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20.09.2011

13:44 Uhr

Nachhaltigkeit

Vom Nischenprodukt zur Trendanlage

VonSusanne Bergius

Zunehmend schichten Investoren ihre Gelder in nachhaltig orientierte Anlagen um. Die Finanzkrise hat diese Entwicklung sogar noch verstärkt. 

Den Anteil der weltweit als Socially Responsible Investments (SRI) bezeichneten Anlagen am europäischen Kapitalmarkt schätzt Eurosif mittlerweile auf 30 Prozent. gms

Den Anteil der weltweit als Socially Responsible Investments (SRI) bezeichneten Anlagen am europäischen Kapitalmarkt schätzt Eurosif mittlerweile auf 30 Prozent.

BerlinDavon habe ich noch nie gehört“ – mehr als jeder zweite Deutsche weiß mit dem Begriff „nachhaltiges“, „grünes“ oder „sozial-ökologisches Investment“ nichts anzufangen. Das ergaben repräsentative Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Forsa Ende Juni. Andererseits: 30 Prozent der Befragten haben bereits davon gehört, die Hälfte von ihnen sogar schon erwogen, Geld unter diesem Gesichtspunkt anzulegen. Und rund drei Prozent der Befragten haben bereits in nachhaltige Anlagen investiert.

Das klingt, als ob diese Art der Geldanlage immer noch ein Nischensegment sei. Doch der Trend zeigt aufwärts, wie die wachsende Zahl von Publikumsfonds mit nachhaltigem Investmentansatz signalisiert: Zur Jahresmitte waren in Deutschland 299 solcher Fonds nach Angaben des Sustainable Business Institute (SBI) zugelassen. Deren verwaltetes Vermögen liegt bei 28 Milliarden Euro. Das sind vier Prozent aller Publikumsfonds, die laut Fondsverband BVI insgesamt 695 Milliarden Euro verwalteten. Vor wenigen Jahren lag die Quote erst bei einem Prozent.

Der europäische Markt für nachhaltige Investments wächst

Doch die Zahl der Publikumsfonds ist nur ein Puzzle-Teil in der Welt nachhaltiger Investments. Bedeutsamer sind die Anlagestrategien institutioneller Anleger: Immer mehr von ihnen schließen Emittenten mit unethischen Geschäftsaktivitäten aus ihrem Anlageuniversum aus. Oder aber sie integrieren bestimmte Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte (ESG) in ihre Analysen und ihr Portfoliomanagement. Auch der europäische Markt für nachhaltige und verantwortliche Investments wächst rasant: Er hat sich auf Sicht von zwei Jahren bis Anfang 2010 auf fünf Billionen Euro fast verdoppelt, ermittelte der Branchenverband Eurosif.

Die Finanzkrise hat diesen Trend nicht etwa gestoppt, sondern sogar noch beschleunigt, sagen alle Experten. Schließlich war es ja die Verantwortungslosigkeit von Banken und anderen Finanzmarktteilnehmern, die die Krise letztendlich verursacht hat. Viele Investoren hätten daraufhin ihr Kapital umgeschichtet oder die Kriterien für die Titelauswahl ergänzt. Die Krise habe bewusst gemacht, wie wichtig es sei, ESG-Kriterien bei Investmententscheidungen zu beachten, erklärten Vermögensverwalter aus 19 Staaten gegenüber Eurosif.

Den Anteil der weltweit als Socially Responsible Investments (SRI) bezeichneten Anlagen am europäischen Kapitalmarkt schätzt Eurosif mittlerweile auf 30 Prozent. Damit ist SRI keine Nische mehr, sondern im „großen“ Geschäft des Kapitalmarktes angekommen.

Hierzulande ist der SRI-Anteil viel größer, als es die Zahl der Publikumsfonds glauben macht. Zwei Drittel der deutschen Großanleger berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien bei Anlageentscheidungen. Das ergab eine Umfrage von Union Investment unter 218 Pensionskassen, Versicherungen, Stiftungen, Banken und Großunternehmen im August. Sie erwarten in den nächsten fünf Jahren eine deutlich positive Marktentwicklung.

Vor allem Stiftungen passen ihre Anlagerichtlinien an

Denn immer mehr Institutionelle verabschieden entsprechende Vorgaben für ihren Investmentprozess. „Ein wesentlicher Grund für die Er arbeitung der Anlagerichtlinien ist die Verankerung ökologisch-ethischer Kriterien“, erläutert Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer der Stiftung Euronatur. Man investiere in geeignete Fonds, andere Assetklassen und bewirtschafte das Umlaufvermögen unter Beachtung ökologisch-ethischer Kriterien. Ziel sei eine Quote von mehr als drei Viertel am Vermögen von 1,5 Mio. Euro. Die Stiftung Entwicklung und Frieden investiert frei werdendes Kapital sukzessive in nachhaltige Fonds, basierend auf Kriterien und Prüfsystem einer Schweizer Bank. Ende Juli 2012 soll die Umschichtung für das Vermögen von rund 6,7 Millionen Euro abgeschlossen sein. Die deutsche Bundesstiftung Umwelt DBU verwaltet 30 Prozent ihrer 1,9 Milliarden Euro nachhaltig. 95 Prozent aller Aktien und Unternehmensanleihen werden entsprechend ausgesucht.

Unter den großen Asset-Managern in Deutschland verpflichten sich zudem immer mehr, ESG-Aspekte bei der Aktienanalyse und dem Portfoliomanagement zu berücksichtigen (siehe Beitrag unten). Folglich werden die Grundsätze verantwortlichen Investierens in Deutschland stärker angewendet, als gemeinhin gedacht wird.

Viele institutionelle Investoren legen die ihnen anvertrauten Gelder zwar nicht komplett nachhaltig an, doch ihr Einfluss bei wichtigen Nachhaltigkeitsaspekten wie dem Klimaschutz, der Einhaltung von Menschenrechten oder guter Unternehmensführung ist laut Experten angesichts der verwalteten Volumina und direkter Dialoge mit Unternehmen größer als derjenige nachhaltiger Nischenfonds.

Zum PDF-Magazin „Nachhaltige Investments“

Kommentare (1)

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uh.sheep@gmail.com

21.09.2011, 22:59 Uhr

Der HERR schaut vom Himmel auf der Menschen Kinder, daß er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.

PSALM 14; 2
BIBEL

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