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19.01.2005

16:52 Uhr

Negative Folgen für Standort Frankfurt nicht ausgeschlossen

Kritik an LSE-Übernahmeplan auch in Frankfurt

Die Pläne der Deutschen Börse zur Übernahme der Londoner Börse (LSE) treffen nun auch bei einer der größten Frankfurter Fondsgesellschaften auf Kritik.

HB FRANKFURT. Zuvor hatten vor allem angelsächsische Fondsgesellschaften die geplante Milliarden-Übernahme als zu teuer kritisiert und eine außerordentliche Hauptversammlung gefordert. „Deutsche Unternehmen waren bei Akquisitionen in England und den USA selten auf der Gewinnerseite“, sagte Axel Weber, Chef der zweitgrößten deutschen Fondsgesellschaft Deka, der „WirtschaftsWoche“ laut Vorabbericht vom Mittwoch. Weber befürchte, dass Geschäft und Arbeitsplätze nach London abwanderten. Dies wäre „ein Rückschlag für den Finanzplatz Deutschland“, sagte er dem Magazin zufolge. Ein Deka-Sprecher betonte, Weber wende sich nicht gegen eine Fusion der Börsen in Frankfurt und London. Er weise lediglich auf mögliche negative Folgen für Frankfurt hin. Die Deka hält nach eigenen Angaben rund 0,3 Prozent an der Deutschen Börse.

Während sich die DWS als größte Fondsgesellschaft in Deutschland nicht äußern wollte, befürwortete Union Investment als Nummer drei der Branche eine Übernahme im Grundsatz. Union-Sprecher Rolf Drees warnte zuletzt vor einem überzogenen Kaufpreis, fügte aber hinzu: „Wir stehen einer Übernahme der LSE aufgeschlossen gegenüber.“ Drees vertrat ebenfalls die Meinung, dass Frankfurt aus dem Prozess als Gewinner hervorgehen könne. „Unter den aktuellen Plänen wird weder die Liquidität in Einzelwerten nach London gehen, noch werden Banken hier den Handel zu machen“, hatte er gesagt. Die Börse will im Falle einer Fusion die Marktplätze zunächst unverändert lassen. In Börsenkreisen hieß es, der Konzernsitz werde in Frankfurt bleiben. Allerdings könnten einige Vorstandsfunktionen nach London gehen.

Der Aktionärskreis der Deutschen Börse besteht vor allem aus Finanzinvestoren. Die großen strategischen Anteilseigner wie die Deutsche Bank waren nach dem Börsengang des Konzerns Anfang 2001 nach und nach ausgestiegen. Größte Einzelaktionäre sind nach den der Börse vorliegenden Meldungen bei den Aufsichtsbehörden The Children's Investment Fund Management (TCI) und The Capital Group mit knapp über fünf Prozent. In Deutschland sind Beteiligungen an einem Unternehmen ab 5 Prozent meldepflichtig. Die Union Investment hält 4,5 Prozent, die zur Deutschen Bank gehörende DWS besitzt demnach 1,3 Prozent.

Analysten rechnen derzeit nicht damit, dass die Börse bei einer Abstimmung auf einer Hauptversammlung unterliegen wird. „Die Führung der Börse wird mit den großen Aktionären gesprochen haben“, sagte ein Analyst. Der Aufsichtsrat hatte am Montag grünes Licht gegeben. Gespräche mit eigenen Anteilseignern oder solchen der LSE sind der Börse nach eigenen Angaben durch britisches Recht untersagt, solange die Verhandlungen mit der LSE über eine Zustimmung zu den Kaufplänen laufen.

Der TCI-Forderung nach einer Hauptversammlung, auf der über die Fusion diskutiert werden soll, muss die Deutsche Börse nach Einschätzung von Rechtsexperten erst in drei Monaten nachkommen. Dies sei im Aktiengesetz so geregelt, sagte Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz. Die Aktien der Deutsche Börse verteuerten sich am Mittwoch um 0,8 Prozent auf 45,93 Euro.

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