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14.10.2011

06:20 Uhr

Negativer Ausblick

Ratingagentur droht Deutscher Bank

Rundumschlag gegen die Bankenbranche: Die Ratingagentur Fitch droht diversen Großbanken mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit - darunter auch die Deutsche Bank. Das Geschäftsmodell sei zu anfällig.

Das Logo der Ratingagentur Fitch. dapd

Das Logo der Ratingagentur Fitch.

Washington/New York/LondonDie Ratingagentur Fitch überprüft diverse Großbanken auf eine mögliche Herunterstufung. Das Geschäftsmodell dieser Institute dürfte in Teilen sensibel auf die zunehmenden Herausforderungen reagieren, denen sich die Finanzmärkte gegenübersähen, teilte die Agentur am Donnerstag zur Begründung mit.

Zu den Geldhäusern, die auf der Beobachtungsliste mit einem negativen Vorzeichen stünden, gehörten neben der Deutschen Bank die US-Kreditinstitute Bank of America, Morgan Stanley und Goldman Sachs. In Europa würden die Viability Ratings und langfristige Emittenten-Ratings von Barclays Bank, BNP Paribas, Credit Suisse und Societe Generale auf eine Abwertung hin geprüft.

Wie die Krise die europäischen Banken trifft

Die Geschichte wiederholt sich

Schon einmal mussten die Europäer ihre Banken 2008 retten. Nun steht die nächste Runde an. Finanzexperten begrüßen die Pläne der Europäer, die Kapitalpolster ihrer Institute zu stärken. Doch der Bedarf ist nicht überall gleich hoch: Die Krise trifft die Banken der Krisenländer unterschiedlich hart.

Portugal

Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit von neun Banken gerade erst herabgestuft. Moody’s begründet das mit den Folgen, die eine portugiesische Staatspleite für die Banken haben könnte. Die bisherige Finanzkrise haben die Banken gut gemeistert und trotz der schwierigen Situation bislang keine staatlichen Kapitalspritzen benötigt. Stabilisiert hat die Banken, dass sie einen großen Teil ihres Finanzbedarfs durch Kundeneinlagen decken können. Die Einlagen sind laut der Ratingagentur Fitch bislang stabil geblieben.

Spanien

Eigentlich ist die Sanierung und Rekapitalisierung der Banken gerade abgeschlossen. Das gilt insbesondere für die Sparkassen, die zu viele Kredite an Bauträger vergeben hatten und die nach dem Platzen der Immobilienblase auf ihren unverkauften Wohnsiedlungen und unbezahlbaren Kreditschulden sitzen geblieben waren. Griechenland-Anleihen sind für die Banken zwar kein Thema, doch sie besitzen viele spanische Anleihen – und sind so durch die Ausweitung der Schuldenkrise bedroht.

Griechenland

Die Banken haben zwar die Finanzkrise 2008 gut überstanden, doch seit der Schuldenkrise hängen sie dennoch am Fliegenfänger. Würde es in Griechenland einen Schuldenschnitt geben, hätte das Land kein Geld für die Rettung seiner Banken. Zudem wird es für die Banken schwerer, EZB-Kredite zu erhalten. Dazu bräuchten sie neue Staatsanleihen, doch Griechenland finanziert sich nur noch über die EU und nicht mehr über Anleihen.

Italien

Die erneute Bonitätsherabstufung des Landes durch eine Ratingagentur trifft die Banken zur Unzeit. Sie sind zunehmend auf Notenbankkredite angewiesen, da auch gute Ergebnisse beim europäischen Stresstest die Nervosität der Investoren nicht zerstreuten. Zu schwer wiegt die Angst vor einer Insolvenz Italiens und den Folgen für dessen Banken. Das ist ungünstig, weil zumindest die Großbank Unicredit noch eine Kapitalerhöhung plant. Das hatte die Notenbank von allen Instituten eingefordert, und bis auf Unicredit sind dem auch alle gefolgt. Kein Wunder, dass der designierte Zentralbankchef Italiens, Fabrizio Saccomanni, nach dem Ratingurteil extra betonte, dass Italiens Banken solide seien und ihre Kapitalausstattung dem europäischen Vergleich standhalte.

Großbritannien

Nach Meinung des britischen Finanzministers George Osborne sind britische Banken „liquide und gut kapitalisiert“. Von Moody’s wurden die Institute dennoch herabgestuft. Die Regierung werde zwar wohl weiterhin wichtige Banken unterstützen, aber unter Umständen das Zusammenbrechen kleinerer Finanzinstitute zulassen, heißt es zur Begründung. Für Aufregung sorgt auch ein Bericht der „Financial Times“, wonach die Royal Bank of Scotland einem Regierungsvertreter zufolge wohl auch noch einmal Staatshilfen bekäme, „wenn es in Europa einen breit angelegten Vorstoß zur Rekapitalisierung von Banken gibt“.


Zugleich hat die Ratingagentur die Landesbank Berlin und die Berlin-Hannoversche Hypothekenbank herabgestuft. Beide Banken würden ab sofort mit "A+" bewertet und damit einen Punkt niedriger als bislang, teilte die Agentur am Donnerstag in Washington mit. Diese Wertung werde der tatsächlichen Stabilität der Banken gerechter.

Unter den schweizerischen Instituten senkte Fitch die langfristige Einstufung für UBS von „A+“ auf „A“, dafür ist der Ausblick „stabil“. Bei Credit Suisse wurde zunächst nur der Ausblick auf „Negativ“ gesenkt.

Bei den US-Banken Goldman Sachs und Morgan Stanley verfuhr die Agentur ebenso. Der Ausblick für die Bank of America war von Fitch schon zuvor auf „Negativ“ gesetzt worden. Die anderen beiden großen US-Institute, Citigroup und JPMorgan blieben von dem Rundumschlag hingegen verschont.

Die Ratingagentur hatte vorher die beiden teilverstaatlichten britischen Großbanken Lloyds Banking Group und Royal Bank of Scotland zurückgestuft. Das Rating sei von AA- auf A zurückgenommen worden, teilte Fitch am Donnerstag mit.

Es sei weniger wahrscheinlich geworden, dass die britische Regierung die Banken im Falle eines Kreditausfalls stützen werde, hieß es zur Begründung. Das britische Bankensystem sei im Vergleich zum Umfang der britischen Volkswirtschaft sehr groß. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Ratingagentur Moody's zwölf britische Banken zurückgestuft, aus Furcht, die Regierung könne bei einem Engpass nicht ausreichend helfen.

Kommentare (24)

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alfman1961

14.10.2011, 00:43 Uhr

hehe, die amis geben ackermann aufs maul.
zu schön!

beobachter

14.10.2011, 00:43 Uhr

fitch droht nicht.
fitch macht.
und das ist gut so.
bin weißgott kein fan von fitch, aber irgendwann ist einfach ende gelände.
db ist ein unterkapitalisierter räuberhaufen.
da kann auch keine frontfresse was dran ändern.

Beobachter

14.10.2011, 01:26 Uhr

Man muß schon wirklich sehr kühn sein oder einfach nur sehr wenig von der Sache verstehen, um sich am Downgrading der wichtigsten Großbank Deutschlands mit Häme zu erfreuen - entweder absolut gar nichts mehr zu verlieren haben oder so reich sein, dass man seine Schäfchen längst auf Cayman Islands untergebracht hat - jedenfalls in hohem Maße von Frust und Unkenntnis getrieben sein, anders ist die Freude über eine solche Meldung nicht zu begreifen.

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