaltige Geldanlage ist ein weites Feld", sagt Härtel - Anleger verstehen darunter höchst Unterschiedliches: Manche verlangen, dass Firmen umweltschonend arbeiten, keine ethisch anrüchigen Geschäfte etwa mit Waffen, Tabak oder Alkohol machen. Anderen reicht es, wenn ihre Firmen im Depot weniger Kohlendioxid ausstoßen als andere.

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