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26.01.2005

11:00 Uhr

Nachrangige Anleihen von soliden Emittenten gelten trotz höherer Risiken als attraktiv

Michelin, Linde und Casino bieten Rendite

VonAndrea Cünnen

Auf der Suche nach hohen Renditen werden Investoren bei nachrangigen Anleihen fündig. Denn die bieten immer noch eine um bis zu einem halben Prozentpunkt höhere Verzinsung als herkömmliche Bonds von Banken, Versicherern oder Industrieunternehmen. Der Grund liegt in dem höheren Risiko.

Geld fürs Geschäft leiht sich der Reifenhersteller Michelin über nachrangige Anleihen - ein Geschäft für Anleger.

Geld fürs Geschäft leiht sich der Reifenhersteller Michelin über nachrangige Anleihen - ein Geschäft für Anleger.

HB FRANKFURT/M. Die Besitzer von nachrangigen Anleihen werden bei einem Konkurs erst nach den anderen Gläubigern bedient – das Ausfallrisiko ist also deutlich höher. Deshalb bekommen die Bonds von den Ratingagenturen auch schlechtere Bonitätsnoten als vorrangige Anleihen.

Die Kurse der nachrangigen Wertpapiere sind zwar wie die von anderen Bonds deutlich gestiegen und ihre Renditen im Gegenzug gesunken. Dennoch bleiben nachrangige Anleihen auf den Empfehlungslisten von vielen Banken. „Nachrangige Bonds bieten immer noch einen Pick-up für das Portfolio“, sagt auch Klaus Oster von der Analyseabteilung für Unternehmensanleihen bei der Fondsgesellschaft Deka Investment.

Die meisten dieser speziellen Anleihen bringen Banken und Versicherer auf den Markt. Sie müssen dafür zwar höhere Zinsen als für herkömmliche Anleihen zahlen, können die Bonds dafür jedoch auf das Eigenkapital anrechnen, mit dem sie ihre Geschäftsrisiken absichern. Bei Banken unterscheidet man dabei grob zwischen den Kategorien eins und zwei, „Tier-1“ und „Tier-2“. Mit der ersten Kategorie können die Banken Kernkapital und mit der zweiten Ergänzungskapital bilden. Tier-1-Anleihen und nachrangige Versicherungsbonds bieten die höchsten Renditen. Denn bei diesen Bonds sind die Zinszahlungen in Gefahr, wenn die Emittenten keine Dividende ausschütten.

Das gilt auch für die wenigen nachrangigen Bonds von Unternehmen mit einem Rating innerhalb des sicheren Investment-Grades. Solche Bonds gibt es bislang vom deutschen Industriegasespezialisten Linde, dem französischen Reifenhersteller Michelin und der französischen Supermarktkette Casino (siehe „Eine Auswahl“). Uwe Burkert, Leiter der Anleiheanalyse bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), rechnet nicht damit, dass noch viele Unternehmen nachrangige Bonds begeben: Nach der neuen Rechnungslegung IFRS könnten Industrieunternehmen die Bonds nicht mehr auf ihr Eigenkapital anrechnen.

Burkert hält die nachrangigen Unternehmensbonds von der Rendite her zwar für attraktiv, aber für riskanter als vergleichbare Titel von Banken oder Versicherern: „Das ist allein schon deshalb der Fall, weil die Finanzinstitute unter einer strengeren regulatorischen Aufsicht stehen als die Industrieunternehmen.“ Generell seien nachrangige Anleihen auch für Privatanleger interessant, meint Burkert. Sie müssten sich aber der höheren Risiken bewusst sein.

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